Älteste Baumschule Deutschlands: Produktionsstandort Berlin gefährdet

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Steht die älteste Baumschule mit ihrem Produktionsstandort Berlin bald vor dem Aus? Foto: Daniela Incoronato


Eigentlich wollten die Späth’schen Baumschulen 2020 ihr 300. Jubiläum als älteste Baumschule Deutschlands und ältester Gewerbebetrieb Berlins mit einem großen Fest am Standort Treptow-Köpenick begehen. Diese Pläne scheinen nun Makulatur zu sein, nachdem von der Berliner Stadtreinigung (BSR) ein Gebührenbescheid über etwa 85.000 Euro ins Haus flatterte.

Die Forderungen der BSR für die Straßenreinigung gehen sogar bis ins Jahr 2013 zurück. Der Grund für die Forderung: nach ihrer Fertigstellung 2005 wurde die Verbindungsstraße Neue Späthstraße, an der die Späth’schen Baumschulen rund 12 Hektar Produktionsfläche von einer gemeinnützigen Produktionsgesellschaft gepachtet haben, als Anwohnerstraße ausgewiesen und rechtfertigt so die Gebühren. Die Alte Späthstraße hingegen ist als Verbindungsstraße deklariert, an der keine Gebühren fällig werden. Jedoch sind die Gebühren so massiv, dass der Produktionsstandort gefährdet ist, nicht aber der Betrieb.

Die Situation ist verfahren. Ein Jahr lang hatte die Baumschule versucht einen Kompromiss mit der BSR zu finden. „Juristisch gesehen ist alles ausgereizt,“ erklärt Geschäftsführer Holger Zahn die momentane Situation. „Weil wir keinen weiteren Ausweg wussten,  haben wir uns auch erst jetzt entschieden, mit dieser Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Als landwirtschaftlicher Betrieb wären wir sogar von den Gebühren befreit worden – nur Gartenbaubetriebe sind in Berlin gebührenpflichtig.“ Zahn hatte im Sinne der Mitarbeiter und dem Standort auf eine politische Lösung von Seiten des Rot-Grünen Senats gehofft. Aber auch hier stehen die Zeichen bei den Verhandlungen mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe auf Stillstand.

Gegenüber der Deutschen Baumschule äußerte sich Zahn über die Zukunft der Baumschule: „Es gibt bereits Verhandlung mit einem landwirtschaftlichen Betrieb über die Verpachtung der Fläche. Sollte es bis Ende November keine Lösung geben, werden wir den Produktionsstandort bis Mitte nächsten Jahres zur Hälfte beräumen und auf unsere Produktionsflächen in Brandenburg ausweichen. Danach folgt bis Jahresende die Räumung der restlichen 50 Prozent.“ Tragisch ist natürlich bei diesem Umzug nicht nur der ideelle Schaden, sondern durch den Standortwechsel wird der Baumschule auch ein großer finanzieller Schaden entstehen, weil unter anderem auch viele Pflanzen nicht umgeschult werden können. Ob sich in letzter Sekunde eine Einigung finden wird, muss abgewartet werden. mv


Mehr zu diesem Thema auch in der Januar-Ausgabe 2018 der Deutschen Baumschule.



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