Grüne Branche

Aktion des Netzwerkes Pflanzensammlungen: bedeutende Efeusammlung gerettet

Geballte Tatkraft, Spaß am gemeinsamen Gärtnern und wissenschaftliche Akribie – diese Stichworte beschreiben das Pflegeaktionswochenende zur Rettung der bedeutenden Efeusammlung der Abtei Neuburg (Heidelberg) am 22. und 23. März vielleicht am besten. Dazu aufgerufen hatte das Netzwerk Pflanzensammlungen über die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 zusammen mit der Deutschen Efeu-Gesellschaft, um der 520 Arten und Sorten umfassenden Pflanzensammlung des verstorbenen Bruder Ingobert Heieck wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. 

„Verifizieren, Etikettieren und Zurückschneiden“ – die Aktion startet! Foto: Edwina Pfendbach

27 ehrenamtliche Helfer, darunter Mitglieder der Gesellschaft der Staudenfreunde, der Deutschen Efeu-Gesellschaft und der Deutschen Kakteen-Gesellschaft, aber auch Damen eines Heidelberger Kulturvereines, örtliche Landschaftsarchitektinnen und leidenschaftliche Gärtner aus der näheren Umgebung, widmeten sich der Pflege der umfangreichen Efeusammlung in der Gärtnerei des Klosters bis in die späten Abendstunden hinein.

Unter fachkundiger Leitung des Klostergärtners Volker Schmidt und der Efeu-Experten Garry Grueber, Andreas Hönemann und Mario Hohlmann wurden die Efeusorten zunächst verifiziert, mit neuen Etiketten versehen, zurückgeschnitten, jede einzelne Sorte fotografiert und die komplette Sammlung dokumentiert. Zu Besuch waren auch das Team vom MDR Garten, die TASPO, die Gartenfotografin Marion Nickig und die Buchautorin Renate Hücking, um über die Rettungsaktion zu berichten und Pläne für zukünftige Projekte zu schmieden.

Angefangen hatte alles mit Ingobert Heieck, der zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz in den 70er Jahren die Klostergemüsegärtnerei in einen Efeuspezialbetrieb umrüstete. Der Mönch investierte viel Lebenszeit in die Gattung Efeu, er sammelte Sorten aus der ganzen Welt, erzielte bedeutende Auslesen, legte eine Literatursammlung an und war Autor vieler Bücher und Beiträge in Fachzeitschriften. So gelangte die Efeugärtnerei zu Heiecks Lebzeiten zu einer großen Popularität und war 1993 Anlass zur Gründung der Deutschen Efeu-Gesellschaft.

Nach Bruder Ingoberts Tod wurde die Gärtnerei verpachtet, die Efeuproduktion weitgehend eingestellt, die Sammlung aber in einem Schaugewächshaus untergebracht. Leider befinden sich die Efeus aktuell in einem schlechten Zustand, da die Abtei nicht über genügend Kapazitäten verfügt, um die Sammlung ausreichend zu pflegen. Hier kommt das Netzwerk Pflanzensammlungen ins Spiel und vermittelt, wie in Heidelberg geschehen, Pflegepatenschaften oder macht sich auf die Suche nach einem neuen Standort. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei die nachhaltige Dokumentation und dauerhafte Pflege.

Im Falle der Klostersammlung Neuburg ist die kontinuierliche Erfassung abgesichert durch eine unterstützende Partnerschaft der Abtei im Netzwerk Pflanzensammlungen und damit in der Deutschen Genbank Zierpflanzen. Der Verein der Gartenkultfreunde Deutschland hat zudem angeboten, in Absprache mit dem Klostergärtner und den Experten der Efeu-Gesellschaft die Sammlung jährlich fachlich zu betreuen. Die aktuelle Bestandsliste wird demnächst in der Datenbank des Netzwerkes Pflanzensammlungen veröffentlicht. (dgg)