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Alte Grabsteine: zu schade zum Zerkleinern

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Umarbeiten statt schreddern: Die Verbraucherinitiative Aeternitas macht sich aktuell für einen nachhaltigeren Umgang mit ausgedienten Grabsteinen und deren Wiederverwendung als „recyceltes“ Grabzeichen stark.

Zu schade für den Schredder: Alte Grabsteine können umgearbeitet und wiederverwendet werden. Foto: Aeternitas

Alte Grabsteine landen oft als Schotter im Straßenbau

Derzeit werden die allermeisten Grabsteine, die nach Ablauf der Ruhefrist von den Grabstellen geräumt werden mussten und nicht mehr benötigt werden, zerkleinert und kommen anschließend als Schotter im Straßenbau zum Einsatz. „Nachhaltig ist dieser Umgang mit dem wertvollen Naturstein nicht“, kritisiert der Grabmal-Experte Thomas Feldkamp von der Verbraucherinitiative Aeternitas.

Um den „ästhetisch ansprechenden Materialien“ mehr Wertschätzung entgegen zu bringen, empfiehlt Feldkamp die Umarbeitung zu einem neuen Grabzeichen. Denn nicht nur seien viele Grabsteine zum Zerkleinern viel zu schade, mit einer adäquaten Wiederverwendung ließen sich gleichzeitig die natürlichen Ressourcen an hochwertigen Natursteinen schonen, so der Aeternitas-Experte. Persönliche Daten der Verstorbenen müssten dabei natürlich unkenntlich gemacht werden.

„Weitergabe“ von Grabsteinen kann Verbundenheit ausdrücken

Der Gedanke, die letzte Ruhestätte eines lieben Angehörigen mit einem „Recycling-Grabstein“ zu versehen, löse dennoch in vielen Menschen eher Unbehagen aus, gibt die Verbraucherinitiative zu. Gerade innerhalb von Familien könnte jedoch ein wiederverwendetes Grabmal, das zum Beispiel vom Vater an den Sohn „weitergegeben“ wird, die enge Verbundenheit zu Lebzeiten zum Ausdruck bringen. Auch könne der Grabstein bei der Umarbeitung eine komplett neue Form erhalten.

Darüber hinaus sei es auch möglich, aus dem Material Skulpturen oder Erinnerungssteine für Haus oder Garten herstellen zu lassen. „Hier bietet sich gar der umgekehrte Weg an: Warum sollte ein Grabmal nicht bereits zu Lebzeiten als Kunstobjekt aufgestellt werden und letztlich als Erinnerungszeichen seinen Platz auf dem Grab des Besitzers finden?“, schlägt Aeternitas vor.

Viele Steinmetze verzichten auf das Umarbeiten von Grabsteinen

Allerdings verzichten viele Steinmetz-Betriebe darauf, die Umarbeitung von alten Grabsteinen anzubieten – müssen etwa erst vorhandene Befestigungen, Bohrlöcher und Schriften entfernt und Schichten abgeschliffen werden, bevor der Stein neu gestaltet werden kann, ist der Planungs- und Arbeitsaufwand deutlich höher als bei einem neuen Grabstein. Entsprechend eignet sich die Wiederverwertung in der Regel auch nicht zur Kostenersparnis, die sich meist nur auf das Material beschränkt.

„Für besonders kreative Steinmetze hingegen ist die Um- und Neugestaltung von alten Grabmalen selbstverständlich“, erklärt die Verbraucherinitiative Aeternitas, die auf ihrer Website Beispiele für Umarbeitungen und Kontaktdaten der ausführenden Betriebe bereitstellt.