Grüne Branche

Alternativen zu Torf bleiben das zentrale Thema

Im Gespräch mit Substratherstellern
Was sich bereits im vergangenen Jahr deutlich abzeichnete, entwickelt sich immer mehr zur Anforderung an die Substrate der Zukunft: Ein Stück weit auf den bewährten Torf verzichten, stattdessen alternative Ausgangsstoffe mit vorteilhaften Eigenschaften einbinden. Nachhaltigkeit gewinnt auch hier an Stellenwert.

Unter dem Motto „Substrat der Zukunft“ stand der Messeauftritt von Klasmann-Deilmann. Das Geester Unternehmen, das auf der IPM erstmals mit neuem Corporate Design auftrat, will die Maßnahmen zur Entwicklung innovativer Substratausgangsstoffe und Kultursysteme deutlich ausweiten. Ziel sei, vorhandene Ressourcen zu schonen und durch neue Rohstoffe zu ergänzen. Mittelfristig sollen Substrate produziert werden, die noch mehr den Kriterien der Nachhaltigkeit entsprechen und gleichzeitig eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz schaffen. „Schon bis zum Jahr 2020 werden wir den Anteil alternativer Ausgangsstoffe auf 15 Prozent unserer Gesamtproduktion erhöhen“, sagte Klasmann-Deilmann-Geschäftsführer Norbert Siebels.

Spezialsubstrate für die Kultur von Beerenobst
Die Nachfrage nach sogenannten „Soft Fruits“ wie Erdbeeren, Himbeeren oder Heidelbeeren steigt weltweit seit Jahren kontinuierlich an. Daher hat Klasmann-Deilmann einige Spezialsubstrate entwickelt, die auf die Kultur von Beerenobst abgestimmt sind.

Torf und Vulkanton gleichen Trockenzeiten aus
Auch Hawita (Vechta) setzt Torfersatzstoffe ein „da, wo es sinnvoll ist“, sagte Hans-Jürgen Luck, Leiter der Fachberatung Erden und Substrate. Darunter sei Kokos und seit rund 40 Jahren Holzfaser.
Torf ist jedoch auch bei Hawita nach wie vor ein Thema: „Bei manchen Pflanzen ist Torf einfach wichtig“, betonte Luck. Daher konzentriert sich der Hersteller 2016 auf die Zugabe von Vulkanton in seinen Substraten, den er in Tonkuhlen bei Lauterbach abbaut. Vulkanton ist ein guter Wasserspeicher, der gleichzeitig überschüssige Flüssigkeit abgibt. Zudem puffert er Nährstoffe und gibt diese bei Bedarf an die Pflanze ab.

Das niedersächsische Unternehmen stellt seine Substrat-Rezepturen regelmäßig auf den Prüfstand, was den Torfanteil betrifft: Haben sich die Ansprüche eventuell geändert? Kann der Anteil an Torfersatzstoffen erhöht werden? „Wir haben ein eigenes Interesse daran, wenn der Torfanteil sinkt – denn die Vorkommen sind endlich.“

Reaktiviert: Holzfasern aus eigener Produktion
Zur Messe hat der Einheitserde Werkverband (Sinntal-Altengronau) seine Produktlinie Eurohum, bestehend aus eigens produzierten Holzfaseranteilen, reaktiviert. Denn auch der Substrathersteller hat sich auf die Fahne geschrieben, weniger Torf in seinen Produkten zu verwenden. In Zukunft soll Holzfaser in den Produkten dominieren, so die Zielsetzung des Unternehmens.

Sichere Verfügbarkeit, eigene Holzfaseranlage
In wenigen Kilometern Entfernung vom Einheitserdewerk Patzer stehen dem Werkverband bei einem regionalen Hersteller von Holzpaletten Holzhackschnitzel in gesicherter, ausreichender Menge und passender Qualität zur Verfügung. Diese werden in der eigenen, 2014 in Betrieb genommenen Anlage zu stickstoffstabilen Fasern für die Produktlinie verarbeitet. Die Wertschöpfungskette wird dadurch erweitert und die als Reststoff anfallenden Hackschnitzel werden sinnvoll genutzt.

Aufklärungsprogramm Torf und Moor-Führungen
Mit der IPM startete Stender in ein Jahr der „Torf-Aufklärung“. Mit dem Programm will das Schermbecker Unternehmen zeigen, dass es verantwortungsvoll mit dem Rohstoff umgeht. Es antwortet transparent auf Fragen wie: Wo kommt Torf her? Wie wird er gewonnen? Was passiert nach dem Abbau?

„Wir gewinnen unseren Torf nicht von intakten oder aktiven Moorflächen“, betont Sebastian Hochrath, Vertriebsleiter bei Euflor, eine der beiden Vertriebsgesellschaften der Stender Gruppe. Der Rohstoff werde auf früheren landwirtschaftlichen Nutzflächen abgebaut, an drei Standorten in Norddeutschland unter Einhaltung des Niedersächsischen Moorschutzprogramms und im Baltikum nach europäischen Gesetzen. Nach dem Abbau „führen wir die abgebauten Flächen restlos einer aufwendigen Renaturierung zu“, so Hochrath. Der Substrathersteller organisiert in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) Führungen durch die Moorgebiete. Das Stender-Sortiment umfasst torfhaltige, torfreduzierte und gänzlich torffreie Produkte. Bei diesen kommen Kompost, Holz- und Kokosfaser als Zuschlagsstoff zum Einsatz.

Zugschlagsstoff aus Vulkangestein
Knauf Aquapanel (Dortmund) stellte auf der IPM Perligran vor. Das Produkt basiert auf Perlite, einem natürlichen Vulkangestein, das als mineralischer Zuschlagsstoff für Substrate oder als pures Medium eingesetzt werden kann. Es sorge für eine hohe Kapillarität sowie gute Drainage bei gleichzeitig besonders geringem Gewicht, so der Hersteller.

Weiterhin sind die Varianten Classic, Medium und Extra erhältlich, sowie eine Sonderanfertigung als Grow Bag in Kooperation mit Kleeschulte Erden. md

Den ausführlichen Artikel mit vielen weiteren Informationen lesen Sie in Ausgabe 04/2016 Deutsche Baumschule.