Auf der Suche nach der grünen Stadt von morgen

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Das Allianz Forum erstrahlte zum Jubiläumskongress des BGL in ungewohntem Grün. Foto: BGL

BGL-Kongress zum Jubiläum
„Grün für die Gesellschaft – die Gesellschaft für Grün“ war der Kongress des BGL zu seinem 50-jährigen Jubiläum überschrieben. Einiges deutet darauf hin, dass das öffentliche Grün wieder stärker ins Blickfeld rückt.

Über 450 Teilnehmer konnte der Präsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL), August Forster, am 12. November 2014 im Berliner Allianzforum zum „Jubiläumskongress“ begrüßen.

Lag in den vergangenen Jahren das besondere Augenmerk auf dem privaten Auftragssegment, gewinnt zunehmend das Bemühen um das öffentliche Grün an Bedeutung. Konsequent widmete sich der Bundesverband in seiner Jubiläumsveranstaltung denn auch unter dem Motto „Grün für die Gesellschaft – die Gesellschaft für Grün“ städtischen Fragen – und damit einem Themenfeld, das zukünftig noch an Bedeutung gewinnen dürfte: Weltweit werden im Jahr 2050 rund 75 Prozent der Menschen in Städten leben, in Deutschland sei dieser Wert bereits heute Realität.

Veränderungen in der Arbeitswelt
Doch wer (grüne) Antworten auf die Fragen geben möchte, wie sich Städte zukünftig organisieren lassen, der muss zunächst den Versuch wagen abzuschätzen, wie sich das Leben der Menschen verändern wird. In Berlin widmete sich dieser Frage der niederländische Trendforscher Rob Creemers. Er konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die rasante technologische Entwicklung und skizzierte Auswirkungen dieser Entwicklung auf den Arbeitsmarkt. Veränderungen der Arbeitswelt und unseres Freizeitverhaltens – diese Entwicklungen dürften dazu führen, dass öffentliche städtische Räume an Bedeutung gewinnen.

Mit Blick auf die Herausforderungen des weltweiten Klimawandels werde urbanes Grün eine immer wichtigere Rolle für die nachhaltige Entwicklung unserer Städte spielen, so Creemers.

Die Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Claudia Hornberg von der Universität Bielefeld verwies in ihrem Vortrag auf die immer noch unterschätzte positive Wirkung von Stadtgrün als Gesundheitsressource, insbesondere für Kinder. „Grüne Räume steigern die körperliche Aktivität, beugen Übergewicht vor, verbessern die motorischen Fähigkeiten und erhöhen die soziale Interaktion.“ Deshalb gelte es, die Grün- und Spielräume bedarfsgerecht zu planen und instand zu halten.

Grün ist den Menschen in den Großstädten also wichtig – das gilt auch hierzulande, wie BGL-Vizepräsident Eiko Leitsch mit Blick auf die Ergebnisse einer aktuellen Forsa-Umfrage in zwölf deutschen Großstädten folgerte. Danach seien vier von fünf Befragten dafür, Parks und Grünflächen von Einsparungen in den öffentlichen Haushalten auszunehmen. Dem stellte Uwe Lübking, Beigeordneter beim Deutschen Städte- und Gemeindebund, entgegen, dass die angespannte Haushaltslage in vielen Kommunen über die Erfüllung von Rechtsansprüchen hinaus, wie etwa die Bereitstellung von Kindergartenplätzen, vielfach keinen finanziellen Spielraum erlaube.

Mehr mit den Bürgern planen
Die Lösung aus diesem Dilemma könne in einem „neuen Denken und einer bürgerfreundlichen Mentalität liegen“, wie es der Philosoph Richard David Precht formulierte. In diesem Kontext erscheint auch das aktuelle Phänomen des „Urban Gardenings“ als ein möglicher Ansatzpunkt. Positiv ist hier zu sehen, dass sich (junge) Menschen auf eine neue Art auch mit dem öffentlichen Raum beschäftigen und ihn für sich interpretieren. Mehr mit als über die Bürger zu planen, dieser Ansatz könnte in der Zukunft der Schlüssel zur Lösung sein.

Damit dies gelingen kann, ist aber vor allem eines notwendig: Vertrauen der Verwaltung in die Bürger, damit neue Projekte realisiert werden können. In vielen kleinen Städten und Kommunen ist man hier schon ein gutes Stück des Weges vorangekommen – wie viele von Bürgern initiierte und teilweise mitgetragene Projekte bei Schulen, Kindergärten oder auch bei Sportplätzen zeigen.

Matthias Hinkelammert/TASPO

Lesen Sie den ganzen Artikel in Ausgabe 12/2014 Deutsche Baumschule.

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