Grüne Branche

„Auf die Dächer – fertig – grün!“

In Zeiten des Klimawandels und der immer weiter zunehmenden Verstädterung sind begrünte Dächer eine Investition in die Zukunft. Doch welche Dachbegrünung passt in das 21. Jahrhundert, und welche neuen Arbeits- und Wissensfelder ergeben sich dadurch für die Baubeteiligten, welche für Baumschulen und den GaLaBau?

Die sich ändernden Umweltbedingungen machen es notwendig, dass die bisherigen Anforderungen an Technik und Gestaltung von Dachbegrünungen auf den Prüfstand kommen. Neue Forschungsergebnisse und technische Entwicklungen im Bereich der Verdunstungsleistung, Biodiversität und Stadtentwässerung spielen dabei eine wichtige Rolle.

„Der Himmel ist die Grenze“
Bei der Veranstaltungsreihe „Kulturlandschaft erleben!“ des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland stand im Gartenbauzentrum Ellerhoop im September das Thema „Nachhaltiges Wohnen unter grünen Dächern auf dem Programm. Nach dem Motto „The Sky is the Limit“ referierten drei Experten über die Zukunft des Gründachs. Michael Richter von der HafenCity Universität Hamburg (HCU) stellte die „Hamburger Gründachstrategie“ vor. Wolfgang Ansel, Geschäftsführer des Deutschen Dachgärtner Verbands, sprach über „Gründächer als Instrument des Klimaschutzes“. Christine Vogt, Landschaftsarchitektin im VAI Pinneberg, zeigte „Architektonische Gestaltung mit Gründachlösungen“.


Verborgenes Potenzial
Viele Großstädte räumen begrünten Dächern bei ihren Anpassungsplänen an den Klimawandel eine besonders hohe Priorität ein. Hamburg übernimmt dabei eine bundesweite Vorreiterrolle: Die Hansestadt hat als erste deutsche Großstadt eine umfassende Gründachstrategie entwickelt. Ziel ist, eine Gesamtdachfläche zu begrünen, die mit über 100 Hektar doppelt so groß ist wie der traditionsreiche Park „Planten un Blomen“. Ein Fünftel der neuen Grünflächen sollen Bewohnern oder Beschäftigten als Gärten, Sportanlagen oder Grünflächen zur Verfügung stehen.

Noch bis 2019 fördert die Behörde für Umwelt und Energie den Bau von Gründächern mit drei Millionen Euro.

Vorteil Gründach
„Gründächer haben nicht nur eine doppelt so hohe Lebensdauer wie konventionelle Flachdächer. Sie sind geeignete Maßnahmen, um die Stadt an den Klimawandel anzupassen“, sagt Michael Richter von der HCU. „Gebäude mit Gründächern heizen sich immer Sommer weniger auf, eignen sich für das Regenwassermanagement und sind darüber hinaus für Fotovoltaik besonders geeignet, weil die Solardächer in Kombination mit Grün effizienter arbeiten. Darum hat Hamburg neben den anderen Bausteinen der Strategie ‚Fordern, Dialog und wissenschaftlich Begleiten‘ auch ein Förderprogramm in Höhe von drei Millionen Euro ins Leben gerufen.“

„Klimaschutz-Instrument“
Wolfgang Ansel, Geschäftsführer des DDV, betonte, dass begrünte Dächer ein Instrument des Klimaschutzes sind. „Um sich auf die Unsicherheiten des Klimawandels vorzubereiten, sind Gründächer ein hervorragendes Instrument“, erklärte er. „Begrünte Dächer haben mit 40 Jahren nicht nur eine doppelt so hohe Lebensdauer wie herkömmliche Kiesdächer, sie verbessern das Stadtklima und sind ganzjährig eine kosteneffiziente Maßnahme zum Energiesparen durch thermischen Schutz.“

Auch bei den Kosten für die Regenwasserableitung biete sich ein enormes Einsparpotenzial. Ansel berichtete von einem 16,7 Hektar großen Neubaugebiet in Stuttgart mit 265 Eigenheimen und neun Mehrfamilienhäusern. „Durch die Kombination von Maßnahmen der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung durch Sickerpflaster, Gründächer und Zisternen war es möglich, eine Einsparung der Investitionskosten gegenüber einem herkömmlichen Regenrückhalt in Höhe von 400.000 Euro zu erzielen.“

Varianten der Dachbegrünung
Extensiv: so aufgebaut und bepflanzt, dass sie sich selbst erhalten und weiterentwickeln kann; benötigt als Bewässerung nur Niederschlag; geringe Schichtdicke, daher auch nachträglich installierbar, sofern Gebäudestatik es zulässt.
Intensiv: nutz- und begehbare Gartenlandschaften mit Gräsern, Stauden, Gehölzen oder Teichen, wenn Dachlast und Substrataufbau erhöht werden; Pflege und Bewässerung wie bei Garten.
ck

Lesen Sie den ganzen Artikel in Ausgabe 12/2016 Deutsche Baumschule.






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