Grüne Branche

Aus für Londoner Gartenbrücke?

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Es sollte ein Touristenmagnet und gärtnerisches Wahrzeichen für London werden: Die „Gartenbrücke“ für Fußgänger über die Themse mit rund 270 Bäumen sowie saisonal bepflanzten Beeten. Jetzt droht das Aus für das Projekt.

Bleibt es beim grünen Brückentraum? Grafik: Garden Bridge Trust/ARUP

Londons Bürgermeister streicht Unterstützung für Gartenbrücke

In einem Brief an die für die Finanzierung des Prestigeprojekts gegründete private Stiftung Garden Bridge Trust hat Londons Bürgermeister Sadiq Khan die Unterstützung zurückgezogen. Der Grund: Das notwendige Geld für den Betrieb und die Wartung der Gartenbrücke könnten nicht garantiert werden. Außerdem könnten ausufernde Kosten beim Bau ein Risiko sein, das am Ende die Londoner Steuerzahler zu tragen hätten.

Damit ist fraglich, ob die Gartenbrücke noch gebaut werden kann. „Wir sind weiterhin zuversichtlich, die restlichen erforderlichen Mittel aufbringen zu können“, schrieb der Vorsitzende der Stiftung, Lord Mervyn Davies, in seiner Reaktion.

Der Entscheidung des Bürgermeisters ging eine unabhängige Überprüfung des Vorhabens voraus. Die Labour-Politikerin und ehemalige Vorsitzende des parlamentarischen Rechnungsausschusses, Margret Hodge, hatte als Ergebnis veröffentlicht, dass die Steuerzahler besser dran wären, wenn das Projekt abgebrochen würde.

Baukosten für Gartenbrücke könnten explodieren

Unter anderem, weil die Baukosten von ursprünglich 60 Millionen Pfund (etwa 71 Millionen Euro) auf mehr als 200 Millionen britische Pfund (etwa 236 Millionen Euro) explodieren könnten. Zudem waren der Stiftung zwei private Geldgeber abgesprungen, wodurch eine Finanzierungslücke von 70 Millionen britischen Pfund entstanden war.

Das finanzielle Risiko wurde dem Bürgermeister daraufhin zu groß. Khans Vorgänger im Bürgermeisteramt, Boris Johnson, hatte als Befürworter des Projekts bereits viel Steuergeld in die Planung gesteckt, schrieb Khan in seinem Brief, den er auch über den Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichte. Es seien bereits 37,4 Millionen britische Pfund von der Regierung in das Projekt gesteckt worden. Sollte das Vorhaben nun scheitern, könnten sich die Kosten für die Steuerzahler auf bis zu 46,4 Millionen britische Pfund erhöhen.

Gartenbrücke hat von Anfang an für Kontroversen gesorgt

Der 2013 von Thomas Heatherwick vorgestellte Entwurf der Garden Bridge, der eigentlich in diesem Jahr realisiert werden sollte, hatte von Anfang an für Kontroversen gesorgt. Dennoch war es der Stiftung gelungen, die Planungen voranzutreiben. Allerdings steht auch nach dreijährigen Verhandlungen noch immer eine Einigung mit einem Teil der betroffenen Grundstücksbesitzer aus.

Der Bürgermeister kommt in seinem Brief zu dem Schluss, dass dieses Hindernis vor dem Auslaufen der Baugenehmigung Ende des Jahres nicht ausgeräumt werden könne.