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Ausbildung: Kosten-Nutzen-Betrachtung

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Um mit dem Mythos aufzuräumen, Auszubildende kosten den Betrieb nur Geld, führte Prof. Dr. Holger Beiersdorf, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, eine Kosten- und Nutzenbetrachtung am Beispiel Bayern durch, die der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) NRW jetzt vorstellte.

„Azubis rechnen sich – vorausgesetzt sie werden richtig geführt und gefördert,“ sagt Prof. Beiersdorf nach Abschluss seiner Untersuchungen. Foto: VGL NRW

Leistung und Schulbildung als Einflussgrößen

Bei der Nutzen- und Leistungserfassung eines Auszubildenden folgte Professor Beiersdorf in seinen Untersuchungen dem Gedankengang, dass ein Azubi die Leistungen eines Hilfsarbeiters und mit der Ausbildung fortschreitend auch die eines Facharbeiters anteilig erbringt. Eine weitere Einflussgröße ist die Schulbildung. Es wird unterstellt, dass Hauptschüler langsamer lernen als beispielsweise Personen mit mittlerer Reife.

Im Ergebnis stellte Professor Beiersdorf fest: Je dichter der Azubi vor der Prüfung steht und je höher die Schulbildung ist, desto höher ist seine Leistung. Sicherlich mag es Auszubildende geben, bei denen die Leistung von vornherein höher ist als dargestellt und andere, die vor der Prüfung immer noch einen geringen Teil der Leistung eines Facharbeiters erbringen, so der Verband. Deshalb sind die Werte als qualifizierte Durchschnitts-Schätzungen zu verstehen.

Keine Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Azubis

Es ergaben sich keine Unterschiede bezüglich der weiblichen und männlichen Auszubildenden. Junge Frauen bringen also nicht weniger Leistung als junge Männer. Was die weiblichen Azubis nicht an körperlichen Kräften aufbieten können, gleichen sie auf andere Weise aus.

Im nächsten Schritt muss ermittelt werden, wie viele produktive Tage ein Auszubildender dem Betrieb wirklich zur Verfügung steht. Von den theoretisch möglichen Arbeitstagen müssen die Berufsschule und die überbetriebliche Ausbildung abgezogen werden. Damit ergeben sich 120 bis 135 Arbeitstage mit rund 1.000 Arbeitsstunden.

Schema einer Gewinn- und Verlustrechnung

Unter Zugrundelegung dieser Daten, der tariflichen Vergütung, den Sozialversicherungsbeiträgen sowie Annahmen für die Kosten von Arbeitskleidung, persönlicher Schutzausrüstung und innerbetrieblicher Schulung kann man für die unterschiedlichen Azubi-Typen je Ausbildungsjahr nach dem Schema einer Gewinn- und Verlustrechnung den Aufwand und die Erträge/Leistungen gegenüberstellen.

Die Zahlen (basierend auf bayrischen Werten aus 2017) dürfen aktuell nur als grobe Anhaltswerte verstanden werden, erklärte Professor Beiersdorf gegenüber der TASPO, da es inzwischen Tariferhöhungen gegeben hat. Zudem ließen sich bayerische Stundensätze nicht mit denen anderer Bundesländer vergleichen.

Kosten-Nutzen-Betrachtung für verschiedene Azubi-Typen

Hauptschüler – Lehre 3 Jahre

  • Überschuss 1. Lehrjahr: – 4.826 Euro
  • Überschuss 2 Lehrjahr: + 3.838 Euro
  • Überschuss 3. Lehrjahr: + 19.840 Euro
  • Gesamtergebnis: + 18.852 Euro

Die Rechnung zeigt, dass bei einem Hauptschüler im ersten Lehrjahr noch „Geld drauf gelegt wird“ und ab dem zweiten Lehrjahr mit echten Rückflüssen zu rechnen ist. Zu Beginn des dritten Lehrjahrs wird die Gewinnschwelle bezogen auf die Einzelkosten erreicht.

Realschüler – Lehre 3 Jahre

  • Überschuss 1. Lehrjahr: + 746 Euro
  • Überschuss 2. Lehrjahr: + 7.918 Euro
  • Überschuss 3. Lehrjahr: + 22.135 Euro
  • Gesamtergebnis: + 30.799 Euro

Abitur – Lehre 2 Jahre

  • Überschuss 1. Lehrjahr: + 1.697 Euro
  • Überschuss 2. Lehrjahr: + 14.885 Euro
  • Gesamtergebnis: + 16.582 Euro

Eine Stimme aus der Praxis zur Kosten-Nutzen-Betrachtung von Auszubildenden lesen Sie in der aktuellen TASPO 2/2018.