Grüne Branche

Ausbildung: „War mit meinem Studium nicht glücklich“

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Nach dem Abitur stehen junge Menschen stets vor einer schwierigen Wahl. Studium oder Ausbildung? Maike Biesel entschied sich zunächst für ein Studium der vergleichenden Sprach- und Literaturwissenschaften an der Universität in Saarbrücken. Schnell merkte sie, dass es sie nicht glücklich machte. Eine besondere Kindheitserinnerung führte dann dazu, das Studium aufzugeben und eine Ausbildung bei Garten- und Landschaftsbau Gesellchen, Illingen anzufangen. TASPO sprach mit Biesel über ihre Entscheidung.

Ein Studium erfüllte Maike Biesel nicht, daher schwenkte sie um auf eine Ausbildung in der Grünen Branche. Foto: privat

Was waren als es auf das Abitur zuging, ihre Ausbildungs- oder Studienpläne? Wie lautete ihr Berufswunsch?

Um ehrlich zu sein hatte ich sowohl als es auf mein Abitur zuging, als auch direkt danach keine wirkliche Idee was ich in der Zukunft machen möchte. Wenn einem zwar alle Türen offenstehen, man jedoch nicht weiß in welche Richtung es überhaupt gehen soll, fällt es unheimlich schwer eine Entscheidung zu treffen. Aus diesem Grund habe ich nach meinem Abitur erstmal ein Jahr gejobbt und mir währenddessen überlegt welche Berufe oder Studiengänge mich interessieren könnten. Auch während dieser Zeit kam mir die Ausbildung zum Gärtner schon in den Sinn, wenn auch zu diesem Zeitpunkt nur flüchtig, da es für mich mit dem Handwerk im Allgemeinen während meiner Schullaufbahn keine Berührungspunkte gab. Letztendlich fiel meine Wahl auf den Studiengang vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaften (an der Universität in Saarbrücken), denn ein Studium schien für mich damals die naheliegendste Option zu sein und auch die einfachste.

Wie kam es dazu, dass Sie irgendwann über eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau nachgedacht haben?

Nach 2 Semestern an der Uni musste ich ganz deutlich feststellen, dass studieren nichts für mich ist. Die ganze Angelegenheit war mir viel zu theoretisch und dadurch auch in großen Teilen zu langweilig. Ich bin einfach keine Theoretikerin oder große Rednerin, sondern ich packe Dinge lieber direkt an. Also hieß es nun wieder was Neues suchen und dieses Mal auch etwas Dauerhaftes denn man wird ja auch nicht jünger und so kam mir erneut der Gärtnerberuf in den Sinn.

Ich habe schon früh meiner Oma viel im Garten geholfen, sodass ich über die Jahre immer mehr selbst machen durfte und die Tage an denen ich von morgens bis abends draußen arbeiten konnte, waren immer Gute. Also wieso nicht das Hobby zum Beruf machen? Deshalb informierte ich mich mal genauer über die Tätigkeitsbereiche im GaLaBau und stellte fest welche Vielseitigkeit dort zu finden ist. Kurz darauf schickte ich dann die ersten Bewerbungen an umliegende Betriebe weg.

Gab es Vorbilder?

Leider nur wenige. Frauen im Handwerk sind ja immer noch eine Seltenheit, was sich zwar langsam ändert aber trotzdem war es schwierig Vorbilder in meinem persönlichen Umfeld zu finden. Es wäre mit Sicherheit hilfreich gewesen, wenn es vielleicht schon während der Schulzeit mehr Berührungspunkte mit dem Handwerk im Allgemeinen und speziell mit Frauen in solchen Berufen gegeben hätte. Als einzige Ausnahme kann ich die Nachbarin meiner Oma nennen, die Meister im Garten- und Landschaftsbau ist. Sie hat mir ab und an Tipps gegeben und gezeigt, dass auch Frauen solche Aufgaben stemmen können, wenn der nötige Biss und Interesse vorhanden sind.

Gab es, als Sie sich für den Ausbildungsberuf entschlossen hatten Widerstände? Wenn ja welche?

Widerstände direkt gab es keine. Meine Entscheidung ist zum Teil eher auf Unverständnis und Überraschung gestoßen, was ich aber auch verstehen konnte. Ich habe meiner Familie erst von meinen Plänen, mein Studium aufzugeben und diesen Beruf zu lernen erzählt, als ich einen Ausbildungsplatz fast schon sicher hatte. Sie versuchten natürlich mir die ,,Tragweite`` meiner Entscheidung deutlich zumachen. Die Tatsachen, dass man nun mal bei Wind und Wetter draußen arbeiten muss, dass der Job körperlich anstrengend ist und man stark variierende Arbeitszeiten haben kann waren häufig angewendete Argumente gegen meine Entscheidung. Jedoch herrschte auch ein falsches Bild, was es bedeutet Gärtner zu werden und später zu sein. Bei Aussagen wie, dass man so gut wie nichts verdient, auch während der Ausbildung und dass man als Frau (mit Abitur) kaum Karrierechancen habe, konnte ich gut Konter geben. Was mir da natürlich half war zum einen der Fakt, das ich zu diesem Zeitpunkt schon keine 18 mehr war, also fähig war mich durchzusetzen und dass ich mir sehr sicher war, dass ich das Ganze angehen möchte egal was andere dazu sagen.

So haben meine Eltern meine Entscheidung relativ schnell akzeptiert, weil sie merkten, dass ich mit meinem Studium nicht glücklich war und einen neuen Weg einschlagen musste auch wenn es vielleicht nicht der einfachste oder leichteste sein würde. Sie haben dann zudem erkannt, dass es mittlerweile auch für Frauen Karrierechancen im Handwerk gibt und mein Abitur keine Verschwendung, sondern ein Vorteil ist.

Wer oder was hat Ihnen - rückwirkend betrachtet- den besten Rat gegeben?

Um ehrlich zu sein gab es keinen Rat von außen. Habe diese Entscheidung alleine für mich getroffen und erst als der Entschluss gefasst war habe ich diesen mit anderen geteilt. Ich bin grundsätzlich kein Mensch der gerne Ratschläge annimmt, weil ich mich schnell zu etwas gedrängt fühle und meine erste Reaktion ist meistens eher defensiv. Deshalb war es für mich persönlich wichtig das Ganze nur mit mir auszumachen.
Doch als ich dann mit anderen über meine Zukunftspläne gesprochen habe waren mir meine Freundinnen eine große Stütze. Aussagen wie ,,Ja, das passt zu dir`` oder ,,Mach einfach das, was du für richtig hältst und dir gefällt`` nahmen mir meine restlichen Zweifel. Gerade die Bestätigung von den Menschen, die wissen wer und wie ich bin und keine Erwartungen an mich haben, war unheimlich wichtig für mich. Ich denke dieses sofortige Verständnis kam auch daher, dass sie wissen wie schwierig es sein kein etwas zu finden, was einem wirklich gefällt. Heutzutage gibt es so eine Fülle von Möglichkeiten, dass eine Berufs- oder Studienwahl sehr herausfordernd sein kann. Aber egal welche Motive sie für ihre Reaktion hatten, ich kann nur sagen, dass es mir viel bedeutet sie als Stützen zu haben, bis heute. Jeder sollte irgendjemanden haben, der dich versteht, akzeptiert und hinter dir steht.

Haben Sie ihre Entscheidung jemals bereut oder daran gezweifelt?

Nein, bis jetzt tatsächlich noch keinen einzigen Tag. Selbst an den Tagen auf der Arbeit, wenn es zum Beispiel -8 Grad sind, ich komplett nass nach Hause komme oder einfach mal gar nichts funktionieren will, bin ich immer noch glücklicher als an meinen besten Tagen an der Uni. Ich mache jetzt nämlich etwas, das mich ausfüllt und ein Gefühl der Zufriedenheit gibt. Abends zu wissen und manchmal auch zu spüren was am Tag geleistet wurde, ist einfach schön.

Deshalb freue ich mich auf meine Zukunft als Gärtnerin. Ich bin gespannt wie die Reise weitergeht und wohin es mich verschlägt. Möglichkeiten innerhalb dieser Fachsparte gibt es immerhin mehr als genug.