Grüne Branche

Ausgabepflicht für Kassenbons sorgt für Diskussionen

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Das neue Kassengesetz sorgt auch in der Grünen Branche weiterhin für Aufreger. Sollen Kassensysteme bis zum Jahreswechsel mit einer technischen Sicherheitseinrichtung (tSE) vor Manipulationen geschützt werden, muss dem Kunden zusätzlich der Kassenbon ausgehändigt werden.

Auch für kleinste Käufgeschäfte sind Händler zukünftig gezwungen, einen Kassenbon auszuhändigen. Foto: Kzenon / Fotolia

Nichtaufgriffsregelung sorgt für Aufschub bei TSE

Da der Markt noch nicht über zertifizierte technische Sicherheitseinrichtungen (tSE) verfügt, wurde für die Umrüstung von Kassensystemen eine sogenannte Nichtaufgriffsregelung geschaffen. Unternehmen haben demnach bis 30. September 2020 Zeit, ihre elektronischen Kassensysteme mit einer entsprechenden tSE Lösung auszurüsten. Keinen Aufschub hingegen gibt es für die Ausgabepflicht von Kassenbons. Bei jedem Vorgang muss der Kassenbon demnach dem Kunden unmittelbar ausgehändigt werden, ganz egal ob dieser es wünscht, oder nicht.

Rund zwei Millionen Kilometer mehr Kassenbons

Dieser Umstand sorgt aktuell für zahlreiche Diskussionen. Laut Bundesfinanzministerium diene die Belegausgabepflicht der verstärkten Transparenz im Kampf gegen Steuerbetrug, da auf den Beleg zukünftig zusätzliche Daten aufgedruckt werden müssen. Die Ausgabe des Belegs kann in Papierform oder auch elektronisch erfolgen, muss aber in unmittelbarem Zeitraum des Geschäftsvorgangs erfolgen. Der Handel befürchtet durch diese neue Vorschrift rund 2 Millionen Kilometer mehr Kassenbelege, sowie einen weitaus höheren bürokratischen Aufwand. Die ausgedruckten Bons landen in den meisten Fällen im Müll, was wiederum eine höhere Umweltbelastung darstellt, da Kassenbelege auf speziellem Thermopapier gedruckt werden.

Neue Regelung zur Ausgabepflicht sorgt für Diskussionen

Kritik an der neuen Regelung kam jetzt sogar von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der sich in einem Brief an Finanzminister Olaf Scholz wandte und einen Stopp des Gesetzes forderte. Auch FDP-Fraktionsvorsitzender Christian Lindner wird auf der Homepage der FDP wie folgt zitiert: „Die Bon-Pflicht ist ein Bürokratie-Monster und sollte verhindert werden.“ In die Kritik steigt auch der Zentralverband Gartenbau (ZVG) ein und begrüßt die Aussagen Altmaiers. „Für jeden kleinen Kauf im gärtnerischen Fachhandel müsste dann ein Kassenbon ausgedruckt werden, auch wenn der Kunde es gar nicht will oder sogar ausdrücklich darauf verzichtet“, erläutert der Vorsitzende des Bundesverbandes Einzelhandelsgärtner Reiner Höpken.

Edeka und Netto führen nachhaltiges Belegpapier ein

Als Reaktion auf diese Bonpflicht gab der Edeka-Konzern bekannt, dass in allen Filialen des Lebensmittelhändlers, sowie dessen Tochter Netto besonders umweltfreundliches Thermopapier für Kassenbons eingeführt werde, welches ohne chemische Farbentwickler auskomme und daher recycelbar sei. Beim neuen Kassenrollenpapier handele es sich um umweltfreundliches, FSC-zertifiziertes Thermopapier. Zwar setze auch das neue Papier auf Wärme, um auf der Kassenrolle das Schriftbild erscheinen zu lassen. Dem liege laut Unternehmensmitteilung jedoch eine rein physikalische und keine chemische Reaktion zugrunde. Daher werden keinerlei Chemikalien für die Farbentwicklung verwendet und können deshalb im Altpapier entsorgt werden.