Grüne Branche

Ausgezeichnet: GaLaBauer erstellt Gemeinwohl-Bilanz

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Als Avantgarde-Unternehmen zeichnete die Stadt Stuttgart jüngst die Blattwerk Gartengestaltung aus. Als eines der ersten Unternehmen im GaLaBau hat Blattwerk eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt, die auch ökologische, soziale und andere Aspekte berücksichtigt. Die TASPO fragte beim Geschäftsführer Stefan Böhm nach, was sich dahinter genau verbirgt.

Was war für den Betrieb der Anlass für dieses Engagement?

Das Förderprogramm der Stadt Stuttgart war der konkrete Anlass. Die Aussicht auf einen Coach, der uns durch die Erstellung der Bilanz begleitet, war der Ausschlag, dieses Projekt jetzt in Angriff zu nehmen. Wir haben schon seit einigen Jahren wahrgenommen, dass die Gemeinwohl-Ökonomie weite Teile unserer Betriebsphilosophie beschreibt. Uns hat es zusätzlich motiviert, eine externe Einschätzung zu bekommen.

Wir glauben, dass die Themen Transparenz, Menschenwürde und Gerechtigkeit in Zukunft noch viel wichtiger werden, und wir wollen dadurch vor den Kunden, vor potenziellen Mitarbeitern und allgemein wirtschaftlich gut aufgestellt sein.

Was umfasst solch eine Gemeinwohl-Bilanz genau? Welche Schritte hat das Unternehmen durchgeführt, um sie zu erstellen?

Die Erstellung der Bilanz wurde von einem Berater strukturiert und begleitet. Es werden vier Werte betrachtet in Bezug auf fünf Bezugsgruppen. Somit ergeben sich 20 Felder. Das lässt sich am besten über die Gemeinwohl-Matrix erkennen.

Zu vielen Bereichen werden Kennzahlen erfragt, um die Bilanz überprüfbar zu machen. Kernstück ist dann allerdings eine geschriebene Bilanz, in der man beschreibt, wie das Unternehmen in jedem Feld aufgestellt ist. Das ist auch die Hauptarbeit. Danach schätzt man sich in jedem Feld anhand von Bewertungsstufen ein. Abschließend wurde diese Selbsteinschätzung durch eine externe Auditorin überprüft. Diese hat dann auch die endgültige Bewertung festgelegt. Die Veröffentlichung der Bilanz ist dann verpflichtend.

Was hat sich im Betrieb – auch für die Mitarbeiter – durch diese Arbeit verändert?

Natürlich gab es in und durch die Erstellung Veränderungen im Betrieb. Wir haben zum Beispiel PET-Flaschen abgeschafft, und unsere Mitarbeiter/-innen trinken nun aus Glasflaschen. Ein Lastenrad wurde angeschafft, um Kleinaufträge umweltschonend abwickeln zu können. Solche Veränderungen gab es allerdings schon vorher und wird es auch in Zukunft geben. Ein Unternehmen, das eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt, hat sich auch im Vorfeld schon damit beschäftigt, wie es nachhaltiger agieren kann. Die Bilanz selber ist dann eine Momentaufnahme.

Überrascht waren wir, wie viel Luft wir im Bereich Ökologie noch nach oben haben. Wir sind hier gut aufgestellt, aber die Gemeinwohl-Ökonomie hat hier – vollkommen zu Recht – einen höheren Anspruch an Unternehmen. In sozialen Bereichen wurden wir hingegen als sehr positiv bewertet. Die Mitarbeiter/-innen waren im ganzen Prozess eingebunden. Für unsere Betriebskultur ist das entscheidend, denn Veränderungen im Unternehmen brauchen eine breite Basis.

Ob der Prozess der Gemeinwohl-Bilanz bei Blattwerk damit abgeschlossen ist und ob das Thema Nachhaltigkeit von Kunden inzwischen aktiv abgefragt wird, lesen Sie in unserem kompletten Interview mit Blattwerk-Geschäftsführer Stefan Böhm in der TASPO 2/2019.