Grüne Branche

Ausgleichsregelung trifft Gärtner doppelt: Flächenzertifikate könnten Abhilfe schaffen

Politisches Ziel ist, den Flächenverbrauch von Landwirtschaft und Gartenbau zu begrenzen und zu steuern. Bisher sorgen starre Ausgleichsregelungen beispielsweise bei Gewächshausneubauten für Verdruss. Nun steht die Verwendung von sogenannten Flächenzertifikaten zur Diskussion. 

ZVG-Vizepräsident Andreas Lohff erörtert mit Katherina Reiche das Thema der Ausgleichsmaßnahmen. Foto: ZVG

Ähnlich wie beim Emissionshandel würde die Menge des zu verbrauchenden Gutes, in diesem Fall Flächen für Wohnen, Gewerbe und Verkehr, gedeckelt. Jede Kommune, die Bauland im Außenbereich ausweisen möchte, müsste eine entsprechende Menge an Flächenzertifikaten vorweisen.

Entsprechend der Einwohnerzahl würde den Kommunen eine bestimmte Menge an Zertifikaten kostenlos zugeteilt. Wollte die Kommune über das ihr zugeteilte Maß hinaus Baugrund auf der grünen Wiese ausweisen, müsste sie die nötige Menge an Zertifikaten zukaufen. Ein entsprechendes Pilotprojekt mit 15 Kommunen läuft zurzeit und probt die Auswirkungen von solchen Flächenzertifikaten. „So entsteht ein Umverteilungsmechanismus zwischen den Kommunen. Gemeinden, die wenig Bauland ausweisen, bekommen Geld, mit dem sie nachhaltige Entwicklungsmaßnahmen finanzieren können“, erklärt Ralph Henger vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Auch der Zentralverband Gartenbau (ZVG) fordert, dem Flächenverbrauch und den starren Ausgleichsregelungen durch die Verwendung entsprechender Zertifikatsmittel bei der Schaffung hochwertiger Grünflächen in den Kommunen gegenzusteuern. Auf der Internationalen Grünen Woche (IGW) erhielt er in dieser Frage Zuspruch sowohl vom CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder als auch von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks und Katherina Reiche, der Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesverkehrsministerium.

ZVG-Vizepräsident Andreas Lohff konnte gegenüber Reiche das Thema Ausgleichsmaßnahmen ausführen: Die Doppelbelastung für Gärtner machte er an dem Beispiel fest, dass vollbegrünte Unterführungen und andere Grünflächen einen weiteren Landentzug durch Ausgleichsmaßnahmen verursachten. Auch die Umwidmung von nicht mehr für Beerdigungszwecke benötigten Friedhofsflächen zu Bauland laufe dem Erhalt von „grünen Lungen“ in den Städten zuwider und ziehe wiederum Ausgleichsmaßnahmen nach sich.

Reiche stimmte dem ZVG zu und zeigte Verständnis für die Forderung des ZVG, den Kommunen beim Erhalt ihrer Grünflächen durch Mittel aus einem Fonds zu helfen, der mit Ausgleichszahlungen in Verbindung mit dem Flächenverbrauch gespeist würde. (zvg/ts)