Grüne Branche

Azerca-Kulturen: schleppender Saison-Start, Absatz unter Druck

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Zu große Callunen-Mengen auf dem Markt, teils ein Preisverfall von bis zu 40 Prozent – so sieht in diesem Jahr bisher mancherorts die Anbau- und Marktlage bei Azerca-Kulturen aus. Die TASPO befragte Betriebe in Nord, Süd und West, Berater und Vermarkter.

Qualitäten trotz Sommerhitze gehalten: Gießen, gießen, gießen – die vergangenen Sommer haben den Azerca-Betrieben einiges abverlangt. Foto: Katrin Klawitter

Saison für Callunen, Eriken und Co. „durchwachsen“

Als „durchwachsen“ wertet Silvia Fittje, Gartenbauberatung Fittje (Oldenburg), die diesjährige Saison für Callunen, Eriken und Co. Die Beraterin betreut die Azerca-Betriebe mehrerer Bundesgebiete. Ihr Fazit der Anbausaison: Der Eriken-Anbau sei bislang relativ stabil, dessen Zukunft aber recht ungewiss. Callunen hätten dagegen europaweit eine Ausweitung in den vergangenen Jahren erfahren. Bei Azaleen nehme dagegen die Anbaureduktion kein Ende, die Preise wertet Fittje nach wie vor als „nicht auskömmlich“. Kamelien haben viele große Betriebe schon länger nicht mehr im Sortiment.

Ein auffälliges Detail sei zu beobachten: Knospenblüher, vor allem die Lizenzsorten, seien bei Callunen der Standard und einfache sowie gefüllt blühende Sorten die absolute Ausnahme – trotz der Bienendiskussion. „Schnell verblühende Callunen will auch der Endkunde nicht – bei aller Bienenliebe“, sind Fittjes Erfahrungen. Die Sortimente seien mittlerweile stärker differenziert in unterschiedliche Blühzeiten, teils durch Sorten, teils durch Kulturmaßnahmen wie Stutzen. Das Interesse an „laubschönen“ Callunen scheine zuzunehmen, auch in Kombinationen.

Hohe Temperaturen bescheren Callunen-Verkauf schleppenden Start

Von einem eher schleppenden Start im Juli/August aufgrund der hohen Temperaturen berichtet ein reiner Callunen-Betrieb aus dem Norden: Da blieb der Verkauf unter Vorjahr, erreichte im September bis Anfang Oktober aber in etwa Vorjahresniveau. „Ab Oktober bis jetzt läuft der Verkauf weiter, allerdings bisher zehn bis 15 Prozent unter dem Vorjahr, was sich in den nächsten zwei Wochen noch ändern kann.“ Denn beispielsweise Gardengirls-Bestände haben im Norden aufgrund der geografischen Lage und durch Auswahl spätblühender Sorten noch eine sehr gute Verkaufsqualität.

Insgesamt liegt die Angebotsmenge am Markt durch Produktionsausweitungen und geringere Kulturausfälle in diesem Jahr über der verminderten Nachfrage, heißt es aus dem Norden. Übermengen oder Minderqualitäten seien daher gar nicht oder nur unter Preisdruck zu vermarkten.

Preiserhöhungen für Callunen kaum durchzusetzen

Im Süden waren Preiserhöhungen ebenfalls kaum durchzusetzen. Gerade 11er- und 12er-Töpfe bei Callunen ständen sehr stark unter Druck. An der Veiling Rhein-Maas kam es täglich zu Überangeboten, berichtet ein Betrieb aus dem Westen – was zu enormem Preisverfall führte. „Der Stopp-Preis bei Garden Girls wird kaum noch eingehalten“, beklagt der Betrieb. Die Absatzsituation in Nord- und Süddeutschland sei ähnlich, weiß er: „Wenn die Veiling den Markt widerspiegelt, sind die Preise in den letzten Wochen um etwa 20 bis 40 Prozent eingebrochen.“

Mancher Betrieb setzt deshalb vermehrt auf Kombi-Produkte, ob mehrfarbige Callunen-Sorten oder auch andere Pflanzenarten in einem Topf, um sich auch in Zukunft abzuheben, Regionalität und Besonderheiten werden forciert.

Unsere komplette Umfrage zur Anbau- und Marktlage bei Azerca-Kulturen lesen Sie in der TASPO 44/2019, die Sie in unserem Online-Shop abrufen können. Darin finden Sie außerdem eine ausführliche Einschätzung der Blumengroßmärkte im Bundesgebiet zur diesjährigen Callunen-Saison.