Grüne Branche

Azerca-Saison 2021: Kultur schwierig, Preise teils höher

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„Die Kultursaison war schwierig, der Verkauf dafür mengenmäßig gut und zügig“ – so beschreibt die Gartenbau-Beraterin Silvia Fittje (Oldenburg) die diesjährige Azerca-Herbstsaison. Ähnliches bestätigen auch von der TASPO befragte Produzenten und Vermarkter von Callunen, Eriken und Co., die vor allem den Witterungsverlauf und die an die Kosten teils noch nicht angepassten Preise hervorheben.

Der Vormarsch der Calluna ist nach wie vor ungebrochen, der Eriken-Anbau nimmt aber ab, ergab die TASPO-Azerca-Umfrage. Foto: Katrin Klawitter

„Bei Kettengeschäften Preise nicht verhandelbar“

Laut Fittje lagen die Preise in dieser Saison im Schnitt nur minimal höher. „Leider immer noch nicht hoch genug bei zwischenzeitlich deutlich gestiegenen Kosten“, bedauert sie. Langfristige Absprachen hätten bisher immer noch deutliche Preisanpassungen verhindert. Das müsse sich zum nächsten Jahr ändern. Ähnliches sagt auch Rainer Peters, zuständig für das Innovations- und Qualitätsmanagement der Gardengirls Heidezüchtung (Edewecht): „Bei Kettengeschäften wurden die Preise bereits in 2020 festgelegt. Das war nicht nachverhandelbar.“ Im normalen Abverkauf an feste Kunden ließen sich Preissteigungen durch erhöhte Produktionskosten im Bereich von fünf bis sieben Prozent jedoch durchsetzen, diese war den Kunden gut zu vermitteln, ergänzt er. Auch im Verkauf am freien Markt und an den Versteigerungen war gerade zum Ende der Saison ein deutlicher Preisanstieg für die Produzenten zu erzielen.

Markt nicht hitzig: „Zu keiner Zeit ein Überangebot“

Auch der Marktverband Bremen (mvb plants worldwide) hat laut Ute Wischniewski, zuständig für Verkauf und Marketing, die Preise im Vergleich zum Vorjahr angehoben. Es gab laut Wischniewski eigentlich zu keiner Zeit ein Überangebot, was den Markt nicht unnötig hitzig gemacht habe. Konstanz melden die beiden Inhaberinnen von Gartenbau Silber, Inid Schiller und Anke Bechtold: Callunen-Preise seien während der ganzen Saison in allen Größen und Kombinationen stabil geblieben, Preiserhöhungen hätten sich erzielen lassen.

Die Saison für Heidepflanzen in 2021 war laut Peters gekennzeichnet durch feucht-kalte Witterung und damit schwierige Kulturbedingungen, dadurch einen erheblichen Pilzdruck über den Sommer im Freiland. Entsprechend hoch war der Aufwand für Pflanzenschutz. Das Jahr 2021 hat die Produzenten auch dadurch vor eine große Aufgabe gestellt, resümiert Wischniewski: Hier sei großes gärtnerisches Können gefragt gewesen. Laut Peters waren Callunen in der Vermarktung von Beginn an stark nachgefragt. Die Produzenten waren Anfang Oktober meist ausverkauft. „Der Vormarsch der Calluna ist nach wie vor ungebrochen“, bekräftigt auch Wischniewski. Bei Calluna liegt der Trend bei Zusammenpflanzungen, sowohl innerspezifisch, aber auch gattungsfremd. Hier sei die Nachfrage höher als das Angebot gewesen: „Gerade Fachgartencenter und Läden mit höherem Qualitätsbewusstsein verlangen nach diesen Mischungen, um sich vom LEH und anderen Ketten abzusetzen.“

Immer weniger Eriken und kaum noch Azaleen angebaut

Im Vergleich zu Callunen bedeute die Erica-gracilis-Kultur einen höheren Zeit- und Arbeitsaufwand, verbunden mit einem höheren Kulturrisiko, sodass die Anbauzahlen weiter sinken. Das bestätigt auch Fittje: Die Anbaumengen seien bei Callunen insgesamt leicht gestiegen, allerdings nur in einzelnen Betrieben, in anderen Betrieben dagegen weggefallen. Die Anbaumenge bei Eriken seien dagegen insgesamt etwas gesunken durch Wegfall von Produktion in einzelnen Betrieben, die andere nicht ganz kompensiert haben. Der Anbau von Azaleen werde langsam zur Randerscheinung, da nur noch sehr wenige Betriebe sie überhaupt kultivieren. Als insgesamt sehr erfolgreich bezeichnen die Befragten den Auslandsmarkt, sowohl für Callunen als auch für Eriken. So bestätigt Peters: „Die Verkaufszahlen und die Nachfrage in den Absatzgebieten Skandinavien und Osteuropa waren in der abgelaufenen Saison sehr gut. Die Nachfrage allgemein für 2022 zeigt sich hier ebenfalls positiv.“

► Im Rahmen unserer TASPO Azerca-Umfrage fragten wir Vermarkter und Produzenten von Callunen und Eriken auch, wie sie mit der Problematik der immens steigenden Kosten und Preise umgehen. Außerdem wollten wir wissen, welche Rolle mittlerweile das Thema torffrei im Azerca-Bereich in der Praxis spielt. Einen Auszug aus den Antworten lesen Sie in TASPO 45/2021.

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