Grüne Branche

Bäume: Klimawandel und Sortimente der Zukunft

An vier Standorten wird zum Sortiment geforscht
Welche Baumarten und -sorten sind nicht nur den üblichen Stressfaktoren gewachsen, sondern können auch den prognostizierten Klimaveränderungen erfolgreich begegnen? Zu dieser Frage wird derzeit an vier kooperierenden Einrichtungen gearbeitet.

Stadtbäume treffen am Endstandort auf eine Reihe vitalitätshemmender Stressfaktoren. Beengte Baumgruben, Bodenverdichtung und weitgehende Versiegelung sind an der Tagesordnung. Eine Störung der Wasserversorgung und des Gasaustausches ist die Folge. Entsprechend leiden die Stadtbäume in den Sommermonaten häufig unter Trockenstress. Aber auch die Wirkung extrem hoher Temperaturen, insbesondere durch die nächtliche Rückstrahlung der Gebäude und versiegelten Flächen, belastet die Bäume in der Stadt. Hinzu kommen Schadstoffimmissionen, Salzbelastungen sowie mechanische Beschädigungen im Wurzel-, Stamm- und Kronenbereich.

Durch den prognostizierten Klimawandel mit zunehmendem Trockenstress im Sommer, steigenden Durchschnittstemperaturen und häufiger auftretenden Extremwetterereignissen wird die Stresssituation der Stadtbäume noch verstärkt.
Eine weitere Herausforderung stellt offenbar der Temperaturverlauf im Winter dar. Der extrem kurzzeitige Wechsel von eher milden Phasen mit Temperaturen bis zu 10 Grad und sehr kalten Phasen führt zu erheblichem Stress bei Bäumen: Im Verlauf der milden Witterungsperioden bauen sie bereits Winterhärte ab, bevor dann wieder extreme Minustemperaturen folgen. Hier ist nicht die absolute Frosthärte der Bäume gefragt, sondern die Fähigkeit, die Kältetoleranz trotz längerer milder Witterungsphasen aufrechtzuerhalten und ein vorzeitiges Enthärten zu verhindern.

Vier Projekte
Deutschlandweit wurden mehrere Projekte zum Thema Klimawandel und Baumsortimente der Zukunft gestartet, die jeweils über einen Zeitraum von zehn Jahren laufen sollen. Neben der Abteilung Gartenbau der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein im Gartenbauzentrum in Ellerhoop gehören auch die Humboldt-Universität Berlin mit der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät, Fachgebiet Urbane Ökophysiologie der Pflanzen, dazu sowie das Zentrum für Gartenbau und Technik in Quedlinburg und die Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim.

Allen vier Projekten gemeinsam ist die Suche nach Baumarten oder -sorten, die in der Lage sein werden, den erwarteten Klimaveränderungen in den kommenden Jahrzehnten erfolgreich zu begegnen. Daher kooperieren die vier genannten Einrichtungen sehr eng miteinander und haben sich zunächst auf ein Basissortiment von 20 Baumarten geeinigt, das von der LWG Veitshöchheim bereits im Projekt „Stadtgrün 2021“ in drei bayrischen Städten (Hof, Kempten, Würzburg) geprüft wird.

Dr. Andreas Wrede
LWK Schleswig-Holstein,
Abteilung Gartenbau, Fachbereich Versuchswesen, Ellerhoop

Lesen Sie den ganzen Artikel mit vielen weiteren Informationen zu den Forschungsarbeiten in Ausgabe 06/ 2013 Deutsche Baumschule.