Grüne Branche

Bauern machen Gärtnern Konkurrenz

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Unter dem Namen „Gärtnerteam“ haben sich 60 Landwirte in der Schweiz zusammengetan und bieten Hilfe bei der Gartenarbeit an – die Zeitung „Züricher Oberländer“ hat in einem Artikel prominent darüber berichtet. Bei den Schweizer Gärtnern hat das Vorhaben unter dem Motto „Der Hauswart vom Land“ lauten Protest ausgelöst.

Konkurrenz für Profi-Gärtner? 60 Landwirte in der Schweiz bieten gemeinsam als „Gärtnerteam“ Gartenpflegearbeiten an. Foto: Antranias/Pixabay

Verrechnet wird ein Stundensatz von 65 Franken (knapp 60 Euro). Was für deutsche Ohren alles andere als billig klingt, ist in der Schweiz ein Politikum. Denn die Bauern arbeiten unter anderen Rahmenbedingungen.

Präsident des Gärtnermeisterverbandes fordert politische Gegenmaßnahmen

Während die grüne Branche einem Schweizer Gesamtarbeitsvertrag unterliegt, der unter anderem einen Mindestlohn vorschreibt, werden die Landwirte staatlich subventioniert, bemängelte Armin Schädeli, Präsident des Gärtnermeisterverbandes des Kantons Zürich, in einem Leserbrief an die Zeitung. Er forderte politische Maßnahmen gegen Bauern, die Gärtner-Dienstleistungen anbieten.

In dem Artikel des Zürcher Oberländer wurden die Bauern damit zitiert, dass Billiganbieter auf Online-Portalen – häufig aus Osteuropa –, die ihre Dienste bereits ab 20 Franken anbieten würden. Den Gärtnern der Region wollten sie indes damit keine Konkurrenz machen.

Landwirte werben mit fachgerechter Gartenarbeit

Die Werbung der Landwirte auf der Kleinanzeigen-Internetseite Anibis.ch liest sich da allerdings anders. „Haben Sie einen Garten, welcher gepflegt werden muss? Sind Ihre Bäume bereits zu groß und müssen gefällt werden? Oder brauchen Sie jemanden, welcher Ihnen den Rasen mäht? Dann sind Sie beim Gärtnerteam genau richtig!“

Mehr als 60 Landwirte stünden bereit, die über Maschinen und breites Fachwissen verfügen. Sie sind nach eigenen Angaben „versiert genug, um die Arbeiten fachgerecht auszuführen“. Zudem wirbt die Gruppe mit Spezialisten für den Obstbaumschnitt und bietet zudem Winterdienst an.

Erwin Meier-Honnegger, Geschäftsführer der Ernst Meier AG in Dürnten, erinnert die Reaktion seiner Berufsgruppe an den Aufschrei des Taxigewerbes auf die Markteinführung von Uber. „Diverse Kollegen haben in Interviews und Leserbriefen geharnischt auf diese subventionierten Dienstleistungen reagiert.“

Erboste Gärtner beanstanden mangelnde Ausbildung des Gärtnerteams

Wie bei Uber beanstanden die erbosten Gärtner mangelnde Ausbildung, ungenügende Erfüllung gesetzlicher Anforderungen, problematische Sicherheit und fehlende Sozialleistungen. Genau wie der private Taxi-Betrieb scheint ihm das landwirtschaftliche Angebot für Konsumenten attraktiv. Er könne genauso ein Taxi von einem Privatwagen unterscheiden, wie zwischen gärtnerischen und landwirtschaftlichen Angeboten differenzieren.

„Der Konsument wünscht sich günstige Dienstleistungen, die nicht in jedem Fall hoch professionell sein müssen. Statt aufzuschreien, sollten wir aufhorchen“, schreibt Honegger in seiner Gastkolumne in dem Schweizer Gärtnerfachmagazin „dergartenbau“. Scheinbar gibt es am Markt Bedürfnisse, die neue Mitbewerber besser abzudecken vermögen als die Gärtnerschaft. Statt „Uber“-trieben sollten Unternehmer besser innovativ darauf reagieren.