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Baum des Jahres 2020: Robinie sorgt für Diskussionen

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Die Robinie ist der Baum des Jahres 2020 – und sorgt für kontroverse Diskussionen. Auf der einen Seite als Zukunftsbaum im Klimawandel sowie wichtige Bienen- und Insektenweide gehandelt, auf der anderen Seite als invasive Art und Bedrohung für hiesige Naturräume verschrien.

Im Bundesvergleich hat das Land Brandenburg die größten Robinien-Vorkommen. Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Baum des Jahres 2020 ist beliebt in Parks, Alleen und Wäldern. Foto: kelifamily/Fotolia

Robinie gilt als Konkurrenz für heimische Flora

Mit Robinia pseudoacacia, so der botanische Name der auch als Falsche Akazie oder Scheinakazie bekannten Robinie, hat sich das Kuratorium Baum des Jahres für eine Baumart entschieden, „die die Gemüter von Naturschützern, Städteplanern und Forstleuten in Wallung bringt“, wie die neue Deutsche Baumkönigin, Charlotte Baumann, unumwunden zugibt.

Zusammen mit Julia Klöckner, Bundeslandwirtschaftsministerin und „Baum des Jahres“-Schirmherrin, will sich Baumann im kommenden Jahr für einen ausgewogenen Diskurs zu ihrer Paten-Baumart einsetzen. Denn weil die aus Nordamerika stammende und vor über 300 Jahren in Mitteleuropa eingeführte Robinie eine Meisterin im Besiedeln der unwirtlichsten Lebensräume ist, gilt sie als Konkurrenz für unsere heimische Flora.

Erfolgsgeheimnis der Robinie ist unter der Erde zu finden

„Das Geheimnis ihres Erfolgs steckt unter der Erde: Bakterien, die an der Wurzel leben, fixieren Luftstickstoff. Dieser reichert sich im Boden an – für stickstoffarme Naturräume wie Magerrasen oder Binnendünen bedeutet dies meist das Ende“, weiß die Deutsche Baumkönigin. Hat sich die Robinie, deren Anteil in deutschen Wäldern derzeit auf etwa 0,1 Prozent geschätzt wird, erst einmal etabliert, ist sie nahezu unverwüstlich und steht daher auf der Liste der invasiven Neophyten.

Gepflanzt wurde die Robinie mit ihren zarten Fliederblättern und duftend weißen Blütenständen anfangs hauptsächlich in Parks und Barockgärten. Bald fand die Baumart aufgrund ihres ungewöhnlich harten Holzes auch Verwendung im Grubenbau, und noch heute ist es ein beliebtes Material für den Bau von Brücken, Spielplatzgeräten und Terrassenmöbeln. Zudem wagten Forstleute im 18. Jahrhundert die ersten Versuche, den schnell wachsenden „Pionierbaum“ zur Wiederaufforstung von Waldflächen einzusetzen.

Botschafterin der Robinie will über Kontroversen informieren

Damit die Robinie künftig bei der Mischung klimastabiler Wälder eine Rolle spielen kann, ist weitere intensive forstwissenschaftliche Forschung notwendig, erklärt die Stiftung Baum des Jahres. Fest steht bereits jetzt schon, dass sie gut mit Trockenheit, städtischem Klima  und schwierigen Bodenverhältnissen zurechtkommt und sowohl salz- als auch immissionstolerant ist. Genauso deutlich ist allerdings auch, dass der kontrovers diskutierte Baum des Jahres 2020 ohne langfristige Abwehrstrategie in sensiblen Naturräumen zum Problem werden kann.

„Meine Aufgabe als Botschafterin der Robinie ist es, über die Kontroversen dieser Art zu informieren“, erklärt dazu die Deutsche Baumkönigin. „Ich biete keine Lösungen an, aber eine von Menschen eingebrachte Art verdient, dass man ihrem Fall Gehör schenkt.“