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Baum-Hunter: Auf der Suche nach dem „einen“ Baum

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„Die Suche nach exklusiven Bäumen und Formgehölzen ist zu vergleichen mit einer Schatzsuche, bei der noch gar nicht feststeht, ob es überhaupt einen Schatz gibt“, sagt Reinhold Borsch. Der Gartengestalter aus Kempen, der für seine Kunden exklusive Japangärten realisiert, bezeichnet sich selbst als „Baum-Hunter“ und ist weltweit ständig auf der Jagd nach edlen und außergewöhnlichen Gehölzen.

Die „Blaue Mauritius“ unter den Bäumen

„Wenn ich einen speziellen Baum entdecke, dann ist das fast so, als wenn bei einer Wohnungsauflösung in einem alten Briefmarkenalbum eine ‚Blaue Mauritius‘ entdeckt wird. An deren Wert kamen die bislang von mir erworbenen Pflanzen zwar noch nicht heran, aber der Wert von einem besonders schönen Baum kann durchaus im sechsstelligen Bereich liegen“, erklärt Borsch.

Der Garten- und Landschaftsbauer, der bei den TASPO Awards 2018 den zweiten Platz in der Kategorie „GartenDesigner des Jahres“ belegte und im März den erstmals vergebenen Giardina Show-Award für außergewöhnliche Leistungen gewann, hat sich auf exklusive Japangärten spezialisiert. Die Gestaltungsregeln dafür hat Borsch während mehrerer Aufenthalte in Japan von den örtlichen Gartenbau-Meistern gelernt, um sich 2003 im heimatlichen Kempen zunächst selbst eine solche Grünoase anzulegen.

Wanted: edle und außergewöhnliche Bäume und Formgehölze

Ein Kunde war davon derart angetan, dass er einen ebensolchen Garten haben wollte, womit der Grundstein für Borschs Spezialgebiet gelegt war. In ganz Europa hat der aus einer Gärtner-Familie stammende GaLaBauer nach eigenen Angaben inzwischen über 50 exklusive Japangärten geplant und gebaut. Dabei betreut er mit seinem Team sämtliche Projekte aus einer Hand – vom ersten Spatenstich bis zur Instandhaltung der Gärten.

Besonderen Wert legt der Perfektionist bei seinen Japangärten auf edle und außergewöhnliche Bäume und Formgehölze, weshalb Borsch nach eigener Aussage nicht irgendeinen Baum sucht, sondern den einen, den es vielleicht nur einmal unter einer Million Bäume gibt. „Und solche edlen und exklusiven Gewächse kann man leider nicht mal eben in der nächsten Baumschule kaufen“, so die Erfahrung des Gartengestalters.

„Baum-Hunter“ Borsch und seine Scouts rund um den Globus unterwegs

Den „Baum-Hunter“ interessieren vor allem außergewöhnlich gewachsene Gehölze im Alter von etwa 70 bis 100 Jahren, wie er erklärt. Um solche Bäume zu finden, ist Borsch nicht nur selbst weltweit unterwegs, sondern wird zudem von einem Netzwerk von hochbezahlten Scouts bei der Suche unterstützt – die im Falle einer erfolgreichen Vermittlung bis zu fünfstellige Provisionen kassieren.

„Die Marktlage in unserem Metier ist vergleichbar mit denen von seltenen Oldtimern, Briefmarken oder Gemälden. Eigentlich ist es in diesem Bereich sogar noch einfacher, da man hier in der Regel weiß, was alles im Umlauf ist und es für solche Gegenstände ja auch regelmäßige Versteigerungen gibt“, erklärt Borsch. „Bei uns kann es durchaus sein, dass der perfekte Baum in irgendeinem kleinen unscheinbaren Garten steht und niemand davon Notiz nimmt. Solche Bäume gilt es zu finden und dann auch zu erwerben.“

„Enormer Aufwand, bis so ein Baum beim Kunden im Garten steht“

Haben der „Baum-Hunter“ und seine Scouts einen solchen „Schatz“ entdeckt, heißt es schnell zu handeln, bevor ein anderer Interessent auf den Baum aufmerksam wird. In trockenen Tüchern ist das Geschäft damit aber noch lange nicht, denn selbst, wenn Borsch sich mit dem Besitzer auf einen Kaufpreis geeinigt hat, bedeutet das noch lange nicht, dass er den Baum auch nach Deutschland importieren darf.

„Es gibt zahlreiche Zollbestimmungen und andere Auflagen zu erfüllen. Teilweise muss man Jahre warten, bis der Baum beispielsweise aus Asien importiert werden darf“, weiß der Gartengestalter. Die Überfahrt findet im klimatisierten Container statt, danach folgt eine dreimonatige Quarantäne, wie Borsch erklärt. „Es steckt ein enormer Aufwand dahinter, bis so ein Baum letztendlich bei einem Kunden im Garten steht, wodurch sich auch die Preise, die auch sechsstellig sein können, ergeben.“