Grüne Branche

Baumpflege: „Können Anstieg der Nachfrage verzeichnen“

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Steigende Arbeitslosenzahlen, Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit und ein drastischer Einbruch der Konjunktur: Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft in Deutschland schwer getroffen. Doch gilt das für alle Branchen gleichermaßen? Angelika Tiedtke-Crede, Mitglied des Vorstands des Sachverständigen-Kuratoriums (SVK), berichtet von den Corona-Auswirkungen auf die Baumpflege-Branche und das SVK.

Wie hat die Corona-Krise die Baumpflege-Branche verändert? Bestehen Probleme durch die aktuellen Beschränkungen?

Die Branche ist von Corona kaum betroffen. Mehr noch, können wir einen Anstieg der Nachfrage verzeichnen. Auf Grund der Arbeit im Freien war und ist es den Dienstleistern und Sachverständigen jederzeit möglich, Aufträge auszuführen. Lediglich Termine in den Gerichten fielen durchweg aus. Andere Unternehmen wie das Gastgewerbe, Restaurants und den Einzelhandel hat es sehr viel stärker getroffen.

Welche Veränderungen gibt es für das Sachverständigen-Kuratorium?

Das Sachverständigen-Kuratorium ist vor allem Veranstalter von Fachseminaren. Auf Grundlage der Corona-Beschränkungen haben wir zunächst einmal alle Seminare ab Mitte März 2020 abgesagt (darunter auch das SVK Gehölzseminar, das ursprünglich vom 23. bis 25. März in Hannover stattfinden sollte, Anm. d. Red.). Die freie Zeit haben wir aber sinnvoll genutzt. In Zukunft möchten wir uns digitaler aufstellen. Das heißt, wir intensivieren nun unsere Social-Media-Aktivitäten und wollen auch im Bereich Seminare digitaler werden.

Wie werden Sie das umsetzen?

Unsere Live-Seminare haben sich bewährt und sind zu einer wichtigen Größe in der Grünen Branche geworden – insbesondere durch den Austausch von Erfahrungswissen. Dennoch wissen wir, dass es auch viele Sachverständige, Fachjuristen und Interessierte gibt, die ein mehrtägiges Seminar nicht in ihren Terminkalender integrieren können oder sich nur für einzelne und ausgewählte Themenbereiche interessieren. Deshalb möchten wir in Zukunft auch Seminare in Form von Webinaren anbieten. Die Teilnehmer können dann bequem von ihrem Schreibtisch aus teilnehmen und auch einzelne Themengebiete – ganz nach ihren Interessen – auswählen. Diese Webinare möchten wir ergänzend zu unserem bestehenden Programm anbieten. Auch Gehölzseminare, zum Beispiel „Einstieg in die Methode Koch“, werden wir im nächsten Jahr zusätzlich als Webinar anbieten. Dabei setzen wir auf einzelne Teilbereiche. Wir werden rechtzeitig auf unserer Homepage darauf hinweisen.

Apropos Gehölzseminar – nach der Corona-bedingten Absage im März steht nun ein neuer voraussichtlicher Termin fest. Was erwartet die Teilnehmer?

Für den neuen Termin haben wir uns bewusst für das nächste Jahr entschieden, da wir hier von einer deutlich entspannteren Situation ausgehen. 100 prozentige Sicherheit, dass der Termin stattfindet, können wir noch nicht garantieren, da die Belegung des Veranstaltungsraums entscheidend ist für die Kostendeckung. Zu wenig erlaubte Teilnehmer rechnen sich unter Umständen nicht, wenn wir alle Abstandsregeln einhalten. Aber wir sind uns unserer Verantwortung als Veranstalter selbstverständlich bewusst und planen den Termin deswegen absolut transparent und stehen unseren Teilnehmern jederzeit Rede und Antwort.

Für das Seminar im nächsten Jahr haben wir ein äußerst spannendes Programm vorbereitet. Die Wertermittlung von Schutz- und Gestaltungsräumen nach der Methode Koch ist in diesem Seminar unser erstes Thema – damit möchten wir in Vergessenheit geratenes rechtliches Wissen und Richtwerte auffrischen sowie auf die Gehölzverwendung unter funktionalen Gesichtspunkten hinweisen. In Zeiten des Klimawandels ist die Wasserspeicherkapazität von Baumsubstraten von großer Bedeutung. Nach dem Praxistag mit Übungen und Vorträgen beginnt der dritte Tag mit angewandter Baumstatik. Es folgt ein Vortrag zum Einsatz künstlicher Intelligenz zur visuellen Baumkontrolle – ein tolles und absolut digitales Thema. Auch die Rußrindenkrankheit bei Ahorn ist ein wichtiger Punkt, den wir behandeln wollen – ist die Krankheit doch für viele Kommunen sehr präsent. Wir erfahren weiterhin etwas über Habitate für die urbane Insektenfauna.

Insbesondere der Praxisteil ist bei den Teilnehmern beliebt. Welche Themen werden im nächsten Jahr behandelt?

Dem Praxisteil haben wir wieder einen ganzen Tag eingeräumt. Manfred Frommer, ein Urgestein der Branche, wird mit den Teilnehmern eine Nachbetrachtung von Schäden aus dem Jahr 2000 vornehmen. Hierbei handelt es sich um schwerwiegende Wurzeleingriffe bei 90 Alleebäumen. Ein einmaliges Vorgehen. Daneben werden wir auch die praktische Wertermittlung fokussieren.

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