Grüne Branche

Baumschulbranche trauert um Prof. Dr. sc. Hans-Heinrich Jesch

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Im Alter von 82 Jahren ist am 16. November Prof. Dr. sc. Hans-Heinrich Jesch verstorben. Mit ihm verliert die Grüne Branche und insbesondere die Baumschulwirtschaft eine Persönlichkeit, der es über viele Jahrzehnte gelang, die unternehmerische Praxis, eine angewandte Wissenschaft und eine verantwortungsvolle Zukunftsorientierung sachorientiert zusammenzuführen – stets offen für einen konträr geführten Meinungsaustausch.

Prof. Dr. sc. Hans-Heinrich Jesch. Foto: privat

Mit Jeschs Unterstützung Aufbau eines bundesdeutschen Gesamtverbandes

Die Baumschulbranche hat Jesch schon früh – zunächst mit Dresden als Wirkungsstätte – in leitender Stellung begleitet. In der Wendezeit war es sein Anliegen, die Baumschulwirtschaft aus Ost und West in gleichberechtigter Form zusammenzuführen. In beratender Funktion half er Kontakte zu knüpfen und die ostdeutschen Baumschulen in einem zunächst eigenständigen Verband zu organisieren. Mit ersten offiziellen Kontakten zur BdB-Sommertagung 1990 in Friedrichshafen begann mit seiner Unterstützung der Aufbau eines bundesdeutschen Gesamtverbandes der Baumschulwirtschaft.

Der Kontakt mit der Branche wurde mit seiner Tätigkeit als Professor für Baumschulwesen an der Humboldt-Universität zu Berlin durch die Bearbeitung von Themen und Projekten weiter intensiviert, die zur Ausrichtung von berufsständischen Entscheidungen, zur Sicherung gesetzlicher Rahmenbedingungen und zur Untermauerung fachlicher Aussagen einer wissenschaftlichen Bearbeitung und Überprüfung bedurften.

Breites Themenspektrum seiner wissenschaftlichen Arbeit

Aus dem breiten Spektrum seiner in Zusammenarbeit mit seinen Studenten/Studentinnen und Doktoranden/Doktorandinnen der Fachrichtung Gartenbau durchgeführten Projektarbeit hier beispielhaft nur einige wenige Themen:

  • Untersuchungen zur Reaktion von Rosa ssp. auf Salzstress in vitro und in vivo
  • Nutzung obstgenetischer Ressourcen
  • Regeneration adulter Malus-Unterlagen
  • Verwendungseignung von Rhododendron-Hybriden
  • Untersuchungen zur xeno- und autovegetativen Vermehrung bei der Gattung Quercus, als Grundlage für die Anlage von Samenplantagen in Nordrhein-Westfalen

Zu den in der Baumschulbranche besonders intensiv und konträr diskutierten Arbeiten seines Institutes gehörte die Prüfung der Identität und Variabilität gebietsheimischer Gehölze aus überregionalen und regionalen Naturräumen zur Verwendung in der freien Landschaft, deren Ergebnisse die Diskussion zum Themenkomplex „Autochthone Gehölze“ maßgebend mit beeinflusste.

Nach dem Ausscheiden aus dem Lehramt war Prof. Dr. sc. Hans-Heinrich Jesch noch als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für unter anderem folgende Sachgebiete tätig: Bewertungs- und Entschädigungsfragen im Obstbau und in Baumschulen, Gehölze, Baumsanierung und Gehölzwertermittlung. Weiterhin stets gefragt waren seine Expertisen zu einer Vielzahl gartenbaulicher Fachthemen, die halfen, Sachverhalte zu analysieren und Einschätzungen zu konkretisieren.

Baumschulbranche verliert mit Jesch kritischen und engagierten Fachmann

Die Baumschulwirtschaft wird Hans-Heinrich Jesch als einen praxisorientierten, kritischen und engagierten Fachmann in Erinnerung behalten, der insbesondere zur Zeit der Wende und im Hinblick auf strittige, fachliche Inhalte der Branche zur Seite stand und diese aktiv unterstützte, seine Studenten werden sich an die Konsequenz erinnern, mit der er Inhalte vermittelte, Forderungen durchsetzte und seine fachliche und menschliche Unterstützung während und nach dem Studium zur Verfügung stellte. Prof. Dr. sc. Hans-Heinrich Jesch hat im Verlauf seines Lebens – im übertragenen Sinne – eine Vielzahl von Gehölzen gepflanzt, deren unterschiedliche positive Wirkungen uns begleiten und für die Zukunft nicht übersehen werden können.

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