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Baumschule Lappen startet neu durch

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„Wir werden Ihnen nicht durch die Lappen gehen!“ Mit diesem munteren Zitat weist die Baumschule Lappen (Nettetal) auf ihrer Internetseite eindrücklich auf ihr Fortbestehen hin. Die TASPO sprach dazu mit Insolvenzverwalter Eberhard Stock, Geschäftsleiter Hans-Jürgen Dieck und Inhaber Christian Lappen.

Baumschule Lappen: Marktverhältnisse und Kosten aus den Augen verloren

Insolvenzverwalter Eberhard Stock (Krefeld) erläuterte im Gespräch mit der TASPO noch einmal die Gründe für die Insolvenz: Man hat sich vorzugsweise um die Produktion der Gehölze gekümmert, gerne auch um Grund und Boden, und hat dabei die Marktverhältnisse sowie die Kosten aus den Augen verloren.

Der Vertrieb hat nicht die Rolle gespielt, die ihm hätte zukommen müssen. Es mangelte daran, verbindlich und verantwortlich festzulegen, was genau kultiviert wird. Das Unternehmen ist schnell auf 650 Hektar gewachsen, allerdings wurden nachlassende Erlöse nicht richtig interpretiert.

Generationenkonflikt bei Lappen junior und senior

Und es gab auch den häufig bei Familienunternehmen anzutreffenden Generationenkonflikt: Wenn der Senior nicht loslassen und der Junior sich nicht durchsetzen kann. Christian Lappen bestätigt im Gespräch, dass der Wechsel in der Geschäftsführung erst im November 2015 erfolgte, nach einer Mediation durch Unternehmensberater. Er habe nicht immer die Entscheidungen, die getroffen wurden, im Betrieb umsetzen können.

Stock sieht weitere Ursachen für die Insolvenz der Baumschule darin, dass sehr viel Geld investiert wurde in Grund und Boden, in Hallen und in den Maschinenpark. Auch Geschäftsleiter Hans-Jürgen Dieck bestätigt in der Gesprächsrunde, es gäbe in vergleichbar großen Baumschulen keinen so umfangreichen Maschinenpark.

Dadurch wurde sehr viel Kapital gebunden, so Stock. „Wenn im September dann das Geld ausgeht, lassen sich weder Maschinen noch Gehölzbestände schnell liquide machen.“ Doch diese Qualitätsbestände sind vorhanden und in sehr gepflegtem Zustand, das Mitarbeiterteam habe gute Arbeit geleistet, unterstreicht er.

Außerordentlich gutes Herbstgeschäft wirkt sich positiv auf Ertrag der Baumschule aus

Deshalb ist der Insolvenzverwalter auch voller Zuversicht, mit der Baumschule neu durchstarten zu können. Zumal das Herbstgeschäft außerordentlich gut verlaufen ist, sagt er. Die Absatzmenge stimmte und der Umsatz auch, „und es sind die richtigen Bäume verkauft worden, viel aus dem eigenen Bestand. Das hat sich natürlich sehr gut auf den Ertrag ausgewirkt.“

Gerade vom älteren Bestand ist viel abgeflossen, speziell auch nach Russland. „Unser Glück war, dass die Stadt Moskau ein großes Projekt aufgesetzt hat und wir die passenden Bäume in der richtigen Größe liefern konnten“, sagt Lappen. „Hier hatte der Senior gute Kontakte und über Jahre gewachsene Geschäftsbeziehungen, die geholfen haben“, fügt Dieck an.

Baumschule Lappen will sich Zeit mit der Restrukturierung lassen

Auf Basis des guten Herbstgeschäfts ist jetzt genügend Liquidität und Substanz vorhanden, um zuversichtlich in dieses und auch ins nächste Jahr hineinzublicken. Und eigentlich auch in die darauf folgenden Jahre, so Stock. „Wir stehen nicht so sehr unter Druck, sondern können aus eigener Kraft uns viel Zeit mit der Restrukturierung des Unternehmens lassen.“ Ziel sei es, bereits in diesem Jahr einen Überschuss zu erwirtschaften, wie Stock unterstreicht.

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen TASPO 10/2017, die am 10. März erschienen ist.