Grüne Branche

Baumschulen: Schmidt, Wörlein, BKN – und nun?

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Mit der Euro-Baumschule Rudolf Schmidt (Halstenbek), BKN Strobel (Holm) und der Baumschule Wörlein (Dießen) haben drei der großen und renommierten Baumschulen Deutschlands in jüngster Vergangenheit Insolvenz oder vorläufige Insolvenz angemeldet. Die TASPO befragte verschiedene Experten der Baumschul- und Gartenbau-Branche, was die genannten Fälle für die Branche bedeuten.

Blick in den Bestand einer Baumschule. Foto: ExQuisine/Fotolia

Jede Insolvenz hat unterschiedliche Ursachen

„Entscheidend ist, dass die einzelnen Fälle differenziert betrachtet werden. Denn jede Insolvenz hat unterschiedliche Ursachen. Die Euro-Baumschule Schmidt war stark auf dem russischen Markt engagiert. Der starke Verfall des Rubels ist einer der Gründe für die Insolvenz“, sagt beispielsweise Frank Schoppa, Geschäftsführer des Landesverbandes Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen (BdB).

Und weiter: „Während die Euro-Baumschule Rudolf Schmidt aufgrund des Russland-Embargos und der damit einhergehenden Rubel-Abwertung wichtige Absatzmärkte in Osteuropa verlor, bekam BKN Strobel ein Problem im Inland: Das Holmer Unternehmen war einer der Hauptlieferanten der Max Bahr/Praktiker-Baumarktkette. Die Baumarktpleite hat BKN – wie vielen anderen Zulieferern auch – zum einen hohe Verluste beschert, und gleichzeitig konnten die produzierten Mengen nicht alternativ abgesetzt werden“, so Schoppa.

Zahlen aus den Augen verloren

„Bei Wörlein hingegen haben unerwartete Baumaßnahmen das Investitionsvolumen für das neue Gartencenter in die Höhe getrieben. Doch die Summe von 4,1 Millionen Euro sei nach Angaben von Ludwig Wörlein in der Süddeutschen Zeitung nicht der entscheidende Grund für die derzeitige finanzielle Schieflage. Die Ursache sei eher in der personellen Beanspruchung während der Arbeiten zu sehen, bei der man die Zahlen aus den Augen verloren habe“, so Schoppa gegenüber der TASPO.

Zu den genannten unterschiedlichen Ursachen kommen laut Schoppa noch gesamtwirtschaftliche Aspekte, Veränderungen im Sektor der Gartenbauwirtschaft und sich verändernde Rahmenbedingungen in der Gesellschaft. „Es sind Überkapazitäten auf dem europäischen Markt vorhanden, und es herrscht ein enormer Kostendruck. In der Summe führt dies zu akutem Stress für den einzelnen Unternehmer.“

Kompetenzverlust zum Thema „Pflanze“ droht

Aus Baumschul-Sicht ist Schoppa zufolge zudem ärgerlich, dass derzeit offenbar viele Gärten eher mit Steinen und wenigen ausgesuchten Exemplaren an Pflanzen gestaltet werden. „Damit droht mittel- bis langfristig ein allgemeiner Kompetenzverlust zum Thema ,Pflanze‘ – eine Entwicklung, die auch von Seiten des GaLaBaus nicht begrüßt werden kann“, so seine Einschätzung.

Welche Meinung Renke zur Mühlen, Vorsitzender des Landesverbandes Weser-Ems im BdB, Jörg Fieseler, Unternehmensberater für Gartenbau der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, sowie Josèp Pages, Geschäftsführer des Europäischen Baumschulverbandes ENA, vertreten, lesen Sie in der TASPO 45/2015.