Grüne Branche

Bayern als Modell fürs „Grüne Dach“?

Alle wollen die Interessenvertretung des deutschen Gartenbaus, strittig ist nur das „Wie“. Die Bayern sind überzeugt, dass ihre verbandsübergreifende Zusammenarbeit in der Landesvereinigung Gartenbau hier Anregungen geben kann. Iris Anger sprach mit deren drei treibenden Kräften Roland Albert, Ulrich Schäfer und Michael Kutter über Ideen und Grundlagen zu einem Grünen Dach.

Diskutierten Ideen und Grundlagen für ein „Grünes Dach“ (v.l.): Ulrich Schäfer, Michael Kutter und Roland Albert. Foto: Iris Anger

Anfang 2008 erklärten die Verbände des Erwerbs- und Freizeitgartenbaus mit der Münchner Erklärung ihre Zusammenarbeit und etablierten die „Landesvereinigung Gartenbau Bayern“.

Das Entscheidende dabei ist, dass hier die Landesverbände der Baumschuler, der Garten- und Landschaftsbauer und der Bayerische Gärtnerei-Verband gemeinsam die Interessen des bayerischen Gartenbaus vertreten und in der breiten Öffentlichkeit für Grün werben.

Da liegt die Frage auf der Hand, warum funktioniert die Zusammenarbeit auf Landesverbandsebene – übrigens ja nicht nur in Bayern, sondern auch in anderen Bundesländern – und warum kommt das „Grüne Dach“ auf Bundesebene so gar nicht voran?

Überlegungen dazu stellten drei der treibenden Kräfte in der Landesvereinigung in einem gemeinsamen Gespräch an: Roland Albert, der Präsident des Bayerischen Gärtnerei-Verbandes, Ulrich Schäfer, der Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern und Michael Kutter, der Vorsitzende des Landesverbandes Bayern im Bund deutscher Baumschulen.

Wie wichtig ist es, Verbandsstrukturen anzugleichen?
Albert: Wir sehen die Dinge wachsen in Bayern, ohne dass wir in ungeheuren Aktionismus verfallen müssen. Die Entwicklung schreitet hier voran, weil wir uns an Themen und Inhalten orientieren und nicht an den Strukturen der Verbände, worüber im Zentralverband Gartenbau die Diskussionen entbrennen.
Und so haben wir auch angefangen, indem wir in der Münchner Erklärung unsere Themenschwerpunkte formuliert haben. Also erst die Frage: „Was braucht der Gartenbau, damit er in Politik und Gesellschaft wahrgenommen wird?“ und dann erst die Frage: „Wie machen wir das?“

Schäfer: Das hört sich nun so leicht an. Automatisch funktioniert so eine Zusammenarbeit aber nicht. Es hängt schon an uns Dreien als Personen, die wir auch unsere Zusammenarbeit in unseren Präsidien vertreten. In unseren Verbänden gibt es natürlich auch Kritiker.
Aber ich würde mal sagen, dass rund 90 Prozent der Mitglieder schon hinter einem gemeinsamen Schulterschluss stehen. Wenn wir als Wirtschaftsverband wahrgenommen werden wollen, so müssen wir gemeinsam auftreten.

Braucht man einen Präsidenten über einer solchen gemeinschaftlichen Vertretung, ähnlich dem Handwerkskammer-Präsidenten?
Schäfer: Nun, wir haben zwar keinen Präsidenten, die Funktion heißt Sprecher bei der Landesvereinigung, und diese Position habe ich im Moment inne. Damit hat die Politik einen Ansprechpartner, und das ist auch notwendig. Unsere Idee ist, dass die Sprecherfunktion rotiert und ein anderer Verband dann übernimmt.

Albert: Ja, damit ist Ulrich Schäfer im Moment der oberste bayerische Gärtner. Aber man muss natürlich auch über die gesamte Aufgabenverteilung sprechen, das Stichwort heißt hier Arbeitsteilung. So stecke ich beispielsweise als Vorsitzender der Fördergesellschaft der bayerischen Landesgartenschauen am besten in diesem Thema. Michael Kutter kümmert sich dafür stärker um die Hochschulpolitik.

Wie handhaben Sie denn Konfliktfälle, zum Beispiel die Mehrwertsteuer?
Kutter: Das belastet uns eher weniger. Es gibt Wettbewerbsnachteile für Betriebe des GaLaBaus. Also ist unsere gemeinsame Forderung, dass für alle Betriebe pflanzliche Waren mit dem reduzierten und andere Leistungen mit dem normalen Steuersatz belegt werden.

Schäfer: Mir fällt kein Thema ein, das uns kontrovers auseinander dividieren könnte – zurzeit jedenfalls nicht. Ein Dreh- und Angelpunkt für die Probleme auf Bundesebene ist für mich der immer noch vorhandene Alleinvertretungsanspruch, der bei einigen im ZVG nach wie vor vorhanden ist.
Die Zeiten haben sich aber geändert, und mit dem BGL ist ein Verband gewachsen, der inzwischen ein Wirtschaftsvolumen angenommen hat, an dem man nicht vorbei kommt.
Hier müsste der ZVG locker lassen können. Parallel dazu müsste auch der BGL seine Arroganz hinten anstellen und einfach mal die Karten auf den Tisch legen und sie neu mischen.

Kutter: Die Situation ist einfach so, dass die Landschaftsgärtner den ZVG verlassen haben, der ZVG aber immer noch einen Alleinvertretungsanspruch aufrechterhält. Das lässt sich nur lösen, wenn man eine gemeinsame Vertretung in Berlin hinbekommt, wobei mir eine „Plattform“ zu wenig wäre. Das „Grüne Dach“ ist schon die richtige Bezeichnung, oder in Anlehnung an den bayerischen Weg vielleicht die „Bundesvereinigung Gartenbau“.

Ist der Druck auf Bundesebene einfach nicht groß genug?
Kutter: Eigentlich war der Druck ja schon ultra-massiv, was beispielsweise die gartenbauliche Sozialversicherung betrifft. Erst im letzten Moment haben es die Bundesverbände von GaLaBau und Gartenbau geschafft, sich auf eine Friedenswahl zu einigen. Hier musste viel Energie hinein gesteckt werden, und es ging um ungeheuer viel Geld.
Die Beteiligten müssen sich einfach klarmachen: Der BGL ist ein großer, selbstbewusster, starker Verband und wenn man ihn im Gartenbau haben will, muss man ihn auch entsprechend einbinden. Uns als BdB liegt am Herzen, dass ZVG und BGL miteinander die drängendsten Dinge gemeinsam lösen.
Und solche Themen wird es in absehbarer Zeit zuhauf geben. Das fängt an mit der nächsten Mehrwertsteuer-Diskussion, die nach der Bundestagswahl auf uns zukommt. Es geht weiter mit der Diskussion um die Flächenknappheit und um ökologische Ausgleichsflächen.

Albert: Vor allem ist fatal, dass sich in der Zeit, die wir unsere Ressourcen damit verschwendet haben, uns gegenseitig an die Gurgel zu gehen, die Bauernverbands-Gesetzessachverständigen mit der Bundespolitik auf etwas geeinigt haben, das den Gartenbau komplett über den Tisch zieht und wo der Gartenbau in der Reform der landwirtschaftlichen Sozialversicherung drohte unterzugehen.

Gehört zu einer gemeinsamen Arbeit auch ein gemeinsamer Standort?
Albert: Nun, in Bayern sind wir inzwischen so zusammengewachsen, dass wir uns auch ein gemeinsames Haus für die Landesvereinigung vorstellen und intensiv daran arbeiten.
Auf Bundesebene ist aus meiner Sicht eine zentrale gartenbauliche Vertretung ebenfalls sinnvoll. Aber das wäre dann eher das konsequente Ergebnis einer engen Zusammenarbeit der verschiedenen Verbände.

Schäfer: Ja, auch aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn es eine in Berlin ansässige Vertretung – auch des BGL – gäbe, aber ein gemeinsames Büro alleine, macht noch keine Zusammenarbeit.

Wie wird denn überhaupt festgelegt, welche Themen in der Landesvereinigung in Angriff genommen werden?
Kutter: Das hat dann schon mit Geld zu tun. Nach einem Schlüssel müssen die beteiligten Fachsparten zahlen, je nach ihrer Wirtschaftskraft, wobei es eine Deckelung nach oben und unten gibt.
Und entsprechend diesem Schlüssel werden auch die Themen der Jahresagenda festgelegt, um die sich die Landesvereinigung kümmert. Das könnte in einer Bundesvereinigung genauso laufen. Eigentlich ganz einfach.

 

Roland Alberts Vorstellung vom Grünen Dach

Herr Albert, das Präsidium des ZVG hat Sie zu Beginn der Gespräche zur Bildung eines „Grünen Daches“ als Vertreter der Landesverbände in die Gesprächsrunde entsandt. Nach vier Runden scheint die Luft raus zu sein und den letzten Äußerungen zufolge wartet der ZVG in dieser Sache auf eine klare Positionierung. Was wollen die Landesverbände?
Albert: Schon immer ist es die Position der Landesverbände, dass eine erfolgreiche Interessenvertretung des Gartenbaus nur in der Geschlossenheit der berufsständischen Organisationen ermöglicht wird. Dies gilt insbesondere für unsere Bundesverbände, die ja ausschließlich von den Mitgliedern ihrer Landesverbände getragen werden.

An dieser Haltung hat sich auch durch die Gespräche zur Bildung eines „Grünen Daches“ nichts geändert, und vor wenigen Tagen wurde dies in der Sitzung des ZVG-Präsidiums in Bonn noch einmal ausdrücklich von den Landesverbänden betont.

Damit scheint ja übereinstimmend die Fortführung der Einigungsbestrebungen gegeben zu sein. Wie würden Sie sich weitere Schritte vorstellen?
Albert: Nachdem wir die vergangenen Gesprächsrunden hauptsächlich der Betrachtung struktureller Fragen und der Positionierung der Fachgruppen gewidmet haben, halte ich die Zeit für gekommen, über kurzfristig erreichbare gemeinsame Ziele zu reden.

Gesprächsrunden in größerer Zusammensetzung verleiten zu Diskussionen grundsätzlicher Natur. Dazu ist nach meiner Ansicht noch Zeit, wenn eine einheitliche Terminologie Gartenbau im Dialog mit Politik und Gesellschaft Einzug gehalten hat.

Das läuft auf eine Verschlankung der Gesprächsrunde hinaus?
Albert: Verschlankung ja, vor allem aber auch eine Reduzierung der Gesprächsrunden auf hauptsächlich ehrenamtliche Mandatsträger. Es sollte Fakt sein, dass die Politik der Verbände vom Ehrenamt bestimmt wird.

Ich würde auch gerne die Präsidenten von BGL, BdB und ZVG in die Verantwortung nehmen. Die drei Verbände sind, in ihrer Grundstruktur vergleichbar, durch Landesverbände und deren Mitglieder getragen.
Gleichzeitig bin ich sicher, dass die Beteiligung der Landesverbände aller drei Partner bei der Formulierung der Ziele hilfreich ist, da dann das faktisch gelebte Miteinander in den Regionen das Denken bestimmen wird.

Welche Chancen räumen Sie den Bestrebungen zur Bildung eines „Grünen Daches“ ein, und wird es eher ein Dach oder ein Flachdach werden?
Albert: Aufgrund der intensiven Kontakte innerhalb der Partnerverbände in Bayern erkenne ich, dass die Mitgliedsbetriebe den Wunsch nach Gemeinsamkeit auf Bundesebene deutlich artikulieren.

Damit ist meiner Ansicht nach auch die Unterstützung seitens der Basis erkennbar. Wenn es gelingen sollte, die inhibierenden (verhindernden) Einflüsse zu neutralisieren, dann wird ein „Grünes Dach“ gute Chancen haben.

Man kann ja auch ein Flachdach nutzen, um die Substanz im Trockenen zu halten. Ein Giebelaufbau wäre eine Möglichkeit, zusätzlichen Raum zu schaffen.

Sie beziehen sich auf den Wunsch Ihrer Mitglieder. Woraus leiten Sie diesen
Wunsch ab?

Albert: Im beruflichen Alltag kommen unsere Unternehmen nicht ohne ein funktionierendes „Miteinander“ aus. Das ist durchaus fachgruppenübergreifend zu verstehen. Abgrenzungen haben in diesem Zusammenhang die Merkmale antiquierten Denkens.

In Bayern werden wir von praktisch allen Verbandsmitgliedern in unserer gemeinsamen Arbeit in der Landesvereinigung Gartenbau unterstützt. Dies haben wir durch das konkrete Handeln, zum Beispiel dem gemeinsamen Besuch von Parteitagen und den daraus resultierenden fruchtbaren Kontakten, erreicht.

Man wird sich daher auch auf Bundesebene die Frage stellen müssen, ob sich der Gartenbau in zukunftsfähigen Strukturen abbildet oder ob historische Chancen auf dem Altar der Befindlichkeiten geopfert werden.

Oder frei nach Erich Kästner: Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es. Empfehlenswert sind deshalb aus meiner Sicht Strategien und möglicherweise zunächst kleine Schritte inhaltlicher Zusammenarbeit, die der Beitragszahler auch versteht und mitträgt – nicht im ersten Schritt gleich ein völlig neues Verbands-Konstrukt.

(Iris Anger)