Grüne Branche

BdF: öffentliche Podiumsdiskussion zur Zukunft der Friedhöfe

Die Bestattung auf den Friedhöfen ist gegenwärtig einem Wandel unterlegen, der die am Friedhof tätigen Gewerke ebenso wie die Kirchen vor die Herausforderung stellt, neue Wege zu beschreiten. Vor diesem Hintergrund veranstaltete der Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF) im Rahmen der Bundestagung der Friedhofsgärtner in Fulda eine öffentliche Podiumsdiskussion unter dem Motto „Neues Leben auf dem Friedhof“. 

Über 50 interessierte Bürger traten dabei am 15. Januar mit Kirchenvertretern, den Friedhofsgärtnern und weiteren Experten aus dem Friedhofsbereich in einen regen Dialog über die Zukunft der Friedhöfe.

Lüder Nobbmann (zu diesem Zeitpunkt noch Bundesvorsitzender des BdF) machte deutlich, dass der Erhalt der Friedhöfe unabdingbar sei. Sie gehörten insbesondere in Großstädten zu den wichtigsten Grünflächen und seien zudem Teil unserer Kultur und Geschichte. „Darüber hinaus sind sie Begegnungsstätten und natürlich unersetzliche Orte für die Trauerarbeit“, so Nobbmann weiter. Er machte für die Friedhofsgärtner im Rahmen der Diskussion deutlich, dass der Erhalt der Friedhöfe nur mit zeitgemäßen Angeboten wie den Memoriam-Gärten gelänge. „Gemeinsam mit Kommunen und Verwaltungen müssen wir mutig sein und sinnvoll investieren, damit den Menschen bewusst wird, dass der Friedhof viel mehr ist als nur ein Bestattungsraum“, führte er weiter aus.

Gerhard Möller, Präsident des Hessischen Städtetags und zugleich Fuldas Oberbürgermeister, betonte ebenfalls, wie wichtig der Dialog sei: „Fulda ist eine grüne Stadt, mit einer lebendigen Friedhofskultur. In den einzelnen Stadtteilen gibt es differenzierte Wünsche. Wir verschließen uns nicht vor den Entwicklungen und müssen überlegen, wohin die künftige Gestaltung der Friedhöfe gehen wird.“

Wie in der Diskussion deutlich wurde, liegt der Friedhof Kirchenvertretern, Bürgern und Friedhofsgärtnern gleichermaßen am Herzen, weshalb man gemeinsam an einem starken zukünftigen Auftritt arbeiten wolle. „Der Friedhof ist eine Arche des Lebens, die es zu erhalten gilt. Deshalb sollten sich Arbeitsgruppen entwickeln, in denen Kirchen, Gewerke, aber auch die Verwaltungen zusammenkommen, um sich auszutauschen und zeitgemäße Konzepte zu entwickeln“, resümierte Nobbmann. „Wir Friedhofsgärtner sind offen für einen Austausch und werden auch in Zukunft alles daran setzen, die Friedhöfe als grüne Oasen und wichtige Orte für die Trauerarbeit zu erhalten.“

Dieses Fazit entstand unter anderem durch die einzelnen Aussagen der Podiumsteilnehmer. So machte Bischof Prof. Dr. Martin Hein von der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck deutlich, dass der Friedhof der Zukunft multikulturell sein wird und sich dort Menschen mit und ohne Religion bestatten lassen werden. Er erklärte außerdem, dass namenlose Bestattungen schwierig seien, denn dadurch würde den Hinterbliebenen die Möglichkeit des Abschiednehmens genommen. Er äußerte, dass die Friedhöfe für die Menschen zugänglich gehalten werden sollten.

„Es ist ein großes Problem, dass der Tod aus unserer Gesellschaft ausgeklammert wird. Kaum jemand stirbt noch zuhause“, bedauerte Monsignore Elmar Gurk. Er äußerte den Wunsch, dass man daran arbeiten solle, um diese Entwicklung in der Gesellschaft umzukehren.

Dr. Beatrice Helene Maria van Saan-Klein, Umweltbeauftragte des Bistums Fulda, machte den Vorschlag, Freiflächen auf Friedhöfen zu Blumenwiesen umzugestalten oder Schaukästen aufzustellen, die über Tiere und Pflanzen auf dem Friedhof Auskunft geben. „Wenn ein Friedhof so schön gestaltet ist, dass sich Mensch, Natur und Schöpfung dort wohl fühlen, dann ist ein Bestattungswald vielleicht nicht mehr interessant“, glaubt sie.

Andreas Mäsing, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur (VFFK), ist überzeugt, dass es insgesamt zu viele Reglementierungen auf den Friedhöfen gebe. Deshalb müsse gemeinsam überlegt werden, wie man mit zeitgemäßen, aber auch bezahlbaren Angeboten auf die Wünsche der Menschen eingehen könne. „Keiner stirbt namenlos“, so Mäsing weiter und plädierte dafür, sich gegen die namenlose Bestattungen einzusetzen.

Die Bürger, die zur Podiumsdiskussion erschienen waren, wünschten sich wiederum gute Beratung von allen Seiten. Dabei wurde deutlich, dass insbesondere eine Information vor dem Todesfall sinnvoll ist, weil Menschen sonst unter Zeitdruck und in einer emotionalen Situation eine Entscheidung treffen müssten, die sie gegebenenfalls später bereuten. Eine Lösung hierfür sei, sich bereits zu Lebzeiten um eine Vorsorge zu kümmern. (ts/bdf)