Grüne Branche

„Bedeutung unserer Streuobstwiesen vermitteln“

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Hubert Siegler ist Sachbearbeiter an der Bayerischen Gartenakademie (LWG Veitshöchheim) mit den Schwerpunkten Obst im Freizeitgartenbau, Seminardurchführungen, Vortrags-, Unterrichts- und Publikationstätigkeiten. Zusammen mit seinem Kollegen Martin Degenbeck hat Siegler im ersten Aufbaukurs seiner Art insgesamt 24 „Streuobst-Gästeführer“ ausgebildet. TASPO sprach mit ihm über seine Arbeit.

Bildete 2019 insgesamt 24 Streuobst Gästeführer aus, Hubert Siegler. Foto: privat

Erklären Sie unseren Lesern kurz: Was macht ein Gästeführer „Streuobst“ und welche Kenntnisse haben Sie in dem Kurs vermittelt?

Er/Sie führt verschiedene Gruppen durch lokale Streuobstbestände und weist dabei auf die Einzigartigkeit dieser Kulturbiotope hin: Flora, Fauna, Biodiversität, CO2-Speicherung, Klimaverbesserung. Je nach Zielgruppe werden die im Kurs vermittelten Aspekte wie Kennzeichen von Streuobst und geschichtliche Entwicklung; Neuanlage, Pflanzung und Pflegemaßnahmen erläutert. Die Vielfalt und das Besondere an alten Sorten mit unterschiedlichen Eigenschaften und Verwertungsmöglichkeiten („In-Wert-setzen“), sowie Produktinformationen sind ebenso wichtige Themen wie Sortenbestimmungsmöglichkeiten und Erhaltung seltener Sorten. Besonders wichtig ist es aber, die emotionale Ebene anzusprechen, und damit den Gästen durch Verkostungen hochwertiger Streuobstprodukte wie Edelbrände, Cider oder sortenreine Säfte ein Gefühl für die Bedeutung unserer Streuobstwiesen zu vermitteln (Stichwort: „Schützen durch Nützen“).

Aus welchen Bereichen kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dem Kurs?

Sie sind bereits über die LWG Veitshöchheim qualifizierte und praktizierende Gästeführer aus den Bereichen Gartenerlebnis Bayern (10 Lehrgangstage) und Weinerlebnis Franken (23 Lehrgangstage). Wie man Gäste begeistert, war also bereits im Grundlehrgang vermittelt worden.

Welches sind die klassischen Einsatzgebiete Ihrer Erlebnisführerinnen und -führer?

Sie führen Besucher, die meist über lokale Tourismusvereine oder auch Volkshochschulen gebucht haben. Des Weiteren Gruppen von Kindergärten und Schulklassen unterschiedlicher Altersstufen (z.B. am Tag des Baumes) und in Rahmen von Streuobstaktionen (Früchte ernten, sammeln und zu Saft verarbeiten). Eine Zusammenarbeit mit Anbietern regionaler Streuobstprodukte, mit Streuobstinitiativen oder -genossenschaften ist unerlässlich. Jedes Produkt hat eine Geschichte, die es zu erzählen gilt. Denn nur ein Obstbaum, der einen Nutzwert hat, wird auch gepflegt.

Wann und wo gibt es Gelegenheiten, die Bevölkerung von der Kulturlandschaft der Streuobstwiesen zu begeistern?

Im Rahmen von Blütenfesten, zur Erkundung von Flora und Fauna, zu Erntedank -und Klimaschutzaktionen und bei Veranstaltungen regionaler Streuobstvereinigungen, die exquisite Streuobstprodukte herstellen. In mehreren Modulen über das ganze Jahr verteilt können Kurse das spezifische Wissen zum Thema Streuobst vermitteln.

Ist schon der nächste Kurs dieser Art geplant? Wenn ja, wer kann sich anmelden, welches sind die Teilnahmevoraussetzungen?

Wir planen ab Oktober 2020 die nächste Qualifizierung für bereits ausgebildete Streuobstfachleute und Baumwarte aus Bayern. Sie werden zu Themen wie Kommunikation, Didaktik, Rechtsfragen, Marketing geschult, fertigen eine Hausarbeit und legen Ende April 2021 eine Prüfung ab. Der Kurs wird im 1. Halbjahr 2020 über unsere Homepage veröffentlicht.