Bedeutung von Gärten während Lockdown gestiegen

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Laut Ergebnissen einer Umfrage der Hochschule Geisenheim sei die Bedeutung von Gärten und Grünanlagen während des Lockdowns gestiegen. Foto: Hochschule Geisenheim / Filmagentur Rheingau

Durch die Kontakteinschränkungen im Zuge der Eindämmung des Corona-Virus‘ sieht der Alltag der Bevölkerung trotz sommerlichen Wetters in diesem Jahr anders als üblich aus. An der Hochschule Geisenheim untersuchten Prof. Dr. Kai Sparke und Dr. Mira Lehberger, welche Bedeutung Gärten und Grünanlagen für die Bevölkerung während dieser Zeit haben.

Befragung von 495 Personen aus allen Bevölkerungsgruppen

Seit einigen Wochen herrscht nahezu durchgehend im gesamten Bundesgebiet sommerliches Frühlingswetter. In dieser Jahreszeit strömen die Menschen üblicherweise in die Cafés und Biergärten und halten sich viel draußen auf. 2020 ist allerdings alles anders. Durch den Corona-Lockdown und den von der Regierung und den Ländern beschlossenen Kontaktbeschränkungen sieht Alltag auch im Freien anders aus. Die Wissenschaftler Prof. Dr. Kai Sparke und Dr. Mira Lehberger forschen an der Professur für Gartenbauökonomie der Hochschule Geisenheim und insbesondere zu menschlichem Verhalten in Bezug auf den Garten und gärtnerische Produkte. Im Zusammenhang mit der Pandemie befragten sie Ende Mai insgesamt 495 Personen aus allen Bevölkerungsgruppen, anteilig nach Alter, Geschlecht, Einkommen und Region zur Bedeutung von Gärten und Grünanlagen.

Gartenbesiter im Schnitt zufriedener

Inhalte der Studie waren Fragen zur Auswirkung der massiven Einschränkungen ins wirtschaftliche, öffentliche und private Leben auf die allgemeine Lebenszufriedenheit der Befragten. Insgesamt 53 Prozent der Stichprobe verfügen über einen eigenen Garten. Diese Teilnehmer seien im Durchschnitt zufriedener mit ihrem Leben. Auf einer Skala von 0 bis 10 weise diese Gruppe einen Wert von 7,4 gegenüber 6,3 bei Personen ohne eigenen Garten auf. „Dieser Unterschied lässt sich zwar auch darauf zurückführen, dass Gartenbesitzerinnen und -besitzer in der Regel ein höheres Einkommen haben“, erklären Sparke und Lehberger. „Doch wir können erkennen, dass aktuell die Nutzung sowohl von privaten Gärten als auch von öffentlichen Grünanlagen einen positiven Einfluss auf die Lebenszufriedenheit haben.“ 75 Prozent der Gartenbesitzergaben an, dass der Garten für sie wichtig oder gar sehr wichtig sei. Außerdem gab über die Hälfte dieser Gruppe an, dass der Garten in diesem Jahr wichtiger als im Vorjahr sei. Bei Personen ohne eigenen Garten treten öffentlichen Grünanlagen an diese Stelle. Für 60 Prozent aus dieser Gruppe seien Parks oder Stadtwälder aktuell wichtig oder sehr wichtig. Auch unter dieser Gruppe der Befragten wurde die Bedeutung in diesem Jahr nochmals größer als im letzten Jahr bemessen.

Freiheit, Erholung und Entspannung als Attribute für den Garten

Gefragt nach persönlichen Umschreibungen für die Bedeutung des eigenen Gartens war „Freiheit“ der mit Abstand am häufigsten genannte Begriff. Es folgten mit „Erholung“ und „Entspannung“ Zuschreibungen, die auch die anderen Befragten für das öffentliche Grün gewählt haben. „Es war also richtig und wichtig, dass während der Kontaktsperre Grünanlagen weitestgehend zugänglich geblieben sind, so dass sie ihre positive körperliche und mentale Wirkung entfalten konnten“, konstatieren die Autoren der Studie die Ergebnisse.

Hausgarten als Wertkomponente auf Immobilienmarkt

Im Mittel gaben alle Befragten an, sich in etwa zehn Stunden pro Woche im Freien für Erholung und Sport aufzuhalten. Bei den Gartenbesitzern kamen zusätzlich noch acht Stunden für Hobbyarbeiten in der eigenen, durchschnittlich 360 Quadratmeter großen Parzelle hinzu. Das bedeute, dass diese Gruppe insgesamt fast doppelt so lange draußen ist. 75 Prozent der Personen mit Garten geben das schöne Frühlingswetter als Beweggrund an, nach draußen zu gehen, aber 58 Prozent weisen auch auf die Einschränkungen bei anderen Freizeitmöglichkeiten hin, und 55 Prozent nennen die Kontaktsperren. „Der Hausgarten könnte sich zukünftig noch mehr als echte Wertkomponente auf dem Immobilienmarkt entwickeln“, vermuten die Sparke und Lehberger.