Beispiellose Hilfsaktion: Gärtner pflanzen das Ahrtal bunt

Veröffentlichungsdatum: , Elke Hormes

Solvejg Luckszat, Julia Zämler und Steffi Schüring (v. l.) sind nur drei von vielen Gärtnerinnen und Gärtnern, die sich in einer bemerkenswerten privaten Verschönerungs- und Hilfsaktion im Ahrtal zusammenfanden. Foto: privat

Über dem Ukraine-Krieg soll das Ahrtal nicht vergessen werden, das im Juli 2021 überflutet und schwer geschädigt wurde. Viele Menschen wurden dort obdachlos. Privat ergriffen Gärtner und Gartenbaubetriebe die Initiative und sorgen für bunte Bepflanzungen.

Grundstein für die Initiative bereits im Oktober 2021 gelegt

Eine Gärtnerei in der Eifel war von Hochwasserschäden ebenso betroffen wie die beiden Gartenbaubetriebe im Ahrtal. Hilfsgelder waren eingetroffen. „Was tun, womit kann man wirklich helfen?“, fragten sich neben anderen Martin Dahlmann, Anke Knaup und Martin Struck. So wurden Geldspenden zu Einkaufsgutscheinen bei Landgard umgewandelt und die Idee von Pflanzaktionen geboren.

Der Grundstein für die Initiative wurde bereits am 9. Oktober 2021 gelegt, indem ein Team sich des völlig zerstörten Friedhofs an der Ahr annahm. Ab morgens um 7:00 Uhr wurde dort tatkräftig aufgeräumt und neu gepflanzt. Über diese Gärtner-Aktion wurde in den Medien berichtet. Die Gruppe befand: „Wir können nicht aufhören.“ Bürgermeister Guido Orthen, Bad Neuenahr-Ahrweiler, hatte die Idee „Unsere Stadt wird wieder bunt“, kaufte einhundert große Pflanztöpfe und brachte sie zur Gärtnerei Wershofen.

Geld war noch übrig, wieder wurde eine Materialliste erstellt. Gärtner aus nah und fern ergriff eine große Hilfswelle. Die Friedhofsgärtner waren noch nicht sehr eingespannt, sodass am 28. Februar 2022 – am zweiten Rosenmontag in der Pandemie ohne richtigen Karneval – die Bepflanzung der Töpfe stattfand. Wieder opferten Gärtner ihre Freizeit und reisten teils mit Mitarbeitern und Bekannten an die Ahr, um zuerst die Töpfe mit Schotter zu befüllen.

Frühjahrsblüher und Gehölze zur Freude hochwassergeschädigter Menschen

Danach verteilte das Team der selbst von Hochwasserschäden betroffenen Gärtnerei von Ralf Wershofen in Bad Neuenahr-Ahrweiler das Substrat in die Töpfe. Die Erde hatte Christian Balster, Einheitserdewerk Balster in Fröndenberg, gespendet, insgesamt 672 Säcke à 60 Liter. Auch Baumschulpflanzen wurden gespendet: Reinhard Bertels, Baumschule Bertels in Drensteinfurt, stellte einhundert Gehölze – rund 1,50 Meter hohe Syringa, Forsythia, Photinia, Pyrus calleryana und Amelanchier – kostenlos zur Verfügung.

Die Produktion der Frühjahrsblüher und die Pflanzenanlieferung übernahmen Sebastian Mühlenbeck, Gartenbau Mühlenbeck in Münster, und sein Kollege Martin Dahlmann, Gartencenter Dahlmann in Münster. Mit Spenden und körperlichem Einsatz halfen bei der Ahrtal-Aktion unter anderem auch Martin Struck, Ralf Wershofen, Martin Dahlmann und Sebastian Mühlenbeck (siehe nebenstehendes Bild, von links nach rechts).

Verpflanzt wurden in der Aktion:

  • 2.500 Viola cornuta
  • 1.600 Primula vulgaris
  • 240 Narzissen ‘Tête-à-Tête’
  • 640 Bellis
  • 960 Tulpen

Nächstes Hilfe-Event im Mai geplant

Dynamisch hatten die Organisatoren der privaten Gärtnerinitiative Ahrtal zusammengefunden: Martin Dahlmann, Gartencenter Dahlmann in Münster, und „Erlebnisrentner“ Martin Struck (Unna), ehemals Geschäftsführer der Dortmunder Friedhofsgärtnergenossenschaft, sowie Anke Knaup (Bochum), hauptberuflich Geschäftsführerin der Fachgruppe Gemüsebau beim Landesverband Gartenbau Nordrhein-Westfalen in Dortmund. Alle drei nutzten ihre Netzwerke und koordinierten ehrenamtlich Spenden und das große Helferteam. „Uns Organisatoren war nach getaner Arbeit klar, dass wir jetzt nicht stoppen“, sagte Anke Knaup beim Telefon-Interview der TASPO. Im Mai gibt es daher wieder ein Hilfe-Event: Die Frühjahrsblüher werden gegen Stauden ausgetauscht, sodass die Anwohner von Ahrweiler und Neuenahr sich dauerhaft an Bepflanzungen erfreuen können. Angedacht sind vor allem bienenfreundliche Stauden.