Grüne Branche

Belohnt: Idee des HSV-Grabfeldes

Das eigene Grabfeld des Hamburger Sportvereins (HSV) hat zu seiner Einführung im September 2008 bundesweit und darüber hinaus Furore gemacht. Der Initiator, Friedhofsgärtner Lars Rehder, gewann mit dieser Idee den TASPO Award 2010 in der Kategorie Dienstleistung und Handel und wurde „Unternehmen des Jahres in der Friedhofsbranche“.

Die Friedhofsgärtnerei Rehder hat zwei Standorte. Das Aushängeschild des Betriebes befindet sich seit der Firmengründung im März 1964 vor dem Friedhofseingang an der Stadionstraße: Ein zum Blumengeschäft umgebautes ehemaliges Wartehäuschen einer Straßenbahnhaltestelle, Baujahr 1925, in dem sich seinerzeit auch die Schaffner aufhalten konnten.

Das massive Gebäude, errichtet nach den Plänen des Altonaer Bausenators und Stadtbaurates Gustav Oelsner (1879 bis 1956), steht unter Denkmalschutz. Obwohl bauliche Veränderungen nicht erlaubt sind, durften zumindest die Firmenschilder an der Fassade angebracht werden, so dass das kleine Gebäude heute die Visitenkarte des Betriebes am Hauptfriedhof ist – unabhängig davon, dass das kleine Blumengeschäft an eine Floristin verpachtet ist.

Der zweite Standort ist gleichfalls sehr exponiert: direkt gegenüber dem Eingang des Friedhofs Bornkamp. Das Schaufenster ist aktuell mit Fotos und Informationen zum TASPO Award gestaltet. Rehder übernahm 2008 das Gebäude, renovierte den Verkaufsraum und eröffnete im April des gleichen Jahres neu.

Heute berät Rehder dort an zwei Nachmittagen in der Woche seine Kundschaft in Sachen Grabanlage und -pflege. Die Kunden hätten sich an die vorgegebenen Öffnungszeiten gewöhnt. Ohnehin erfolgt die Kontaktaufnahme zu 90 Prozent über das Telefon und das Blumengeschäft in der Stadionstraße.

 

„Wir sind immer für Sie da!“

So konzentriert sich Rehder mit seinem kleinen Fach-Team heute ganz auf die Friedhofsgärtnerei und die wirtschaftlich interessanten, am dichtesten gelegenen drei evangelischen Friedhöfe: Am Diebsteich, Bornkamp und Holstenkamp. Insgesamt ist Rehder mit seinem Team auf zehn Friedhöfen tätig, betreut rund 1.300 Gräber, 40 Prozent davon in Dauergrabpflege.

„Wir sind im Hamburger Westen diejenigen, die mit Verbindlichkeit und Sicherheit immer für Sie da sind, wenn es um kompetente Grabpflege und individuelle Grabgestaltung geht“, heißt es deshalb selbstbewusst in der Firmenmappe.

Zu den Spezialitäten gehört ein umfassendes Angebot an Bodendeckern. Da kommen auch schon mal ausgefallene Pflanzen zum Einsatz. Bei der Saisonbepflanzung setzt Rehder eher auf Altbewährtes – in der Musteranlage, die er nebenan gemeinsam mit dem Steinmetzen Bert Ulrich Beppler angelegt hat, ebenso wie auf den Friedhöfen.

Dass man damit durchaus Erfolg haben kann, zeigt das Doppel-Mustergrab, das der Friedhofsgärtner 2003 auf der IGA Rostock gestaltete und für die Anlage im Frühjahr, Sommer und Herbst zweimal Gold und einmal Silber erhielt.

Lars Rehder sieht sich nach eigener Aussage mehr als Unternehmer, denn als Gärtner mit Grab-erde an den Händen. Zwar packt er in Stoßzeiten auf den Friedhöfen kräftig mit an, schafft sich ansonsten aber Freiräume, die er auch für berufsständisches Engagement nutzt.

Gerade ist er in den Vorstand der Landesfachgruppe Friedhofsgärtner im Gartenbauverband Nord (Gartenbauverband Nord) wiedergewählt worden. Das ist zurzeit sein einziges Ehrenamt. Drei Jahre lang, bis 2009, war er Vorsitzender des Arbeitskreises Marketing im Bund Deutscher Friedhofsgärtner (BdF).


Familiengrab schlägt HSV-Feld

In das Projekt HSV-Feld und das gesamte Konzept, das Rehder in Zusammenarbeit mit Steinmetzmeister Beppler entwickelte und das mit dem TASPO Award 2010 belohnt wurde, floss sehr viel Zeit ein, umgerechnet in ein Kunden-Beratungshonorar über eine fünfstellige Summe, hat Rehder überschlagen.

Nach dem großen Rummel zur Eröffnung im September 2008 wurde es aber schnell ruhig um das HSV-Grabfeld. Die dahinter stehende Idee der Kombination von Grabverkauf und Dauergrabpflege konnte bisher kaum umgesetzt werden. Erst drei der insgesamt 500 vorhandenen Grabstellen waren bis Anfang März dieses Jahres belegt.

Der Plan, das HSV-Grabfeld als Startschuss für die Einrichtung von gärtnergestalteten Grabfeldern („Memoriam-Garten“) auf den Friedhöfen in Hamburgs Westen zu nutzen, ging nicht auf .

Die Gründe für die mangelnde Nachfrage mögen vielfältig sein. Anfangs gab es einen Boykott durch die Bestatter, weil sie sich – fälschlicherweise – von diesem Markt ausgeschlossen fühlten. Inzwischen ist dieser Streit nach Aussage von Stefan Stödter vom Hamburger Bestatter-Verband beigelegt. Die beiden Bestattungsunternehmen – neben dem vom der Friedhofsgärtnergenossenschaft gegründeten Institut FBH – die über Lizenzverträge berechtigt seien, HSV-Gräber mitsamt der Insignien zu verkaufen, würden das auch tun, es scheint aber keine Nachfrage zu geben.

Rehder vermutet folgende Gründe: Der relativ hohe Preis für das Kombipaket Grab plus Dauergrabpflege über die gesamte Ruhezeit oder andere Bindungen der Fans, beispielsweise an eine alte Familiengrabstelle.

Rehder vermisst aber auch von anderer Seite Werbeaktivitäten, etwa vom Bezirksamt Altona. Die Pressestelle des Bezirksamtes äußert auf Anfrage dazu, es sei der Ansicht, dass der staatliche Grabstellenverkauf und die durch private Firmen angebotene langfristige Grabpflege als ein Produkt für den Kunden nicht miteinander kombinierbar angeboten werden dürfe, obwohl hier die rechtliche Lage unterschiedliche Auslegungen zulasse.

Deshalb ist Rehder hier primär auf die Zusammenarbeit mit dem HSV angewiesen. Aber auch der HSV selbst, genauer gesagt der Supporters Club als Fanorganisation der Mitglieder, rührt nach Aussage von Rehder nicht die Werbetrommel für Ruhestätten unter der blau-weißen Raute. Und das, obwohl der HSV sich mit der Finanzierung des Tores und der Bänke an der Realisierung des Grabfeldes beteiligt habe.

Trotz dieser noch verhaltenen Resonanz auf seine Grabfeld-Idee zieht Lars Rehder für sich den positiven Schluss: „Es war eine sehr gute Öffentlichkeitsarbeit für die beiden Betriebe. Besonders der Gewinn des TASPO Awards diente erfolgreich unserer betrieblichen Imagebildung“.

Mehr Infos über die Gärtnerei Rehder unter www.lars-rehder.de