Grüne Branche

Bessere Bestandsverwaltung mit der RFID-Technik

Bestandslücken schaden dem Geschäft, doch der Einzelhandel ist bei der Verwaltung von Ware an seine Grenze gestoßen, sagt Kungl. „Wir kennen eine Menge, aber nicht die Einzelprodukte.“ Ein Kunde kaufe 15 Geranien in zwei Farben, an der Kasse werden aber nur die roten erfasst. „Und schon stimmt der Bestand nicht – es sind laut Computer ja immer noch weiße Geranien da.“ Erst bei der Inventur fällt das auf, aber da sind bereits über längere Zeit keine weißen Geranien mehr verkauft worden. Das Problem ist weit verbreitet, „da kommen wir mit den bestehenden Systemen nicht weiter“, sagte Kungl beim Future Retail Tour 2012, veranstaltet vom Management Forum Frankfurt.

Funk-Chip am Schnitzel: Mit Hilfe von RFID-Technik wird der Bestand der Selbstbedienungs-Fleischtheke im Real Future-Store überwacht. Foto: Verena Groß

Sinnvoll sei eine Einzelstückerkennung über einen globalen Identifier. Radiofrequenz-Identifikation (RFID) heiße die Zukunft der Prozessoptimierung, sagt Kungl voraus. Diese Technik ermöglicht es, einzelne Objekte eindeutig und ohne Sichtverbindung per Funk zu identifizieren. Herzstück ist ein Computerchip mit Antenne.

Darauf ist eine Zahlenfolge gespeichert, die ähnlich dem bekannten Strichcode auf Informationen wie Hersteller, Herkunftsland und Mindesthaltbarkeitsdatum verweist. Zusätzlich enthält der Code eine Seriennummer, die jeden RFID-Sender und das damit gekennzeichnete Produkt unverwechselbar macht. Ein Empfänger liest die Daten ohne direkten Kontakt und gibt sie an einen Computer weiter. In den USA und in Asien breite sich die im Bekleidungssektor erprobte Technik derzeit lawinenartig aus und springe auf immer mehr Warengruppen über.

Bei der amerikanischen Handelskette Walmart seien inzwischen 1,2 Milliarden elektronische Etiketten im Einsatz. „Die Mitarbeiter haben Handlesegeräte und suchen Ware, die fehlt oder falsch hängt“, erzählt Kungl. Ein Chip koste heute 1,5 Cent, bei der Einführung 2003 habe er fast 50 Cent das Stück gekostet. Das Aufwendigste sei das Einnähen, Anschießen oder Anbringen der Etiketten (Tags). „Die Tags kann man inzwischen schon mit einer organischen Farbe drucken – am Ende wird RFID auch auf der Milchtüte funktionieren“, sagt der Innovationsforscher voraus.

Die Metro Group verwendet die Technik bereits seit Jahren erfolgreich für die Logistik. So werden Paletten und Kartons mit Funk-Chips ausgestattet. Das ermöglicht in der Wareneingangskontrolle schnelle Pulkerfassung der Einzelstücke ohne Sichtverbindung. Mit dem Lesegerät kann nachgeschaut werden, was sich unter der Verpackung befindet, ohne sie aufreißen zu müssen. „Es führt zu mehr Effizienz und Transparenz im Unternehmen“, sagt Kungl. Vor allem, weil die Funktechnik schnell und verlässlich sei: So können in einer Minute 400 Artikel mit gerade einmal einer Fehlerrate von 0,3 Prozent erkannt werden.

Bewährt habe sich die Anwendung von RFID auch an der Selbstbedienungstheke für Frischfleisch der Real-Märkte. An jeder Schale befindet sich ein Sender. Dadurch können die Mitarbeiter auf einem Monitor in der Metzgerei mit einem Blick sehen, ob noch genug Schnitzel und Bauchfleisch in der Auslage liegen und wie lange das abgepackte Hackfleisch noch haltbar ist.

Mit Hilfe von RFID können Bestandserfassungen schneller und häufiger durchgeführt werden als derzeit durch Inventuren üblich. Auch die Suche nach verlorener Ware wird einfacher: „Wie mit einer Wünschelrute kann ich den Microtag im Geschäft lokalisieren“, erklärt der Fachmann bei der Future Retail Tour 2012 das Prinzip. Erkennen Kassen künftig RFID-markierte Ware, kann aufs Einscannen verzichtet werden. Der Kunde muss nur mit den gekennzeichneten Produkten an einem Lesegerät vorbeigehen. Dazu muss der Einkauf nicht einmal aus dem Wagen geholt werden. Das verkürzt die Wartezeiten an der Kasse und steigert die Kundenzufriedenheit, erklärt Kungl. Zusätzliche Sicherungssysteme gegen Lagendiebstahl werden überflüssig, denn RFID erlaube die eindeutige Identifikation jedes Artikels. „Dadurch wird es auch weniger unangenehme Fehlalarme geben.“ (vag)