Grüne Branche

Bestattungskultur: Diskussion um Friedhofszwang

Über das Thema Friedhofszwang wird in der Freien Hansestadt Bremen heftig diskutiert, berichtet der Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF). Die Bremer Grünen strebten an, das Bestattungsrecht zu novellieren und den Friedhofszwang für Urnen aufzuheben. Denn das geltende Bestattungsrecht bevormunde und der Friedhofszwang sei nicht mehr zeitgemäß, so die Argumente. 

Auf der igs veranschaulicht Lüder Nobbmann (rechts) die Leistung der Friedhofsgärtner. Foto: ZVG

Über diese Diskussion und die gesellschaftlichen Veränderungen in der deutschen Bestattungs- und Friedhofskultur sprach am 28. April in Hamburg der Vorsitzende des Bundes deutscher Friedhofsgärtner (BdF), Lüder Nobbmann mit den Mitgliedern des Ernährungsausschusses des deutschen Bundestages. Laut Nobbmann kennzeichnet die Bestattungskultur nicht nur in der jüdisch-christlichen Tradition die Friedhöfe als besondere Orte und hebt sie damit auch als kulturelles Erbe jeder Kommune heraus.

In der jetzigen Diskussion müsse daher die Frage erlaubt sein, ob der Würde des Menschen und auch der Notwendigkeit der Trauerbewältigung durch Bestattungspflichten und einem Gebot der Totenruhe nicht eher gerecht wird, als durch eine völlig liberalisierte Handhabung. Auch die Funktion der Friedhöfe als öffentliche Grünflächen, als Stätten der Begegnung und Erinnerung müsse in der gesellschaftlichen Diskussion bewusster wahrgenommen werden.

Nobbmann forderte daher, dass nicht nur die Kommunalpolitik den Blick dafür schärfen müsse, was mit den gegebenenfalls nicht mehr benötigten Flächen geschehen solle. Eine Möglichkeit sei, hochwertiges, auch ökologisch wertvolles Grün zu erhalten und als parkähnliche Anlage fortzuführen. Hierbei würde für Mensch und Tier in der Stadt eine „grüne Lunge“ geschaffen beziehungsweise beibehalten werden und den Bedürfnissen der trauernden Menschen ebenso Rechnung getragen werden. Memoriam-Gärten seien die gärtnerische Antwort auf Anonymität und Entsorgungsmentalität.

Die Abgeordneten sicherten laut BdF zu, das Thema weiterzutragen und in einem stetigen Meinungsaustausch zur Entwicklung zu bleiben. (zvg/bdf)