Grüne Branche

Bestattungsunternehmen als Reisebüro für Verstorbene

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Wer zu Lebzeiten nicht alle seine Wunsch-Reiseziele besuchen konnte, hat jetzt nach seinem Tode dazu Gelegenheit. Oder vielmehr das, was von ihm nach einer Kremation noch übrig ist – und vorausgesetzt, das nötige „Kleingeld“ dazu ist vorhanden. Die Angebotspalette des Berliner Bestattungsunternehmens November umfasst aber noch viel mehr Dienstleistungen.

„In der Urne um die Welt“ tauften die beiden jungen Berliner Unternehmer Robin Klemm und Christoph Basner ganz plakativ ihr Dienstleistungsangebot für gut Situierte. Angeboten wird diese spezielle Idee aus dem Bestattungssektor durch ihr im April 2017 gegründetes Unternehmen November. „Wir reagieren damit auf den Wunsch nach immer individuelleren Bestattungsfeiern“, sagt Christoph Basner, Mit-Gründer und einer der beiden Geschäftsführer von November.

Urne geht als Handgepäck mit auf eine Reise

Die Konzeptidee: Ein Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens nimmt die Asche eines Verstorbenen in der Urne als Handgepäck mit auf eine Reise, um jene Orte zu besuchen, die der Verstorbene immer gerne noch einmal oder überhaupt zum ersten Mal sehen wollte. Die Extra-Kosten für solch eine Abschiedstour variieren natürlich je nach Reisedauer und -zielen.

Zwischen 4.000 (bei nur einer Destination) und 15.000 Euro kosten die Reisen. Seine Wunschziele kann man selbst zu Lebzeiten angeben, oder aber die Hinterbliebenen übernehmen diese Aufgabe. Planung und Organisation der Reise übernimmt dann November.

Der Urnentransport im Handgepäck (plus zugehörigem Totenschein) sei in den meisten Ländern kein Problem. An den Reisezielen wird die Urne ausgepackt und ihre Anwesenheit bei der Sehenswürdigkeit fotografisch dokumentiert. Auch Tickets und Reiseunterlagen dienen als Beleg für die Hinterbliebenen, dass die Tour wirklich stattgefunden hat.

Beitrag zur Digitalisierung der Bestattungsbranche

Nun stellt dieses spektakulär anmutende Angebot nur einen kleinen Teil des Dienstleistungsangebots des Unternehmens dar. Es bietet Vorsorgenden und Angehörigen im Trauerfall auf der Internetseite www.november.de die Möglichkeit, sich grundlegend über Bestattungsprodukte zu informieren und direkt eine Anfrage für ein individuelles Beratungsgespräch zu stellen. Dieses Angebot ist die klare Antwort auf die schon vor Jahren festgestellte zunehmende Mobilität der Gesellschaft.

„50 Prozent der Deutschen, deren Eltern älter als 70 Jahre sind, wohnen mehr als zwei Fahrstunden von ihnen entfernt“, sagt Basner. Bestattungsinstitute am Wohnort der Eltern sind ihnen oft nicht bekannt. Dafür kennen sie sich im Internet gut aus. Die Recherche nach Produkten und Dienstleistungen jeglicher Art gehört zum Alltag.

Auch nach Informationen und Beratung zu Bestattungen und Vorsorge werde immer häufiger online gesucht. November holt diese immer größer werdende Kundengruppe also dort ab, wo sie steht – und leistet damit einen Beitrag zur Digitalisierung der Bestattungsbranche. Das Unternehmen verbindet mit seinem Vertriebskonzept die Offline- mit der Online-Welt, indem es individuelle Beratung komplett ortsunabhängig anbietet, sowohl über allgemeine Fragen, auf Anfrage als auch direkt telefonisch mit einem ausgebildeten und erfahrenen Kundenberater.

Angebotspalette rund um die gesamte Bestattung

Aktuell beschäftigt das Berliner Unternehmen zwölf Mitarbeiter und ist damit nach eigener Aussage eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen im Bestattungs- und Vorsorgemarkt. Das Gesamt-Angebot umfasst alle organisatorischen Aufgaben rund um eine Bestattung. Die von November im Zusammenspiel mit dem Kunden erarbeiteten Dienstleistungen führt ein persönlich ausgesuchtes Partner-Bestattungsunternehmen in Reichweite des Verstorbenen aus. Basner und Klemm übernehmen also nur die Vermittlung zwischen Kunde und Bestattungsinstitut, ohne selbst Bestatter zu sein.

Zum Beratungssegment Bestattungsvorsorge und dazugehörigen Finanzierungsmöglichkeiten zählen auch andere wichtige Vorsorgedokumente. In ihnen werden die eigenen Wünsche des Vorsorgenden zu dessen Lebzeiten festgehalten. Im Bereich Sterbegeldversicherungen kooperiert „November“ aktuell mit dem Unternehmen Monuta. So sind Angehörige im Sterbefall von finanziellen Belastungen und schwierigen Entscheidungen befreit, wirbt das Unternehmen auf seiner Internetseite.

Ein Interview mit Christoph Basner lesen Sie darüber hinaus in der Ausgabe 3/2018 der Friedhofskultur.