Bewerbungen 2022: kurz, schnell und bequem

Veröffentlichungsdatum: , Nadine Quist

Ein Blitz-Bewerbungsinterview kann mit WhatsApp Business über die Funktion „Kurzlink“ initiiert werden. Vielseitiger und bequemer wird die Kommunikation mit Bewerbern durch die Zusammenarbeit mit einem Dienstleister. Foto: Nadine Quist

Vor allem die junge Generation nutzt täglich Messenger als schnellen Weg, um sich auszutauschen und sich zu vernetzen. Auch Unternehmen gestalten immer öfter ihren Bewerbungsprozess über WhatsApp. Zu den Unternehmen, die die Integration von WhatsApp Business für Firmen und das Erstellen von Bewerbungsinterviews übernehmen, gehört PitchYou. Wir sprachen mit dem Leverkusener Anbieter.

Ab welcher Unternehmensgröße lohnt sich die Bewerbung per WhatsApp?

Unsere Kunden haben in der Regel eine Größe von 100 Mitarbeiter:innen aufwärts. Das stellt jedoch kein Kriterium dar. PitchYou lohnt sich für jedes Unternehmen, das regelmäßig neue Stellen ausschreibt und neue Mitarbeiter:innen rekrutiert.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Die einzige Voraussetzung für die Nutzung von PitchYou ist eine Verbindung zum Internet. PitchYou ist eine Cloud-Anwendung und wird den Nutzern somit über das Internet zur Verfügung stellt. Dadurch ist weder ein Download, noch sind IT-Kenntnisse notwendig. In einer rund einstündigen Schulung erfahren Neukund:innen alle relevanten Informationen, um die Recruitinglösung per WhatsApp bestmöglich nutzen zu können.

Welche Kosten kommen auf das Unternehmen vor dem Start und danach monatlich zu?

Wir haben verschiedene Pakete, die sich an der Größe des Unternehmens und an den verschiedenen Stellen orientieren:

  • Paket M, Mindestlaufzeit drei Monate, 349 Euro pro Monat (zzgl. 99 Euro Onboarding-Fee) enthält zwei Userlizenzen, zwei unterschiedliche Fragebögen, individuelle Fragen, Customer Success Begleitung, 50 Bewerbungen per WhatsApp pro Monat inklusive
  • Paket L, Mindestlaufzeit sechs Monate, 549 Euro pro Monat (zzgl. 199 Euro Onboarding-Fee) enthält fünf Userlizenzen, fünf unterschiedliche Fragebögen, individuelle Fragen, Customer Success Begleitung, 150 Bewerbungen per WhatsApp pro Monat inklusive
  • Paket XL, Mindestlaufzeit zwölf Monate, 849 Euro pro Monat (zzgl. 299 Euro Onboarding-Fee) enthält zehn Userlizenzen, zehn unterschiedliche Fragebögen, individuelle Fragen, Customer Success Begleitung, 300 Bewerbungen per WhatsApp pro Monat inklusive, Online-Schulung

Wie entsteht ein Bewerbungsgespräch per WhatsApp? Wer formuliert die Fragen und Antwortmöglichkeiten?

Das Screening-Interview per WhatsApp startet, wenn ein:e Bewerber:in den Link zur Bewerbung per WhatsApp in einer Stellenausschreibung anklickt oder alternativ den QR-Code scannt. Die Bewerber:innen werden anschließend Schritt für Schritt durch den Fragebogen geführt. Die Fragen und Antwortmöglichkeiten definieren die Kunden. Wir stellen Vorlagen zur Verfügung mit Beispielen, welche unterschiedlichen Frage-/Antworttypen möglich sind. Der Bewerber hat im Anschluss an das Interview die Möglichkeit selber Fragen zu stellen. Eine Begrenzung bezüglich der Anzahl der Fragen gibt es technisch gesehen nicht.

Welche Tipps sollten Unternehmen beherzigen, wenn sie ein solches „Bewerbungsgespräch“ aufsetzen?

Da kommt es drauf an, was das Ziel des Kunden ist. Bei möglichst vielen Bewerbungen empfiehlt sich ein eher kürzeres Interview. Bei einem detaillierteren ersten Screening der Kandidat:innen ist ein umfangreicheres Interview sinnvoll, um im ersten Schritt „automatisiert“ schon so viele Informationen wie möglich zu erhalten und eine gute Vorentscheidung treffen zu können.

Grundsätzlich muss das Interview zum sonstigen Kunden-/Unternehmensauftritt passen. Wenn zum Beispiel eine „Sie“-Kultur im Unternehmen herrscht, ist es nicht konsequent, das Interview in „Du“-Form zu formulieren. Auf der anderen Seite sollte das Interview auch zum Kanal WhatsApp passen, also ruhig ein bisschen „frischer“ und gegebenenfalls persönlicher sein als eine „klassische“ Bewerbung mit Lebenslauf und Anschreiben. Die Ziele sollten klar formuliert sein und auch den Recruiter:innen/User:innen bekannt sein. Alle, die damit arbeiten, sollten sich bewusst sein, warum und wie das Tool optimal genutzt wird. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass das WhatsApp-Interview ein Tool ist und keine Lösung für alles. Je besser der Bewerbungsweg kommuniziert und beworben wird, desto besser sind auch die Erfolgschancen.

Welche Frage sollte am Ende stehen?

Standardmäßig ist in unseren Interview-Vorlagen folgende Frage die letzte: „Möchtest Du uns noch etwas mitteilen oder eine Frage stellen, die wir Dir später beantworten können? Dann bitte jetzt: Gerne als Video, Sprachnachricht oder geschrieben.“ Dadurch haben die Bewerber:innen die Möglichkeit, auch zeitlich versetzt noch offene Fragen zu stellen.

Welche Frage sollte nicht fehlen?

Das kommt auf die Branche, die Zielgruppe und das Ziel des Kunden mit dem Fragebogen an. Alles andere ist individuell. Unsere Faustregel dabei: Wir empfehlen grundsätzlich, das Interview per WhatsApp möglichst kurz zu halten, um zu vermeiden, dass die Bewerbung vorzeitig abgebrochen wird. Natürlich sollten trotzdem alle Fragen aufgenommen werden, die für den Kunden für ein erstes, effektives Screening der Kandidat:innen relevant sind. Wenn es „harte Ausschlusskriterien“ für die Stelle gibt, ergibt es natürlich Sinn, diese direkt im Interview abzufragen. Beispielsweise die Frage zur Schichtbereitschaft, nach einwandfreiem Führungszeugnis oder nach EU-Bürgerschaft beziehungsweise Arbeitserlaubnis.

Bei einem Initiativinterview ist zum Beispiel die Frage „Für welchen Bereich interessierst Du Dich?“ essenziell. Bei einem Azubi-Interview ist gegebenenfalls eine „weichere“ Frage nicht schlecht, zum Beispiel „Was ist Dir für Deine Ausbildung besonders wichtig?“, „Was macht diese Ausbildung für Dich besonders interessant?“ oder „Was dürfen die Kolleginnen und Kollegen erwarten, wenn Du Teil des Teams wirst?“.

Welche Frage eignet sich besonders gut für WhatsApp?

Die Frage, ob die Person in den Bewerberpool aufgenommen werden möchte, wird tendenziell via WhatsApp eher mit „Ja“ beantwortet als über ein Online-Formular oder Ähnliches, wo die Person in der Regel aktiv einen Haken setzen muss. Bei WhatsApp kann einfach „Ja“ angeklickt werden, das fällt vielen leichter. Über das WhatsApp-Interview lässt sich gut mit verschiedenen Fragetypen spielen. Ja-Nein- und auch Auswahlfragen können über interaktive Buttons dargestellt werden, über die die Bewerber die entsprechende Antwort einfach anklicken können, was dem Ganzen einen spielerischeren Charakter verleiht und super intuitiv ist. Auch die Möglichkeit, eine Sprachnachricht zu senden (oder je nach Branche/Zielgruppe auch ein kurzes Video) stellt einen Vorteil dar im Vergleich zu klassischen Bewerbungswegen.

Unser System prüft Antworten teilweise auf Validität und wiederholt Fragen bei falschen Antworten, wie zum Beispiel einer nicht vorhandenen Adresse.

Wie lässt sich dieser Bewerbungskanal öffentlich wirksam bewerben beziehungsweise in die Unternehmenswebseite einbinden?

Der für Bewerbungen noch relativ neue Kanal und die dadurch schnelle sowie einfache Möglichkeit der Bewerbung muss den Jobsuchenden mitgeteilt werden. Hierfür eignet sich der WhatsApp-Button im Onlinebereich, die Einbindung eines QR-Codes und die Nutzung eines Banners auf der Startseite der Website und der Karriereseite. Doch insbesondere die Nutzung des WhatsApp-Logos hat eine Signalwirkung. Daher sollte das Logo bei der Vermarktung prominent eingesetzt werden.

Für die Nutzung der Sozialen Medien zur öffentlich wirksamen Bewerbung von WhatsApp als Bewerbungskanal muss als Erstes die Zielgruppe definiert werden. Durch das Schalten von zielgruppenspezifischen Anzeigen in den für die Unternehmen relevanten Netzwerke kann auf die Bewerbung per WhatsApp aufmerksam gemacht werden.

Offline können Sie die Reichweite der Bewerbung per WhatsApp durch Plakate, Aufsteller oder Verpackungsmaterialien am Point of Contact vergrößern. Bei einer Bäckerei können beispielsweise neben Aufstellern oder Plakaten auch Kassenbons oder Verpackungsmaterialien mit einem QR-Code und dem Hinweis auf offene Stellen versehen werden.

► Mehr zum Thema „Bewerbungen via WhatsApp“ sowie generell zur Ausbildung in der Grünen Branche lesen Sie im aktuellen TASPO dossier I/22, das am 1. Juli zusammen mit der TASPO 26/2022 erschienen ist.