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BHGL-Forum: Fakultäten unter Druck

Das diesjährige BHGL-Forum „Gartenbauwissenschaften zwischen Praxisanspruch und Impactfaktor“ im Berliner Haus der Land- und Ernährungswirtschaft widmete sich dem Thema des fehlenden wissenschaftlichen Nachwuchses an deutschen Hochschulen. Gründe für die sich verringernde Präsenz der Gartenbauwissenschaften an deutschen Hochschulen sahen die Podiumsmitglieder vor allem in strukturellen Veränderungen, die zur Neubildung interdisziplinärer Fakultäten führen. 

In einer Podiumsdiskussion erörterten Prof. Dr. Dr. Christian Ulrichs, Präsident der Deutschen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft (DGG, Humboldt-Universität zu Berlin), Prof. Dr. Brigitte Poppenberger (TU München–Weihenstephan), Prof. Dr. Traud Winkelmann (Leibniz Universität Hannover), Prof. Dr. Andreas Ulbrich (Hochschule Osnabrück), Christopher Straeter, Forschungskoordinator (WeGa–Kompetenznetz Gartenbau), Hartmut Weimann, Vizepräsident des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG), und BHGL-Präsident Prof. Dr. Uwe Schmidt gemeinsam mit den Veranstaltungsteilnehmern Problemstellungen und Lösungsansätze.

Gründe für die sich verringernde Präsenz der Gartenbauwissenschaften an deutschen Hochschulen sahen die Podiumsmitglieder vor allem in strukturellen Veränderungen, die zur Neubildung interdisziplinärer Fakultäten führen. In Hannover wurde der Fachbereich Gartenbau bereits in eine naturwissenschaftliche Fakultät integriert, wobei der Wegfall des Fachgebietes Technik im Gartenbau zu beklagen ist. Immerhin, so Prof. Winkelmann, konnte die Bezeichnung „Gartenbauliche Produktionssysteme“ für das gerade neu gegründete Institut innerhalb der Fakultät durchgesetzt werden.

In Berlin wird die Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät im Rahmen der Fakultätenreform in einer lebenswissenschaftlichen Fakultät aufgehen. Nach Information von Prof. Schmidt ist die Fusion mit den Fachbereichen Biologie und Psychologie vorgesehen.

Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit beziehen sich dabei vor allem auf die Grundlagenforschung, wobei Inhalte einem öffentlichen Interesse der Gesellschaft entsprechen müssen. Nur in diesem Rahmen werden staatliche Mittel zur Verfügung gestellt. Der Gartenbau steht dabei im Spannungsfeld zwischen dem sogenannten Impactfaktor (Anzahl der in international anerkannten, wissenschaftlichen Magazinen veröffentlichten Publikationen, die aus Sicht der Universitäten bislang allein als Erfolgsnachweis und Reputation gelten) und den Erwartungen der gartenbaulichen Praxis.

Wie Prof. Poppenberger von der TU München dazu erläuterte, bringt die Finanzierung von Projekten in der angewandten Forschung oftmals Probleme mit sich, da sie auf Drittmittel aus der Wirtschaft angewiesen sei. Sie sah in Berlin weniger ein Problem darin, wesentliche Fragestellungen der Gartenbaubranche in Forschungsinhalte oder Kooperationsprojekte zu integrieren. Vielmehr sei es nötig, dass einzelne Unternehmen oder auch Unternehmensgruppen eine Begleitfinanzierung sicherstellen könnten.

Parallel dazu gibt es nach Information von Wega-Koordinator Christopher Straeter bereits umfangreiche Bemühungen, sowohl vonseiten des Kompetenznetzwerkes Wega als auch von der Forschergruppe des Zukunftskongresses Gartenbau, Schwerpunkte des Forschungsbedarfes im Gartenbau zu ermitteln und diese auch gegenüber dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) klar herauszustellen.

Der ZVG wird die Thematik nach den Worten von Hartmut Weimann im Dezember ebenfalls auf die Tagesordnung setzen. Ziel sei es, künftig enger mit der Wissenschaft zu korrespondieren. (ks)