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Bienenbäume: wo Honigbienen wohnen

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„Bienenbäume“, die Wohnungen natürlich nistender Bienenvölker, sind bis dato kaum erforscht. Wissenschaftliche Daten aus Europa über wild lebende Bienenkolonien, die ohne menschliches Eingreifen in Wäldern leben, fehlten bislang. Wissenschaftler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) wollen das ändern.

Linden gehören zu den Bäumen, die Bienen und anderen Bestäubern reiche Pollen und Nektarquellen bieten. Foto: Pixabay

Benjamin Rutschmann und Patrick Kohl, Forscher von HOneyBee Online Studies (HOBOS), ein Honigbienenprojekt an der JMU, und vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sind dazu im Wald auf die Suche nach wild lebenden Honigbienen gegangen.

Hainich und Schwäbische Alb als Studienorte

Untersuchungsgebiete waren der Nationalpark Hainich in Thüringen, einer der größten zusammenhängenden Laubwälder in Mitteleuropa, und die Wälder des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Der Hainich bietet mit seinen Buchen und verschiedenen Ahorn- und Lindenarten reiche Nektar- und Pollenquellen für bestäubende Insekten.

Auf der Schwäbischen Alb sind zahlreiche Bäume mit Schwarzspechthöhlen dokumentiert, die Wildbienen als Unterschlupf dienen können. Eine für Honigbienen geeignete Höhle muss ein Volumen von mindestens 20 Litern haben, damit Bienen genug Honig zum Überwintern horten können.

Baumschutz = Bienenschutz?

Die Forscher fanden heraus, dass sieben Prozent der knapp 100 untersuchten Habitatbäume in den Buchenwäldern der Schwäbischen Alb von Honigbienen besetzt waren. Wenn also Habitatbäume mit Schwarzspechthöhlen in bewirtschafteten Wäldern geschützt werden, könnte das auch wild lebenden Honigbienen helfen, so die Folgerung.

Zudem zeigte sich, dass Bienenkolonien nicht nur am Waldrand, sondern auch tief im Wald leben, im Hainich sogar mehrere Kilometer vom nächsten Bienenstand entfernt. Entsprechend untersuchten die Wissenschaftler, wie weit Bienenschwärme von „Imkervölkern“ am Waldrand in das Waldgebiet eindringen.

Bienen besiedeln Wälder schrittweise

Dazu beobachteten Kohl und Rutschmann am Waldrand aufgestellte Schwärme. Anhand der Tänze sogenannter Spurbienen stellten die Forscher fest, dass die Bienen vor allem in einem Umkreis von 500 Metern Höhlen suchen – größtenteils außerhalb des Walds oder am Waldrand. Daraus schlossen die Forscher, dass Schwärme das Innerste des Waldes vermutlich in mehreren Schritten beziehungsweise über mehrere Jahre hinweg besiedelt haben.

Die Studie stellt den Startpunkt einer genauen Erforschung der Populationsdynamik und Ökologie wild lebender Honigbienen in Europäischen Waldgebieten dar.