Grüne Branche

Bienenschutz auf dem Friedhof

, erstellt von

Friedhöfe insektenfreundlich gestalten: Dieser Zielsetzung widmen sich gleich zwei aktuelle Projekte. So eröffnet der Parkfriedhof Ohlsdorf am Sonntag den weltweit ersten Wildbienen-Boulevard. Und auf der Landesgartenschau Bad Iburg gibt es seit wenigen Tagen den ersten Bienengarten.

In Bad Iburg und auf dem Friedhof Ohlsdorf sollen Bienen ein reiches Nektar- und Pollenangebot finden. Foto: Pixabay

Der Bienengarten ist Teil des Projekts „Bienengartenpate“, das die Treuhandstelle für Dauergrabpflege Niedersachsen/Sachsen-Anhalt und die Nordwestdeutsche Treuhandstelle gemeinsam anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens gestartet haben.

Impuls zur Nutzung von Überhangflächen

Ziel des Projekts ist es, die Lebenssituation der Bienen zu verbessern, einen Impuls zur Nutzung von Überhangflächen auf Friedhöfen zu geben und das Interesse an der Umwelt zu fördern. Bei dem Projekt „Bienengartenpate“ übernehmen Friedhofsgärtnereien vor Ort als Paten die Betreuung der Bienengärten, diese sollen für mindestens fünf Jahre ihre Aufgaben erfüllen.

Laut Joachim Meyer-Rehberg, Geschäftsführer der Nordwestdeutschen Treuhandstelle in Bremen, gibt es mittlerweile 115 Bienengärten, fertig gepflanzt sind davon zurzeit mindestens 105. Die Kosten für die Pflanzen eines Bienengartens beziffert er netto zu Großhandelspreisen auf 150 und 200 Euro pro Garten. Dazu kommen die Kosten für Arbeitszeit und Vorbereitung.

Bienengarten auf zurückgegebenen Gräbern

Der entscheidende Unterschied der Bienengärten zum Konzept „NaturRuh“ der Friedhofsgärtner ist die unterschiedliche Zielsetzung, erläutert Meyer-Rehberg: Der Bienengarten soll auf zurückgegebenen Gräbern errichtet werden, die so – sinnvoll gestaltet – aus der Rahmenpflege des Friedhofs herausfallen. Sie sollen in erster Linie Insekten in ihrer Lebensweise unterstützen und so ganz nebenbei auch als Fortbildungsstationen dienen. NaturRuh ist dagegen ein alternatives Konzept zum Bau gärtnerbetreuter Grabanlagen.

Der neue Wildbienen-Boulevard, eine gemeinsame Initiative der Deutschen Wildtier Stiftung und des Hamburger Friedhofs Ohlsdorf, soll dagegen generell zur insektenfreundlichen Gestaltung städtischer Grünanlagen wie etwa Friedhöfen beitragen. „Nicht nur Rhododendren, Begonien und Veilchen sollen in Zukunft bei uns dominieren, sondern einheimische Wildblumen und Pflanzen das Grün bereichern“, erklärt Friedhofssprecher Lutz Rehkopf.

Friedhöfe als Wildbienen-Biotop

„Gerade Wildbienen, die viel höhere Ansprüche an ihren Lebensraum als Honigbienen haben, sind vom Aussterben bedroht. Auf Friedhöfen finden sie ein perfektes Biotop, wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, ergänzt Manuel Pützstück, Wildbienen-Experte der Deutschen Wildtier Stiftung.

Gekennzeichnet wird die weltweit erste Blumen-Meile für Wildbienen auf dem Parkfriedhof Ohlsdorf durch ein zweieinhalb Meter hohes, vollverzinktes Schild gegenüber dem Rundbau in der Linnestraße – mit einer verschnörkelten, nach den Vorstellungen des ersten Ohlsdorfer Friedhofdirektors Wilhelm Cordes gestalteten Halterung aus dem Jahr 1905.