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Bienensterben: „Pflanzenschutz-Einsatz so gering wie möglich halten“

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Bienen und andere Insekten sind aufgrund ihrer Bestäubungsleistungen von unschätzbarem ökologischem und ökonomischem Wert für blühende Wild- und Kulturpflanzen. Doch über 60 Prozent der rund 560 Wildbienen-Arten sind in Deutschland bedroht. Was kann der Gartenbau zu ihrem Schutz beitragen? Wir haben bei Prof. Dr. Werner von der Ohe vom Institut für Bienenkunde Celle nachgehakt.

Das Bienensterben bezieht sich vor allem auf Wildbienen, die sehr spezifische Ansprüche an ihren Lebensraum haben. Bei Honigbienen ist dagegen weltweit eine Zunahme an Imkern und Bienenvölkern zu verzeichnen. Foto: Pixabay

Gibt es wirklich nachgewiesenermaßen weniger Bienen und Insekten?

Honigbienen werden nicht aussterben, solange es fürsorgliche Imker gibt. Weltweit ist eine Zunahme an Imkern und Bienenvölkern zu verzeichnen. In Niedersachsen wurden beispielsweise in den vergangenen fünf Jahren mehr als 25 Prozent Neu-Imker registriert. In Deutschland waren es Ende 2017 rund 130.000 Imker und eine Million Bienenvölker.

Das Bienensterben bezieht sich tatsächlich auf die Wildbienen – Solitärbienen wie Mauerbienen, Hosenbienen, Sandbienen, Furchenbienen, Maskenbienen und Hummelarten. Über 60 Prozent der rund 560 Wildbienen-Arten sind in Deutschland bedroht – und dies seit Jahrzehnten und nicht erst seit kurzem.

Worin liegen hierfür die Ursachen?

An erster Stelle ist dafür der Lebensraumverlust verantwortlich. Hierzu zählen unter anderem die Versiegelung von Landschaftsräumen durch Ausweitung von Wohn- und Gewerbegebieten, Verbreiterung von Straßen, monotone Gartengestaltung sowie auch Flurbereinigungsmaßnahmen. Fehlt es an den spezifischen Nährpflanzen, können sich die Wildbienen nicht ernähren. Sind Pflanzen auf sehr spezifische Bestäuberbienen-Arten angewiesen und fehlt es an diesen, können sich meist auch die Pflanzen nicht vermehren.

Viele Wildbienen-Arten haben sehr spezifische Ansprüche an ihren Lebensraum (Nistort, Nistmaterial, Nahrungspflanzen) und benötigen einen ungestörten Lebensraum, da deren Entwicklungsstadien (Eier, Larven, Puppen, adulte Bienen) zum Teil über Monate in einer Ruhephase in der Niströhre/Nisthöhle liegen. Sind diese Nistansprüche nicht gegeben, können die Tiere dort nicht leben und sich fortpflanzen.

Hinzu kommen Insektizide, die zwar im Zulassungsverfahren auf Honigbienen, aber nicht auf Wildbienen getestet werden. Zwar werden seit wenigen Jahren auch bei uns im Bieneninstitut Celle neben Versuchen mit Honigbienen solche mit einer Mauerbienenart und einer Hummelart durchgeführt. Dadurch sind aber nicht die diversen Wildbienen und deren sicherlich unterschiedliche Empfindlichkeiten gegenüber Insektiziden abgedeckt.

Welchen Anteil haben Pflanzenschutzmittel am Bienensterben?

Die Anzahl Bienenvölker, die durch unsachgemäßen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln geschädigt werden, ist in Deutschland nach der Statistik des Julius Kühn-Instituts Braunschweig seit Jahren relativ gering. Gleichwohl können auch nicht bienengefährliche Pflanzenschutzmittel zu Verlusten von einzelnen Bienen führen, aber selten zum Verlust von Bienenvölkern.

Generell sollte jedoch der Pflanzenschutzeinsatz so gering wie möglich gehalten werden, und die Ausbringung der nicht bienengefährlich kategorisierten Pflanzenschutzmittel (B4) sollte, wenn sie nötig ist, außerhalb der Hauptflugzeiten der Bienen erfolgen.

Welche Maßnahmen von Seiten des Gartenbaus können dem Bienenschutz dienen?

Es sollten Kulturpflanzen verwendet werden, die keine besonderen Krankheiten aufweisen und keinen hohen Pflanzenschutzmittel-Einsatz erfordern, die bei uns heimisch sind und den Insekten Nektar und Pollen bieten. Bei der Gartengestaltung sollten nicht zu viele Grasflächen geplant werden, denn „das Grün“ nützt den Insekten nichts. Für Insekten muss es im Garten bunt sein. Die Pflanzen sollten bis zur Samenreife stehen bleiben. Auch beim Mähen sollte man den richtigen Zeitpunkt, nämlich nach der Blüte, beachten und nach dem Bienenflug mähen, da ansonsten die Gefahr besteht, dass Insekten gehäckselt werden.

Durch die Vermeidung von den derzeit in Mode gekommenen Steingärten lässt sich neues Nahrungsangebot für Bienen und Co. schaffen.