Bilanz 2022: Verbraucher kaufen seltener und weniger Spargel

Veröffentlichungsdatum: , Daniela Sickinger / TASPO Online

Trotz guter Wetterbedingungen, ausreichend Erntehelfern und besten Spargel-Qualitäten war die Saison 2022 herausfordernd für die Anbauer. Foto: Christoph Göckel

Die Spargelsaison 2022 war durch eine verhaltene Nachfrage und stark fallende Preise gekennzeichnet. Zu diesem Fazit kommt der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE). Mit Blick auf das nächste Jahr müssten die Betriebe deshalb dringend entlastet werden, fordert der VSSE.

Starker Preisverfall gleich zu Saisonbeginn

„Nach den beiden Corona-Jahren, in denen gesundes Gemüse wie Spargel sehr nachgefragt waren, und die Direktvermarktung einen Auftrieb erlebte, war dieses Jahr von einer schwachen Nachfrage nach Spargel geprägt“, resümiert VSSE-Vorstandssprecher Simon Schumacher. Durch diese witterungs- sowie importbedingten Übermengen sei es gleich zu Saisonbeginn zu einem starken Preisverfall gekommen, der den Anbauern angesichts der extrem gestiegenen Produktionskosten stark zugesetzt habe. Lediglich kurz zu Saisonbeginn sowie am Ende der Saison habe der durchschnittliche Spargelpreis bedingt durch die knappe Menge über dem Vorjahresniveau gelegen.

Darüber hinaus sei der Preis weit niedriger als im Vorjahr gewesen – gerade im Handel und Großhandel waren die Erzeugerpreise größtenteils und über viele Wochen kaum oder nicht auskömmlich, berichtet der VSSE. In der Gastronomie und der Direktvermarktung konnten die Betriebe dagegen zufriedenstellende Preise erzielen.

Wirtschaftliche Unsicherheit der Verbraucher

Als Hauptgrund für den schwierigen Verlauf der diesjährigen Spargelsaison wird die wirtschaftliche Unsicherheit der Verbraucher genannt. „Weniger Verbraucher haben seltener und weniger Spargel gekauft“, bringt es Michael Koch, Bereichsleiter Gartenbau und Spargelmarkt-Experte der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI), auf den Punkt. Koch zufolge habe die Käuferreichweite unter dem mehrjährigen Mittel gelegen, und die Spargelpreise standen lange unter Druck. „Erst zu und nach Pfingsten hat sich die Situation etwas entspannt. Dann war Spargel gesucht, und die Preise haben langsam wieder angezogen“, erklärt Koch.

Viele Spargelanlagen bereits im Mai aus der Ernte genommen

Gegen Ende der Spargelsaison kehrte wieder mehr Normalität beim Einkaufsverhalten ein, ergänzt Spargelanbauberater Dr. Ludger Aldenhoff. „Doch das konnte die Saison nicht mehr retten, da nicht mehr große Mengen zur Verfügung standen.“ Aufgrund der geringen Nachfrage seien viele Spargelanlagen bereits im Mai aus der Ernte genommen worden. „Im Juni war die Spargelmenge knapp, was wohl an der geringeren Ertragspotenz der im Ertrag verbliebenen Anlagen lag“, vermutet Aldenhoff. Zurückzuführen sei dies mit großer Wahrscheinlichkeit auf den milden Winter, in dessen Folge die Pflanzen im Frühjahr weniger austrieben. Dafür werde sich die längere Erholungsphase der früher aus der Ernte genommenen Spargelanlagen positiv auf die kommende Spargelsaison auswirken, so Aldenhoff.

Inländische Produktion durch Entlastung der Betriebe sichern

Um die inländische Produktion zu sichern, fordert der VSSE in Anbetracht der für die Erzeuger herausfordernden zurückliegenden Spargelsaison und mit Blick auf das nächste Jahr „dringend eine Entlastung der Betriebe durch geringere Bürokratie und das Einfrieren des Mindestlohns auf zwölf Euro“, wie Simon Schumacher abschließend erklärt.