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Biobaumschule Geers: Professionalität statt verträumtes Gärtnern

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Wer bei einer Biobaumschule einen Betrieb erwartet, der einen romantischen Bauchladen verschiedener Pflanzen in schwankender Qualität heranzieht, geführt von verträumten Gärtnern mit Strohhut, wird von der Baumschule Geers überrascht sein: Denn in Bersenbrück, nördlich von Osnabrück, wird in einem Spezialbetrieb eine große Stückzahl Obstgehölze in hoher Qualität mit modernster Technik herangezogen.

Bio auf Kundenwunsch – Idee entstand gemeinsam mit toom

Wie Juniorchef Max Geers berichtet, wurde die Idee zur Bio-Produktion vom Vater Hubert Geers gemeinsam mit dem Hauptkunden entwickelt, der toom Baumarktkette. Geers hatte ursprünglich ein breites Sortiment an Containerpflanzen mit einem Schwerpunkt bei Obstgehölzen und Rosen herangezogen, als er toom vor fünf Jahren vorschlug, auf Bio-Produktion umzusteigen. toom Baumarkt willigte ein und war daraufhin einer der ersten, die ihr Obstsortiment komplett auf Bio umgestellt haben.

Nach der Umstellung produziert die Familie Geers mittlerweile alle Obstgehölze von der Himbeere bis zum Apfelhalbstamm nach der EU-Bio-Verordnung. Mehrmals im Jahr wird die Baumschule von der Öko-Kontrollstelle ABCERT geprüft. Dabei werden auch Proben genommen und auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln untersucht, damit gewährleistet ist, dass keine konventionell erzeugten Pflanzen als Bio-Qualität verkauft werden. Ein hoher Aufwand an Aufzeichnungen, berichtet Max Geers, aber zur Kontrolle unbedingt notwendig.

Breites Sortiment an Obstgehölzen insbesondere für Gartencenter

Die Baumschule Geers baut jährlich rund 550.000 Beerenobstpflanzen und 250.000 Obstbäume in einem breiten Sortiment an, vor allem eine leichtere Qualität für Gartencenter-Ketten, meist Büsche. Auch Säulen- und Zwergobst werden herangezogen, aber nur wenige Halbstämme und keine Hochstämme. Neben Obstgehölzen kultiviert Geers auf seinen insgesamt über 20 Hektar Kulturfläche 400.000 Rosen, allerdings noch konventionell. Aber auch sie sollen auf Bio-Produktion umgestellt werden.

Soweit es geht, werden die benötigten Jungpflanzen in Bio-Qualität selbst vermehrt. Wenn Zukauf unumgänglich ist, weil keine eigenen Pflanzen zur Verfügung stehen, ist Bio-Qualität ebenfalls Pflicht. Nur wenn keine Bio-Jungpflanzen erhältlich sind, können auf Antrag Ausnahmen genehmigt werden. Der Hauptzuwachs muss dann allerdings im Bio-Anbau erfolgen. Veredlungsunterlagen werden ebenfalls aus Bio-Produktion beschafft, da einige Unterlagen-Baumschulen schon einen Teil ihrer Flächen auf Bio-Produktion umgestellt haben.

Bio-Dünger, torfreduziertes Substrat und Töpfe aus Rezyklat

Geers setzt, wie im Bio-Anbau vorgeschrieben, torfreduzierte Substrate ein, die meist 50 Prozent Torf enthalten und außerdem Kompost, Holzfaser oder andere Ausgangsstoffe. Zur Vollbevorratung an Nährstoffen werden nur organische Dünger eingesetzt. Die verwendeten Töpfe sind aus Recycling-Kunststoff, der aus dem „Gelben Sack“ stammt. Sie sind zwar grün, aber aus demselben Material wie die neuerdings von Pöppelmann (Teku) und anderen Herstellern angebotenen blauen Recycling-Töpfe. Die grünen Töpfe haben einen hohen Wiedererkennungswert, außerdem werden die Pflanzen mit Bildetiketten ausgezeichnet, die deutlich auf die Bio-Qualität hinweisen. Momentan sind sie wegen der nötigen Haltbarkeit noch aus Kunststoff, aber Geers sucht nach Alternativen.

Mehr zur Baumschule Geers und ihrer Bio-Produktion lesen Sie in unserem ausführlichen Porträt in Deutsche Baumschule 1/2020, die in unserem Online-Shop abrufbar ist.