Grüne Branche

Bioeffektoren: mehr Ertrag und höhere Stressresistenz

, erstellt von

Mikroorganismen und bioaktive Substanzen können als sogenannte „Bioeffektoren“ eine wachstumsstimulierende Wirkung auf Pflanzen haben und deren Stresstoleranz erhöhen. Wie Untersuchungen der Universität Hohenheim zeigen, könnten Bioeffektoren sogar zu weniger Schäden durch Klimawandel führen.

Bei Tomaten zeigten die Bioeffektoren in Versuchen gute Wirkung. Foto: Uni Hohenheim/Astrid Untermann

38 Bioeffektoren im Langzeittest

Fünf Jahre lang haben sich die Hohenheimer Forscher gemeinsam mit 21 europäischen Partner-Universitäten und -Instituten sowie Düngemittel-Produzenten im EU-Projekt „Biofector“ mit dem Einsatz von 38 Bioeffektoren – kommerzielle Produkte ebenso wie Neuentwicklungen – in Kombination mit verschiedenen Düngern beschäftigt.

Sie testeten verschiedene klimatische und Bodenbedingungen am Beispiel von Tomaten, Mais und Weizen. Das Ergebnis: In etwa 30 Prozent der über 1.100 getesteten Versuchsvarianten konnte eine wachstumsstimulierende Wirkung der Bioeffektoren nachgewiesen werden.

Weniger Schäden durch Klimawandel?

Bioeffektoren könnten sogar, so vermuten die Wissenschaftler, zu weniger Schäden durch Klimawandel führen. Denn sie sind beispielsweise in der Lage, tropische Kulturpflanzen wie Mais, die in unseren Breiten oft unter kühlen Frühjahrstemperaturen leiden, aber auch Raps oder Wintergetreide gegen Kältestress zu stärken.

„Sie können offensichtlich über Signalfunktionen natürliche Anpassungsreaktionen an Kälte- oder Trockenstress stimulieren. Die Produzenten werden damit besser gegen klimawandelbedingte Wetterschwankungen abgesichert“, so Prof. Dr. Günter Neumann vom Fachgebiet Ernährungsphysiologie der Kulturpflanzen an der Universität Hohenheim.

Das fand bereits in die Praxis Eingang: Der Rapszüchterverbund „Rapool-Ring“ setzt inzwischen standardmäßig Saatgutbeizungen zur Förderung des Wurzelwachstums und zur Erhöhung der Stresstoleranz ein.

Höhe und Art des Nährstoffangebots entscheidend

Bioeffektoren, so Neumann, könnten, richtig angewendet, sowohl der konventionellen als auch der ökologischen Landwirtschaft zugutekommen: An der Wurzel platziert, können sie den Pflanzen helfen, durch Förderung des Wurzelwachstums oder durch Mobilisierungsprozesse leichter an die Düngernährstoffe heranzukommen und diese effizienter zu nutzen. Dadurch muss weniger Dünger ausgebracht werden. Das gelte für organische und Mineralstoffdünger.

Wichtig sei jedoch die Höhe und Art des Nährstoffangebots. Bei hoher Nährstoffverfügbarkeit sind bei optimalem Wachstum oft keine zusätzlichen Bioeffektor-Wirkungen zu erwarten, während bei zu niedrigem Nährstoffangebot die Wirtspflanzen häufig so stark gestresst sind, dass sie die Wurzelbesiedelung durch wachstumsfördernde Mikroorganismen nicht mehr ausreichend mit ihren Wurzelabscheidungen unterstützen können.

Sowohl Einzelpräparate als auch Cocktails erfolgversprechend

Auch die Art des Düngerangebots spielt offenbar eine wichtige Rolle: Bei den organischen Düngern sei ein hoher pflanzenverfügbarer Stickstoffgehalt besonders förderlich für die Interaktion mit Bioeffektoren auf Mikroorganismen-Basis. Bei den Mineraldüngern zeigen sich günstige Wirkungen in Kombination mit Ammonium als Stickstoffquelle. „Solche Zusammenhänge müssen für erfolgreiche Anwendungen zukünftig stärker berücksichtigt werden“, betont der Experte.

Im Fokus der Forschung steht zudem die Frage, wie und in welcher Zusammensetzung die Präparate am besten an die Pflanzen gebracht werden sollten. Erste Versuche zeigten, dass sowohl Einzelpräparate als auch Cocktails erfolgversprechend sein können: Beide führten beim Tomatenanbau unter geschützten Gewächshaus-Bedingungen zu deutlichen Ertragssteigerungen bei organisch gedüngten Tomaten.

Mehr zum Thema Bioeffektoren lesen Sie in der TASPO 04/2019, die Sie im TASPO Online-Shop abrufen können.