Grüne Branche

Bioland verabschiedet neue Richtlinie „Biodiversität“

, erstellt von

Auf der Delegiertenversammlung in Fulda hat Bioland als erster deutscher Bioanbauverband eine umfassende Richtlinie zur Förderung der Biodiversität auf den Betrieben verabschiedet. Ab 2021 soll diese in Kraft treten.

Als erster Verband setzt Bioland auf eine neue Richtlinie zur Erhaltung der "Biodiversität". Foto: Bioland

Bundesfachausschuss arbeitete zwei Jahre an Richtlinie

Über 7.700 Landwirte, Gärtner, Imker und Winzer sind im Verband Bioland organisiert und wirtschaften nach den Bioland-Richtlinien. Hinzu kommen mehr als 1.000 Partner aus Herstellung und Handel. Gemeinsam bilden sie eine Wertegemeinschaft zum Wohl von Mensch und Umwelt und verabschiedeten auf ihrer Delegiertenversammlung Im November die neue Richtlinie zum Erhalt der Biodiversität. Ein eigens gegründeter Bioland-Bundesfachausschuss „Biodiversität“ habe die Richtlinie in den vergangenen zwei Jahren ausführlich diskutiert und erarbeitet. Das Ziel der Richtlinie sei es, einen Mindeststandard für Zusatzleistungen zum Erhalt der Biodiversität zu setzen. Der Richtlinie liegt ein Punktesystem zugrunde, das einzelne, zum Betrieb passende Maßnahmen separat bewertet. Diese reichen von niederschwelligen Aktionen wie der Einrichtung von Nistkästen über den Erhalt von extensivem Grünland hin zum Verzicht auf mechanische Unkrautregulierung oder der Neuanlage von Landschaftselementen.

„Wichtigste Aufgabe der Menschheit“

„Der Erhalt der Artenvielfalt gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Menschheit“, machte Bioland-Präsident Jan Plagge seinen Standpunkt deutlich. „Das Ausmaß des Artensterbens ist so groß, dass es der Brisanz der Klimakrise gleichzustellen ist. Daher müssen alle Bereiche der Gesellschaft endlich beginnen zu handeln. Der Ökolandbau setzt hier systembedingt bereits eine ideale Grundlage. Doch dies alleine reicht uns nicht. Daher freue ich mich sehr, dass Bioland als erster deutscher Bioanbauverband zusätzliche Leistungen zum Schutz der Artenvielfalt explizit in seinen Richtlinien aufnimmt und dadurch ein wichtiges Signal sendet“, führte Plagge weiter aus. „Nun ist vor allem auch die Politik gefragt, öffentliche Leistungen der Landwirte im Bereich Biodiversität sowie darüber hinaus im Umwelt-, Tier- und Naturschutz ausreichend zu honorieren“, ergänzte der Bioland-Präsident. „Aber auch die Marktpartner bis hin zum Verbraucher sind in der Verantwortung den Mehraufwand für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen zu tragen.“

„Ohne Zusammenspiel vieler Arten geht unser System kaputt“

Die Verabschiedung der Richtlinie war für viele Anwesende bei der Delegiertenversammlung ein Meilenstein, nicht zuletzt da Bioland deutschlandweit damit eine Vorreiterrolle einnehme. „Landwirtschaft ist ohne den Beitrag der verschiedensten Tier- und Pflanzenarten gar nicht denkbar. Und gleichzeitig ist diese Landwirtschaft eine der Hauptursachen für die Biodiversitätsverluste. Genau hier setzt unsere neue Richtlinie an. Bioland-Bauern stehen für eine Landwirtschaft, die Artenvielfalt erhält und nicht zerstört“, erklärte Katharina Schertler, Beraterin Biodiversität bei Bioland. „Ich begrüße die Richtlinie ausdrücklich! Ohne das Zusammenspiel vieler Arten geht unser System zugrunde. Der Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide ist im Ökolandbau zwar seit jeher gesetzt, aber es gibt noch so viele andere Stellschrauben. Hier wollen wir Verantwortung übernehmen. Die neue Richtlinie motiviert mich hier noch genauer hinzuschauen und meinen Beitrag zu mehr Artenvielfalt zu leisten“, pflichtete auch Sepp Braun aus Freising bei. Der Bioland-Bauer hat mit seiner Stimme für die Richtlinie gestimmt.