Grüne Branche

Bioverarbeiter diskutieren: Genügt Bio allein nicht mehr?

Bei der Bioverarbeiter- Tagung im schweizerischen Frick diskutierten Ende Oktober rund 70 Teilnehmer über die Chancen und Herausforderungen im Biomarkt. Man war sich einig, dass dessen Potenzial nach wie vor groß ist, meldet das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL).

World Cafés. Foto: FiBL/Thomas Alföldi

So habe insbesondere der Vortrag „Marktübersicht – Bio allein genügt nicht mehr“ von Jörg Reuter, Co-Geschäftsführer der Berliner Strategieberatung Grüne Köpfe, beim im Zweijahrestakt stattfindenden Branchentreff für erhöhte Aufmerksamkeit gesorgt.

Reuter habe sich überzeugt gezeigt, dass man im Biomarkt weiterhin von hohen Wachstumspotenzialen ausgehen darf: Um diese auszuschöpfen, brauche es in der Verarbeitung einen Paradigmenwechsel von den „3G“ (Genuss, Gesund, Gerecht) zu den „4E“ (Egoistisch gut, Emotional nah, Ethisch richtig, Erleuchtend).

Bio fokussiere heute zu stark auf Strategie, Grenzwerte und Richtlinien und vernachlässige darüber die romantische Seite des Konsumenten, der emotional abgeholt werden wolle.

Die Biobewegung schotte sich mit ihrer Konzentration auf Weltverbesserung zu stark ab. Heute suche der bewusste Konsument eher die Sinnhaftigkeit im lustvollen Konsum als die verzichtorientierte Selbstbeschränkung. Deshalb, so die Prognose des grünen Trendforschers, „werden Verbands-Label emotionalen Produkt-Produzenten-Geschichten Platz machen müssen“.

Dieser Trend werde noch verstärkt durch die zunehmende Bedeutung der sogenannten „Food Skills“ als Statussymbole. Mit Kochkunst, dem Wissen über originelle Produzenten und in Handarbeit hergestellten Delikatessen könne man heute angeben wie einst mit einem tiefer gelegten Sportwagen.

Im Anschluss an die Vortragsveranstaltung versammelten sich die Teilnehmer laut FiBL zu sogenannten World Cafés: An wechselnden Tischen geht es dabei darum, das Gehörte zu diskutieren und Schlüsse daraus zu ziehen. Dabei habe sich gezeigt, dass Jörg Reuter mit seinem Vortrag sehr stark inspiriert hat.

Mehrheitlich sei man der Meinung gewesen, dass die Kommunikation frischer, emotionaler und gar „sexier“ werden müsse. Hoch bewertet worden sei auch der Bedarf an Ehrlichkeit. Man müsse zu seinen Schwächen stehen, um so für Transparenz und Glaubwürdigkeit zu sorgen. Einer Überforderung durch eine zu hohe Zahl von Labels wolle man mittels „Labelsfusion“ entgegenwirken. (ts/fibl)