Bis 2026: neues Zertifizierungssystem für Torfersatzstoffe

Veröffentlichungsdatum: , Daniela Sickinger / TASPO Online

Sowohl bei Profisubstraten als auch bei Hobbyerden wird eine Reduzierung des Torfanteils angestrebt. Foto: Green Solutions

Damit Gärtner künftig sicher sein können, dass Torfersatzstoffe wie Holzfasern oder Rindenhumus nachhaltig sind, wird derzeit ein internationales Zertifizierungssystem entwickelt. Substrate mit einem entsprechenden Nachhaltigkeitssiegel sollen ab 2026 erhältlich sein, informiert die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR).

Holzfasern, Kompost und Co. bislang wichtigste Torfersatzstoffe

Die Reduzierung des Torfanteils in Substraten und Erden ist nicht nur Bestandteil des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung, die Hersteller haben sich ebenfalls feste Ziele zur Torfminderung gesteckt. Als wichtigste Torfalternativen gelten bislang Holzfasern, Kompost, Rindenhumus und Reststoffe aus der Kokosindustrie. Daneben eignen sich grundsätzlich auch Flachsschäben, Miscanthusstroh, Reisspelzen, Hanf- und Palmfasern, Pflanzenkohle, Biomasse aus Paludikulturen, Gärreste aus Biogasanlagen, Reststoffe aus der Kaffeeverarbeitung oder Schafwolle als Substrat, zählt die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) auf. Diese Torfersatzstoffe werden der FNR zufolge teilweise international gehandelt.

Nachhaltigkeit von Ersatzstoffen nicht immer einfach zu überprüfen

Kokosfasern und Kokosmark etwa fallen bei der Verarbeitung von Kokosnüssen vor allem in Asien sowie in Lateinamerika an. Dabei stehen laut FNR teilweise die Arbeitsbedingungen in der Kritik, zudem hat Indien die Anbaufläche in den letzten Jahren stark ausgeweitet, was das Risiko von Landnutzungsänderungen, etwa durch Rodung von Urwäldern, erhöhe. Auch andere Torfersatzstoffe können problematisch sein, wie die FNR erklärt. Holzfasern stammen zwar in der Regel aus Europa, hier bestehe allerdings ein Nachhaltigkeitsrisiko in der Übernutzung von Wäldern, und bei Importen lasse sich die Nachhaltigkeit nicht immer einfach überprüfen. Bei Kompost aus Grüngut wiederum können das Gewicht und hohe Transportemissionen negativ zu Buche schlagen, wenn der Kompost nicht aus der Region stammt.

System soll verschiedene Nachhaltigkeitsaspekte abdecken

Damit sämtliche Marktteilnehmer – vom Substrathersteller über den Profi- bis zum Hobbygärtner – künftig sicher sein können, dass die verwendeten Torfersatzstoffe auch nachhaltig sind, entwickelt die Meo Carbon Solutions GmbH derzeit in einem vom Bundeslandwirtschaftsministerium finanzierten und über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe begleiteten Projekt ein internationales Zertifizierungssystem. Das Vorhaben soll vor allem die Aspekte Ökologie, Soziales sowie Klimaschutz abdecken sowie sicherstellen, dass für die Torfersatzstoffe kein Wald gerodet oder übernutzt wurde und bei der Herstellung keine Kinderarbeit im Spiel war. Auch soll das Zertifizierungssystem ermöglichen, die Treibhausgas-Einsparung der Ersatzstoffe gegenüber denen von Torf künftig einheitlich beziffern zu können. Die Berechnungsmethodik dafür entwickle Meo in Abstimmung mit dem Thünen-Institut für Agrartechnologie, das im Rahmen des Projekts MITODE bereits zur Ökobilanzierung von Torfersatzstoffen arbeitet.

Nachhaltigkeitssiegel für Substrate und Erden spätestens ab 2026

Meo selbst bringe durch sein International Carbon Certification System (ISCC) zur globalen Zertifizierung von Agrarrohstoffen große Erfahrungen mit, betont die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. Bei ISCC komme demnach unter anderem Satellitentechnik zum Einsatz, um Rodungen aus der Ferne zu erkennen. Diese Kenntnisse will Meo Carbon Solutions auch für die Kontrolle der Torfersatzstoffe nutzen, erklärt die FNR. Sofern bei dem in drei Phasen gegliederten Projekt alles nach Plan laufe, können Erwerbs- und Hobbygärtner laut FNR spätestens ab 2026 Substrate mit einem entsprechenden Nachhaltigkeitssiegel kaufen.