Grüne Branche

Blockheizkraftwerke: wie sich der Einsatz im Gartenbau rechnet

Seit Inkrafttreten der Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG) am 19. Juli 2012 (siehe TASPO 33/12) und der damit verbundenen Anhebung der Fördersätze mag sich mancher Gartenbaubetrieb mit dem Gedanken tragen, seine elektrische Energie und Wärme künftig über ein eigenes Blockheizkraftwerk (BHKW) zu gewinnen. Um sicherzustellen, dass sich der Einsatz eines BHKW im jeweiligen Betrieb auch wirklich rechnet, sind vor der Anschaffung jedoch einige wichtige Planungsgrößen zu berücksichtigen. 

Die Wirtschaftlichkeit eines BHKW hängt von vielen Faktoren ab. Foto: Daniela Sickinger

Eines machte Björn Wenzel, der unter anderem als Energieberater am Gartenbauzentrum Straelen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen tätig ist, in seinem Vortrag auf der Fachtagung Energieeffizienz in Papenburg allerdings gleich zu Anfang klar: Die 0,3 Cent, um die die Fördersätze im Zuge der KWKG-Novelle angehoben wurden, würden etwa bei einem ganzjährig betriebenen 50 Kilowatt-BHKW lediglich 1.000 Euro ausmachen.

„Ein viel gravierenderer Faktor ist da, wenn sich der Preis für die Input-Stoffe, also Erdgas oder Heizöl, verändert“, so Wenzel (siehe auch TASPO 27/12). Erschwerend komme die Aussetzung der Mineralölsteuerrückerstattung für BHKW hinzu. Diese solle zwar wiederkommen, ungewiss sei aber, wie lange das noch dauere. Wenzels Zwischenfazit daher: „Für den Gartenbau bringt das neue KWKG wenig.“

Ebenfalls im Zusammenhang mit dem KWKG sei zu beachten, dass selbst bei ausschließlicher Eigennutzung des gewonnenen Stroms ein Anschluss an das öffentliche Netz vorhanden sein muss. Nur dann sei eine Förderung des Eigenverbrauchs möglich, so Wenzel.

Bei der Beurteilung der Rentabilität eines BHKW steht am Anfang die Frage, ob eine möglichst vollständige Wärme-nutzung gegeben ist. „Ein Blockheizkraftwerk zu nutzen, nicht aber die erzeugte Wärme, rechnet sich in der Regel nicht“, so Wenzel. Häufig überschätzt werde hier allerdings, wie viel Wärme ein Gartenbaubetrieb tatsächlich abnehmen könne. Bei einer Auslegung des BHKW am Wärmebedarf des Gartenbaubetriebes mit dem Ziel, eine möglichst hohe Jahresabdeckung zu gewährleisten, werden die Laufzeiten für das BHKW sehr gering. Relativ unproblematisch sei die Auslegung als Grundlast, jedoch würden laut Wenzel dann aber nur 30 bis 50 Prozent des Jahresenergiebedarfes abgedeckt. Das BHKW sei daher lediglich als zusätzlicher Energieträger zu sehen.

„Als Instrument, um eine alte Öl- oder Gasheizung komplett zu ersetzen, wird es nicht funktionieren“, so Wenzel.

Welche Faktoren neben der Frage nach der Wärmenutzung zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit außerdem berücksichtigt werden müssen und was beim Betrieb eines BHKW aus umsatzstuerlicher Sicht zu beachten ist, lesen Sie in der aktuellen TASPO Ausgabe 39/12. (ds)