Grüne Branche

Blumen-Großhandel arbeitet an einem Vergleichs-Maßstab für Blumenlabel

Der Weltverband des Blumengroßhandels Union Fleurs traf sich diesmal in Deutschland. Iris Anger sprach mit seinem Präsidenten Lennart Loven über aktuelle Beschlüsse zum Thema Nachhaltigkeit und weitere „Baustellen“ von Union Fleurs. 

Der Union Fleurs-Präsident Lennart Loven (re.) und Jan Roloefs, der Präsident des deutschen Großhandelverbandes BGI. Foto: Iris Anger

Herr Loven, welches Thema stand beim Treffen der Union Fleurs in Straelen im Mittelpunkt?

Ganz klar das Thema Nachhaltigkeit. Die Frage ist, wie können wir dafür sorgen, dass immer mehr Blumen und Pflanzen nachhaltig erzeugt und zertifiziert werden und wie sind unsere Mitglieder hier eingebunden.

Welche Beschlüsse hat Union Fleurs zum Thema Nachhaltigkeit gefasst?

Es gibt das sogenannte FSI-Programm (s.u.) in den Niederlanden. Union Fleurs hat beschlossen, hier Mitglied zu werden und dieses System zu unterstützen und mit weiterzuentwickeln. Dabei geht es nicht um ein neues Label oder eine eigene Zertifizierung. Wir wollen damit vorher ansetzen und Qualitätskriterien festlegen, um so zu einem Vergleichsmaßstab zu kommen.

Mit diesem Maßstab kann der Großhandel dann bestehende Zertifizierungssysteme abgleichen. Ein Importeur oder Abnehmer hat so schnell die Übersicht darüber, unter welchen Bedingungen beispielsweise die Blumen von FloraVerde aus Kolumbien erzeugt wurden oder jene aus Ekuador, Kenia oder den Niederlanden. So lässt sich ablesen, ob soziale oder ökologische Kriterien bei der Erzeugung berücksichtigt wurden.

Wann wird dieser Vergleichsmaßstab etabliert sein?

Wir gehen von Ende des Jahres aus. Wir brauchen es jetzt schnell. Die Finanzierung steht über die Stakeholder von FSI, und die niederländische Regierung hat ebenfalls ihre Zusage gegeben, sich zu beteiligen. Union Fleurs wird als internationaler Schirm die Kriterien von FSI weltweit zur Grundlage machen und anwenden. Dabei handelt es sich zwar um Mindestkriterien, aber Kriterien auf einem relativ hohen Niveau. Man kann also sagen, ob ein Produzent oder Anbieter am Markt diese Mindestkriterien einhält oder ob er bei den sozialen Kriterien, beim Wasserverbrauch oder in der CO2-Bilanz noch nachbessern muss.

Es gibt doch schon Labels, warum noch einen Vergleichsmaßstab?

Ja, die Labels gibt es schon, aber eben nur auf der Ebene der Produzenten. In der weiteren Warenwirtschaftskette geht die Labelung gerne verloren. Das wollen wir verhindern und den Einkäufern die Möglichkeit schaffen, Vergleiche anstellen zu können und danach zu selektieren. Nur so wird die Zertifizierung dann auch bis zum Endverbraucher durchgehalten werden können. Damit globalisieren wir die Zertifizierung.

Was beschäftigt die Union Fleurs außerdem noch?

Die Europäische Union ist der größte Markt für Blumen und Pflanzen aus sich entwickelnden Drittländern. Deshalb geht es bei unserer Arbeit in Brüssel darum, diesen Ländern das Verbringen ihrer Waren auf den europäischen Markt zu ermöglichen, und zwar mit möglichst wenigen Handelsauflagen oder Zollbestimmungen.

Durch ihre wirtschaftliche Entwicklung werden einige afrikanischen Länder, beispielsweise Kenia, 2014 aus dem sogenannten Generalized System of Preferences oder GSP (s.u.) herausfallen. Dadurch könnten sie nicht mehr zollfrei nach Europa exportieren. Für Südamerika gibt es deshalb inzwischen ein neues Freihandelsabkommen mit Kolumbien und Peru. Nur für Ekuador gibt es das noch nicht. Hier laufen noch die Verhandlungen.

Noch weitere „Baustellen“?

Unser nächstes Ziel ist, die drohende Gefahr abzuwenden, dass Kenia aus der Zollfreistellung herausfällt. Das wäre für die kenianischen Produzenten ein Desaster und würde die Versorgung des europäischen Marktes deutlich beeinträchtigen und die Preise in die Höhe treiben. Hier sehe ich dann eine große Konkurrenz mit Staaten wie Äthiopien, die durch ihren Status als am wenigsten entwickelte, last developed countries, in jedem Fall einen freien Zugang auf den europäischen Markt haben und zollfrei importieren können.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die in Zukunft wichtigsten Wachstumsmärkte?

Klar ist das im Moment auf jeden Fall Russland. Allerdings schottet die russische Regierung zurzeit den Markt recht rigide ab. Hier würden wir natürlich gerne Veränderungen bewirken, um diesen wirklich riesigen Markt bedienen zu können. Die Ukraine hat ebenfalls ein ungeheures Wachstumspotenzial, eigentlich die meisten der Ostländer. Aber wir sollten noch weiter über den Gartenzaun schauen. China beispielsweise hat ungeheure Potenziale, wir wissen nur noch nicht mit welchem Schwerpunkt, ob Einkäufer oder als Verkäufer, vermutlich für beides. Hier müssen wir unser Augenmerk hinlenken. (ia)

Floriculture Sustainability Initiative (FSI): ein noch junger Zusammenschluss von internationalen Marktpartnern und Organisationen aus dem Blumen- und Pflanzensektor, die gemeinsam Kriterien für eine Definition von Nachhaltigkeit entwickeln wollen. Zu den Gründungsmitgliedern gehören beispielsweise:

  • Der Verband der niederländischen Großhändler VGB
  • Der deutsche Blumen- Groß- und Importhandel (BGI)
  • Der WWF Kenya
  • Die Organisation der äthiopischen Blumenerzeuger und -exporteure (EHPEA)
  • Die Vertretung des niederländischen Gartenbaus, die Productshap Tuinbouw
  • Die Initiatief Duurzame Handel (IDH) (ia)

Allgemeines Präferenzsystem (APS): Das APS (Generalized System of Preferences, GSP) besteht seit 1971 und ist ein Handelssystem der EG/EU, das den Entwicklungsländern unilateral Handelspräferenzen gewährt. Jeweils für einen Zeitraum von zehn Jahren abgeschlossen, zielt das APS auf eine Verbindung von Handels- und Entwicklungspolitik, um eine wirksame Bekämpfung der Armut zu ermöglichen und die Integration der Entwicklungsländer in den Weltmarkt zu forcieren. (ts)