Grüne Branche

Blumen und Pflanzen: Schleuderpreise beim Discounter – wie geht das?

Der Lebensmittel-Einzelhandel und speziell Baumärkte und Discounter legen beim Absatz von Blumen und Pflanzen immer mehr zu. Dabei werden beispielsweise Topfpflanzen oft zu Schleuderpreisen verkauft und geraten so zum Mitnahme- und Wegwerfartikel. Doch wie kommen Discounter überhaupt an so billige Ware? Die TASPO Online-Redaktion hat bei Aldi und Landgard nachgefragt. 

Fallbeispiel: Poinsettienkübel im 22cm-Topf, bei Aldi Süd zu 5,99 Euro verkauft. Lieferant ist laut Folienverpackung Landgard. Foto: Norbert Elgner

Aldi Nord verweist auf Gesetze von Angebot und Nachfrage

Aldi Nord verweist uns gegenüber erwartungsgemäß auf die Gesetze von Angebot und Nachfrage. Bei der Beschaffung von (Roh-)Waren berücksichtigt die Discounterkette nach eigenen Angaben außerdem weitere preisbildende Faktoren wie Ernten, Energiekosten oder Produktionsmengen.

„Aldi Nord setzt grundsätzlich auf faire Einkaufspraktiken, bei denen der finale Einkaufspreis ausschließlich über festgelegte Ausschreibungsprozedere und durch die allgemeinen Marktgegebenheiten bestimmt wird“, so das Unternehmen.

„Sollten sich vor dem Hintergrund der Marktsituation preisliche Vergünstigungen erzielen lassen, geben wir diese Einsparungen selbstverständlich an unsere Kundinnen und Kunden weiter. Unsere attraktiven Einkaufspreise im Bereich Aktions-/Saisonartikel Blumen- und Pflanzenbedarf kommen in der Regel über die abgenommenen großen Mengen pro Artikel zustande“, so Aldi Nord. Zu weiteren Fragen wie etwa den Lieferantenstrukturen wollte sich das Unternehmen uns gegenüber nicht äußern.

Discounter verkaufen zum Teil unter Produktionspreis

Da Aldi und andere Discounter Pflanzen zum Teil unter Produktionspreis verkaufen, stellt sich trotz dieser Stellungnahme die Frage, wie solche extremen Billig-Angebote möglich sind. Franz-Willi Honnen, Geschäftsführer Landgard Blumen & Pflanzen, führte dazu in unserem im Januar erschienenen TASPO dossier „Tiefstpreise – Billig in den Branchentod“ aus, dass es im Einzelhandel durchaus üblich sei, „den Kunden auch mit einem Angebot zu locken, das subventioniert ist.“

Dies sei im „einen oder anderen Fall auf den ersten Blick bedauernswert, weil solche Preisaktionen im Einzelhandel den Wert von Blumen und Pflanzen in der Wahrnehmung der Verbraucher herabsetzen“, so Honnen in unserem Interview im TASPO dossier. Um dem gegenzusteuern, unterstützt Landgard von Beginn an die im Rahmen der IPM 2015 gestartete Inwertsetzungskampagne des Zentralverbands Gartenbau (ZVG).

Viele bei Aldi verkaufte Pflanzen kommen über Landgard

Außerdem hat die Vermarktungsorganisation mit „Blumen – 1.000 gute Gründe“ pünktlich zum Valentinstag eine eigene Kommunikationskampagne ins Leben gerufen, um Pflanzen wieder stärker im Bewusstsein der Verbraucher zu verankern. Ungeachtet dessen werden viele der bei Aldi zu Schleuderpreisen angebotenen Pflanzen über Landgard vermarktet – was manch einer als Widerspruch empfinden mag.

„Allgemein gilt: Als Erzeugergenossenschaft ist es unsere Kernaufgabe, die Produkte unserer Mitgliedsbetriebe bestmöglich zu vermarkten. Dabei sind wir bestrebt, über unsere Handelspartner, egal ob Fachhandel oder organisierter Handel, so viele Endverbraucher wie möglich mit Blumen und Pflanzen zu versorgen. Hierzu gehört auch der Discount mit einem Marktanteil von aktuell rund 15 Prozent“, so Landgard gegenüber der TASPO Online-Redaktion.

Zusätzlich verweist die Vermarktungsorganisation auf das oben erwähnte Interview mit Franz-Willi Honnen im Rahmen des letzten TASPO dossiers. „Darin hat er ausführlich Stellung zu dieser Thematik bezogen, und selbstverständlich haben seine Antworten auch weiterhin Gültigkeit“, so Landgard.

„Blumen – 1.000 gute Gründe“ will Absatzvolumen stabilisieren

Im Zusammenhang mit der Kampagne „Blumen – 1.000 gute Gründe“ äußert das Unternehmen auf Anfrage der TASPO Online-Redaktion, dass das oberste Ziel der Initiative sei, Blumen und Pflanzen wieder mehr im Bewusstsein der Verbraucher zu verankern und neben bestehenden Käuferschichten vor allem Gelegenheitskäufern und der jungen Zielgruppe neue und zusätzliche Anlässe zum Kauf von Blumen zu vermitteln.

„Diese Zielgruppen kaufen Blumen in allen Kanälen – also sowohl im Fachhandel als auch in Baumärkten, im LEH und beim Discounter. Es geht bei ,1.000 gute Gründe‘ also nicht in erster Linie um Inwertsetzung, sondern um die Stabilisierung des Absatzvolumens von Blumen und Pflanzen insgesamt – durch neue Zielgruppen, die heute nie oder nur selten Blumen kaufen, und durch neue und zusätzliche Kaufanlässe“, so Landgard.

Für die Inwertsetzung der Produkte setze sich die ZVG-Kampagne ein, „die von uns ja ebenfalls maßgeblich unterstützt wird.“ (ds)