Grüne Branche

Blumensträuße sind Pestizid-Schleudern!?

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Um Schnittblumen als Frühlingsboten ging es im ARD-Wirtschaftsmagazin „Plusminus“. Wer die TV-Reportage sah und als Otto Normalverbraucher den Inhalt einigermaßen reflektierte, dürfte wohl zumindest für eine gewisse Zeit abgeschreckt sein, einen Blumenstrauß auf seinen Wohnzimmertisch zu stellen.

Sowohl das Wirtschaftsmagazin „Plusminus“ als auch Greenpeace fanden in Blumensträußen Rückstände von verschiedenen Pestiziden. Foto: Pixabay

Selbst zertifizierte Ware nicht frei von Pestiziden

Die Reportage prangerte Schnittblumen-Importware und insbesondere Schnittrosen als reinste Pestizid-Schleudern an. An Rosen aus Äthiopien oder Kenia wurden laut Beitrag bis zu 20 verschiedene Pestizide festgestellt, darunter viele in Europa oder Deutschland nicht zugelassene. Selbst zertifizierte Ware, genannt wurde Fairtrade-Ware, sei keineswegs frei von gefährlichen Rückständen.

Und ist ein Blumenstrauß aus Importware zu entsorgen, sollte er keinesfalls auf den Kompost, sondern in den Hausmüll. Nach jedem Kontakt mit den Blumen wurde ein gründliches Händewaschen empfohlen. Soweit die Negativbotschaft. Eine Steilvorlage lieferte die Sendung dagegen für Ware aus der Region. Besonders hervorgehoben wurden Schnittblumen mit dem Label „Ich bin von Hier“ – der Marke der Deutschen Blumengroßmärkte.

Greenpeace: „echte Bestattungssträuße für Bienen“

Als „echte Bestattungssträuße für Bienen“ kritisierte unlängst auch Greenpeace Niederlande Schnittblumen. In zwölf online bestellten Sträußen verschiedener namhafter Anbieter hatte die Umweltschutzorganisation nach eigenen Angaben nicht nur viele Rückstände, sondern auch solche von aus Bienenschutzgründen verbotenen Pflanzenschutzmitteln gefunden.

Rosen, Gerbera und gemischte Blumensträuße der Anbieter Fleurop, De Bloemist, Topbloemen und Euroflorist hatten die Tester unter die Lupe genommen, ließen in einem auf den Agrarsektor spezialisierten Labor Multi-Rückstandsuntersuchungen durchführen.

Gemischte Blumensträuße am meisten belastet

Insgesamt maß Greenpeace Niederlande rund 100 Rückstände von 43 verschiedenen Substanzen, was durchschnittlich 8,3 pro Strauß entspricht. Vor allem die gemischten Blumensträuße hatten mit Abstand die meisten bienengiftigen Pflanzenschutzmittel mit einer durchschnittlichen Konzentration von 0,77 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) enthalten.

Auf Gerbera fanden die Tester deutlich weniger dieser Mittel und auch in etwas geringeren Konzentrationen. Und auf Rosen im Durchschnitt 0,75 mg/kg dieser Mittel, aber mit einem großen Ausreißer des Wirkstoffs Flonicamid (3,3 mg/kg). Infolgedessen fiel die durchschnittliche Konzentration von Rosen mit 0,95 mg/kg dann doch am höchsten aus. Flonicamid sei eng mit den umstrittenen Neonicotinoiden verwandt.

Die gemischten Sträuße enthielten laut Untersuchungen vier der neun bienengiftigen Substanzen der Greenpeace-Prioritätenliste. Die am häufigsten in den Untersuchungen gefundene bienengiftige Substanz war laut Greenpeace Acetamiprid (vier Funde). Thiacloprid (zwei Funde), Clothianidin, Thiamethoxam und Fipronil wurden laut den Untersuchungen ebenfalls auf einer Reihe von Schnittblumen entdeckt.

Pestizide zum Teil im europäischen Blumenanbau nicht zugelassen

Die Blumenproduzenten scheinen nicht dazu zu lernen, folgert die niederländische Organisation. In der Studie sei Greenpeace auch auf Pflanzenschutzmittel gestoßen, die nicht im europäischen oder niederländischen Blumenanbau erlaubt seien: Während es im Vorjahres-Weihnachtszierpflanzentest noch drei waren, wurden bei den Blumensträußen jetzt bis zu 18 verschiedene, im niederländischen Blumenanbau verbotene Produkte gefunden.