Grüne Branche

Bockkäfer: Wie sicher ist Acer aus China?

Zum 1. Mai 2012 wurde das rund zweijährige Importverbot für Acer aus China als Schutz vor der weiteren Einschleppung des Citrusbockkäfers (CLB, Anoplophora chinensis) aufgehoben. Die positive Bilanz knapp ein Jahr nach Aufhebung des Einfuhrstopps: Abgesehen von einer Beanstandung in Belgien, sind seitdem keine mit CLB befallenen Pflanzen aus China in die EU gelangt.

Gefährlicher Quarantäneschädling: der Citrusbockkäfer. Foto: JKI Braunschweig

Das Importverbot hat also Wirkung gezeigt, so das Fazit von Dr. Thomas Schröder vom Julius Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig. Grundvoraussetzung für die erneute Zulassung der Acer-Exporte in die EU war eine nachgewiesene Verbesserung der Produktionsbedingungen in den chinesischen Baumschulen.

Inspektoren des Food and Veterinary Office (FVO) der EU besuchten dazu im vergangenen Jahr die insgesamt sechs registrierten Exporteure in China und nahmen vor Ort deren Schutzmaßnahmen wie auch die Kontrollen des chinesischen Pflanzenschutzdienstes in Augenschein.

Zwar wurden bei dieser Inspektion laut Schröder noch kleinere Mängel gefunden, doch insgesamt befand das europäische Audit-Team, dass der Handel mit Acer wieder zugelassen werden könne.

Darüber hinaus müssen sich die chinesischen Acer-Produzenten weiterhin an die im Durchführungsbeschluss 2012/138/EU niedergelegten Anforderungen halten (siehe TASPO 17/12). Unter anderem muss der chinesische Pflanzenschutzdienst die registrierten Betriebe mindestens zweimal pro Jahr inspizieren und die Pflanzen müssen entweder in insektendichten Häusern, oder mit präventiven Insektizidbehandlungen und einer zusätzlichen Pufferzone von zwei Kilometer Radius angezogen worden sein, um die CLB-Freiheit sicherzustellen.

Zusätzlich muss jede Sendung vor dem Export offiziell untersucht werden – visuell und zerstörend. Als Nachweis erhalten die Ahornpflanzen ein von der chinesischen Behörde ausgestelltes Pflanzengesundheitszeugnis, dem man zunächst vertrauen müsse. „Gegebenenfalls wird es nochmals Kontrollen durch das EU-Inspektorat geben“, so Schröder.

An den Einlassstellen der EU-Mitgliedsstaaten werden alle ankommenden Sendungen dann noch einmal zerstörend geprüft. Das bedeutet konkret, dass bei einer Partie von bis zu 4.500 Pflanzen zehn Prozent davon zerschnitten werden müssen, bei Sendungen mit mehr als 4.500 Pflanzen sind es generell 450 Pflanzen. Dieses Verfahren ist Schröder zufolge gegenüber der vormals nur visuell durchgeführten Prüfung eine deutliche Verbesserung.

Dass seither an aus China importierten Acer bis auf eine Ausnahme keine Anzeichen für einen CLB-Befall gefunden wurden, scheint die Maßnahmen zu bestätigen. In punkto Sicherheit der Importe würde man sich auf einer Skala von eins bis zehn aktuell „in Richtung acht bis neun“ bewegen, so Schröder. Einen eventuell subjektiv wahrgenommenen gestiegenen Befallsdruck seit Aufhebung des Importverbotes führt der Experte vielmehr auf eine Verwechslung von Citrusbockkäfer und Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB, Anoplophora glabripennis) zurück.

Dieser wird im Gegensatz zum CLB nicht über befallene lebende Pflanzen, sondern hauptsächlich über Verpackungsholz eingeführt. Dadurch sei es 2012 in der EU Schröder zufolge tatsächlich zu sechs neuen Freilandausbrüchen gekommen – zwei davon allein in Deutschland. Bestimmte Waren aus China, deren Verpackungsholz die Gefahr einer ALB-Einschleppung birgt, werden daher ab April EU-weit strenger kontrolliert (siehe TASPO 10/13).

Anders beim CLB: Hier gab es lediglich in Belgien einen Fund an aus China importierten Acer im November 2012 (siehe TASPO 1/13). Zudem habe es sich hier vermutlich um einen Betrugsfall gehandelt und nicht um eine vom chinesischen Pflanzenschutzdienst kontrollierte Lieferung. „Davor ist man natürlich nicht gefeit“, räumt Schröder ein.

Wie viele Acer aus China tatsächlich seit Aufhebung des Importverbotes nach Deutschland eingeführt wurden, kann nicht mit Sicherheit beziffert werden. Die Masse käme nach wie vor über die Niederlande nach Europa, so Schröder. Sind die Pflanzen dort erst einmal vom Zoll abgefertigt, sei kaum noch nachzuvollziehen, wie viele Pflanzen woher kommen.

Allerdings sei laut Schröder eine generelle Verschiebung gegenüber 2008 festzustellen, als erhebliche Befallszahlen vorlagen: Waren insbesondere Acer palmatum damals noch regelrechte „Modepflanzen“, seien diese heute nicht mehr in großer Zahl und zu geringen Preisen in beinahe sämtlichen Baumärkten, Discountern und Supermärkten zu finden.

Das könne unter anderem an der mitunter doch sehr mangelhaften Qualität der importierten Pflanzen liegen, die im Zuge der zerstörenden Prüfungen aufgefallen war. So war etwa vielfach Holzfäule an den Pfropfstellen aufgefallen. (ds)