Grüne Branche

Bodendecker im Portrait

Tellima grandiflora

Deutscher Name: Fransenbecher

Geselligkeitsstufe: 3-4

Allgemeines: Die immer wieder zu lesende Bezeichnung
Falsche Alraunwurzel ist ein verunglückter Kunstname. Er deutet eine Ähnlichkeit oder Verwandtschaft zu Mandragora (Alraunwurzel) an, die nicht gegeben ist. Die äußerst giftige Tollkirschen-Verwandte Mandragora hat mit dieser harmlosen Saxifragaceae nichts zu tun.

Tellima grandiflora

Verbreitung: Westliches Nordamerika von Alaska bis mittleres Kalifornien, als Unterwuchsstaude in Schlucht- oder Feucht-Koniferenwäldern der Rocky Mountains. In Europa
stellenweise verwildert und eingebürgert.

Eigenschaften und Anforderungen: Siedelt sich mit Vorliebe in allen Schattenbereichen an; wünscht kühle bis kalte, frische bis feuchte, teilweise auch nasse Plätze; eingewachsene Pflanzen vertragen kurzzeitig mäßige Trockenheit. Sehr frosthart. Obwohl fast alle Bodenarten angenommen werden, stellen humose, lehmige oder auch tonige, wasserhaltende Substrate das Optimum dar. Leidet unter lang anhaltenden Perioden von Hitze und Trockenheit. Bodenreaktion sauer bis alkalisch; auf stark kalkhaltigen Böden neigt die Art zu Chlorosen. Bedingt stadtklimafest, salzempfindlich. Einigermaßen trittfest.

Wuchs: Zunächst polsterförmig wachsend, formt aber mithilfe von kurzen, knolligen Rhizomen und einer nicht endenden Aussaat ausgedehnte, nicht ganz gleichmäßig wirkende Flächen, die nach der Blüte schlampig aussehen können; schnellwüchsig und invasiv. Höhe bis 40 cm, Breite bis 60 cm.

Blatt: Handtellergroße, runde oder angedeutet herzförmige, etwas gebuchtete, hellgrüne Blattspreiten; in milden Gegenden oft wintergrün, sonst sommergrün mit fahlgelber Herbstfärbung.
Blüte: Langgezogene Rispen, deutlich über dem Laub stehend; viele kleine Blütenbecher sind wie Perlen an der Schnur angeordnet; Blütenrand gefranst; anfangs grünlich weiß, später unscheinbar rosa überlaufen, mit süßlichem Duft speziell in der Abenddämmerung.

Verwendung: Großflächig in Parkanlagen, Wald- und Wildnisgärten; sehr durchsetzungsfähig und schwächere Partner erstickend. Resistent gegen Wurzeldruck von Gehölzen; Bestände halten sich Jahrzehnte lang, für kleine Flächen weniger empfehlenswert. 5-7 (9)Stück/m².

Pflanzenmanagement: Insgesamt pflegearm. Es empfiehlt sich nach der Blüte ein maschineller Rückschnitt, um die reichliche und mitunter lästige Aussaat zu vermeiden.

Sortiment: Einige buntlaubige Sorten sind im Handel erhältlich. Das Problem sind zum einen grün durchtreibende Pflanzenteile, die es unbedingt zu entfernen gilt, da sie die kolorierten Typen rücksichtslos überwachsen. Zum anderen sind Samenstände zu entfernen, da sonst rein grüne Formen entstehen.
'Forest Frost': Blattoberseite mit großen silbrigen Flecken, Adern grün, ab Herbst verfärbt sich das Laub bronzerot. Schön als Aufhellung von dunklen Schattenpartien.
'Purpurteppich': Die Blätter verfärben sich nach dem Austrieb braunrot; Blattsaum und Blattlappen sind mehr rosa getönt.
'Rubra' (= 'Purpurea'): Die Blätter sind dunkelgrün mit rötlichem Hauch, die Blüten deutlich grünlich-rosa.

Prof. Dr. Peter Kiermeier, Weihenstephan