Grüne Branche

BOG enttäuscht über EU-Bericht zur Harmonisierung von Pflanzenschutzmittelzulassung

Während eines gemeinsamen Treffens im Oktober zeigte sich der Bundesausschuss der Obst- und Gemüsebauern Vertretern des Bundesamtes gegenüber enttäuscht über den fehlenden Fortschritt bei der Zonalen Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Als „ernüchternd“ bezeichneten die Mitglieder die Aussagen im Bericht der Bundesregierung zur Harmonisierung der Pflanzenschutzmittelzulassung in der Europäischen Union. Die Zonale Zulassung werde ihrer Ansicht nach „auf die lange Bank“ geschoben.

Teil des Aktionsplans: Pflanzen effektiver gegen Schildläuse schützen. Foto: ThKatz/Fotolia

Begrüßt wurde dagegen von den Obst- und Gemüsebauern die eingerichtete „Task Force“ zur Analyse von Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln. Durch die unterschiedlichen Probenziehungen bei der amtlichen Lebensmittelüberwachung und der Wirtschaft würden unterschiedliche Analysenergebnisse erzielt, die es aufzuarbeiten gelte. Auch gelte es künftig, noch stärker nach den unterschiedlichen Herkünften von Obst und Gemüse die Auswertungen vorzusehen.

Aktionsplan soll Planungssicherheit für Pflanzenschutz erhöhen
Einig waren sich die Obst- und Gemüsebauern mit den Vertretern des BVL unter Führung ihres Präsidenten Dr. Helmut Tschiersky, mit dem Aktionsplan die Planungssicherheit für Pflanzenschutzverfahren im Obst- und Gemüsebau zu verbessern und mittel- und langfristig „Notfall-Zulassungen“ zu ersetzen. Die Gesprächsrunde stimmte darin überein, dass dies aber nur erreicht werden könne, wenn ausreichend Wirkstoffe und Pflanzenschutzmittel nach normalem Zulassungsverfahren den Betrieben zur Verfügung stehen. Sollte das normale Zulassungsverfahren nicht möglich sein, seien „Notfall-Zulassungen“ im Obst- und Gemüsebau weiterhin unverzichtbar. Bei den Zulassungen geht man von folgender Prioritätenliste einvernehmlich aus: Im Obstbau müssen Bekämpfungsstrategien für den Feuerbrand, die Schildläuse, die Apfelblutlaus, die Wanzen, die Kirschfruchtfliege und die neue Kirschessigfliege kurzfristig formuliert werden.

Im Gemüsebau geht es vorrangig um die Weißen Fliegen,die Kohlmotten, Schildläuse, die grüne Salatblattlaus, Gemüsefliegen, Kohlfliegen, Möhrenfliegen, Rapsglanzkäfer, Thripse, Unkräuter sowie pilzliche Schaderreger.

Problem fehlender Rechtssicherheit bei Rückständen von Chlorat und Phosphonat
Auf ein Problem fehlender Rechtssicherheit und unabgestimmter gesetzlicher Verordnungen machte BOGVorsitzender Jens Stechmann abschließend aufmerksam. So gebe es Rückstände wie z.B. von Chlorat oder Phosphonat, die nicht ihre Ursache in der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln hätten. Dennoch gelte für viele dieser Stoffe die Nachweisgrenze wie bei den Rückstandshöchstgehalten von Pflanzenschutzmitteln von 0,01 mg/kg. Für Chlorat sei damit ein Höchstwert festgelegt, der durch bloßes Waschen mit chloriertem Trinkwasser im Haushalt überschritten werden kann.

Ähnliches gelte für Phosphonatgehalte, die aus der Anwendung von Blattdüngern stammten und in den Produkten zu höheren Rückstandshöchstgehalten führten. Das BVL, insbesondere die Bundesregierung, ständen in der Pflicht, für die Betriebe für
Rechtssicherheit und Harmonisierung zu sorgen, forderte der Bundesausschuss. (ts)