Botanisches Weltwunder in Kew Gardens

Veröffentlichungsdatum: , Sven Weschnowsky / TASPO Online

Die Forscher beim Messen der Blätter der neuen Art Victoria boliviana in den Royal Kew Gardens. Foto: RBG Kew

In den Royal Kew Gardens nahe London wurde ein botanisches Weltwunder entdeckt. Eine Riesenseerose, die über Jahrzehnte für eine andere Art gehalten wurde, identifizierten Forscher nun als neue Art, die zugleich die weltweit größte Riesenseerose ist.

Dritte Art von Riesenseerosen identifiziert

Durch die internationale Zusammenarbeit von Forschern aus England und Bolivien konnte in den Royal Kew Gardens eine neue Art von Riesenseerosen entdeckt. Bislang ging die Forschung bei den Riesenseerosen in den Kew Gardens davon aus, dass es sich um die Gattung Victoria, 1852 nach der britischen Königin Victoria benannt, handelte. Jahrelange Untersuchungen und Forschungen brachten nun Gewissheit, dass man über Jahrzehnte der falschen Annahme gefolgt war. Benannt wurde die neue Art der Seerose nun in Anlehnung an ihre botanische Heimat und zu Ehren der bolivianischen Partner Victoria boliviana benannt. Bislang waren lediglich zwei Arten von Riesenseerosen bekannt, die Victoria amazonica und die Victoria cruziana.

Forscher trugen alle bekannten Informationen zusammen

Die Blüten der Victoria boliviana verfärben sich von weiß zu rosa und tragen stachelige Blattstiele. In freier Wildbahn werden die Blätter der Pflanze bis zu drei Meter breit, womit sie die größte Seerose der Welt ist. Der derzeitige Rekord für die größte Art wird von den La Rinconada-Gärten in Bolivien gehalten, wo die Blätter 3,2 Meter erreichen. Dass man über Jahrzehnte davon ausging, es handele sich bei der Victoria boliviana um eine bereits bekannte Art, ist auf eine Wissenslücke zurückzuführen. In freier Natur wurde die Victoria amazonica erstmals 1832 benannt, aber es fehlten Daten, um Vergleiche mit den seither gefundenen neuen Arten anstellen zu können. Die Forscher trugen nun alle bekannten Informationen aus historischen Aufzeichnungen, Gartenbau und Geografie zusammen und erstellten einen Datensatz zu den Merkmalen der Art. Zudem wurde auch die DNA von Victoria boliviana analysiert, woraufhin die Forscher herausfanden, dass sie sich genetisch stark von den anderen beiden Arten unterscheidet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die neue Art am engsten mit Victoria cruziana verwandt ist und dass sich die beiden Arten vor etwa einer Million Jahren auseinanderentwickelt haben.

„Unglaubliche Leistung in der Botanik“

„Diese neuen Daten für Victoria und die Identifizierung einer neuen Art in der Gattung sind eine unglaubliche Leistung in der Botanik - die korrekte Identifizierung und Dokumentation der Pflanzenvielfalt ist entscheidend, um sie zu schützen und nachhaltig von ihr zu profitieren. Die Arbeit an dieser Studie war etwas ganz Besonderes, weil sie Fachwissen aus so vielen verschiedenen Bereichen - Gartenbau, Wissenschaft und botanische Kunst - zusammenbringt und eine enge Zusammenarbeit mit unseren bolivianischen Partnern erfordert. Victoria nimmt in der Geschichte von Kew einen besonderen Platz ein, da sie einer der Gründe dafür war, dass Kew in den 1830er Jahren vor der Schließung bewahrt wurde. Dass sie dazu beigetragen hat, das Wissen über diese prächtigen und ikonischen Pflanzen zu verbessern, ist für die Kew-Partner von besonderem Interesse“, erläutert Dr. Alex Monro, Forschungsleiter des sogenannten Americas-Teams in den Kew Gardens die Bedeutung des neuen Fundes.